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11. Februar 2017 17:46; Akt: 11.02.2017 17:46 Print

Wenn Krankenkassen gesunde Ernährung messen

von Jürg Hösli - Fitness-Tracker sind im Trend. Krankenkassen könnten die Daten nutzen, um ihre Kunden einzuteilen. Ein Trugschluss.

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Es gibt keine bösen oder guten Lebensmittel: Der Zeitpunkt machts. (Bild: Artmarin, iStock)

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Wer höhere Kosten verursacht, der soll zahlen. Wer gesund isst, viel Sport treibt, der soll auch finanziell entlastet werden. So würden Anreize geschaffen, sich gesund zu ernähren, einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Doch die ganze Sache wird sich als Rohrkrepierer entpuppen – warum?

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Peter und Paul kaufen folgendes ein: Gummibärchen, Laugenbrot, Kuchen, Bündnerfleisch, Pasta, Tomaten, Müesli, Gemüse, Käse, Früchte. Ist das gesund oder nicht?

Bei Peter sieht der Tagesablauf wie folgt aus: Frühstück Müesli, Eier, Zwischenmahlzeit Käse und Früchte, Mittagessen in der Kantine, vor dem Training Laugenbrot mit Bündnerfleisch, dann geht er Radfahren für zweieinhalb Stunden und nimmt viele Gummibärchen zu sich. Zwischendurch gönnt er sich einen Kuchen, danach die zweite Hälfte des Laugenbrots mit Bündnerfleisch. Abends gibt es Spiegelei mit Gemüse.

Paul steht auf und geht direkt ins Geschäft. Frühstücken mag er nicht. Er hat nie Hunger. Um 9 Uhr isst er ein kleines Müsli. Mittags Besprechungen, sonst ist nie Zeit dafür, hier genehmigt er sich ein Sandwich aus Laugenbrot mit Bündnerfleisch. Am Nachmittag bekommt er Heisshunger und Lust auf Kuchen. Danach geht er zum HIIT-Training. Vor und während dem Training isst er nichts, weil dies die Fettverbrennung stören soll. Direkt nach dem Training einen Proteinshake, weil das die Muskeln regenerieren lässt. Dann geht er nach Hause und kocht wenig Pasta, Gemüse und ein Ei. Dann schaut er fern. Plötzlich kommt noch einmal der Hunger und Lust auf Süsses auf. Er greift zu den Gummibärchen, und weil diese seinen Hunger nicht stillen können noch zu einer Schüssel Müesli.

Beide essen das Gleiche, der Lebensstil ist aber ein anderer. Beide trainieren: Peter sinnvoll, Paul aufgrund des Alltagsstress und der fehlenden Nährstoffzufuhr nicht. Er hat zwar das Gefühl, etwas Gesundes für den Körper zu tun. Der Effekt ist jedoch noch mehr Stress und Auslösen von Heisshunger nach dem Training. Peter setzt den Zucker perfekt ein. Er weiss, dass er keine «Vollkornkartoffeln» verbrennt während dem Training, sondern Zucker. Der Körper regeneriert so schneller und Peter kommt so auch nicht in eine Phase mit Heisshunger. Paul kompensiert im Gegensatz Stress mit Zucker, die Folge mehr Viszeralfett, Blutfettwerte entgleisen, der Blutdruck steigt, usw. Peter hat durch den richtig zugeführten Zucker nur positive Effekte.

Das Beispiel zeigt, wie abwegig es von den Krankenkassen ist, ein Training, Esswaren usw. zu erfassen und auf den Lebensstil oder ein Gesundheitsverhalten zu schliessen. Es gibt keine bösen oder guten Lebensmittel, der Zeitpunkt machts.

In Krankenkassen sollen nun Daten gefördert werden, welche null Sinn machen und für die gelebte Realität nicht interpretiert werden können. Aussagen bezüglich gesundheitsbezogenem Verhalten sind schlicht unmöglich. Der Wunsch der Krankenkassen ist ein Rohrkrepierer.

Wenn ich Gummibärchen und Weissbrot einkaufe, komme ich auf die schwarze Liste? Wenn viele Menschen, angestachelt von solch unheiligen Methoden der Krankenkassen, immer mehr ihre Ernährung «tracken» und das Gefühl haben, dass wir dem Körper etwas Gutes tun, verkopfen wir noch mehr und vergewaltigen unsere Körper. Ich bin gespannt, was die Statistik dann bezüglich Orthodoxie sagt.

Wenn wir einen gesunden Lebensstil führen, müssen wir nicht belohnt werden durch die Krankenkasse – uns belohnt das Leben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus07 am 11.02.2017 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist teurer?

    Man kann das Beispiel auch noch anders angehen, Peter macht kein Sport, ist gerne Fastfood und trinkt viel Bier, Paul macht viel Sport und ist gesund wie im Artikel beschrieben! Peter stirbt mit 62 an einem Herzinfakt. Davor einige Arzt Konsultationen und Blutdruckmedikamente! Paul hat bis 70 keine gravierende Gesundheitliche Problem, dann bekommt er Alzheimer und lebt bis 92 im Heimen, das letzte Jahr auf einer Palleativstation mit 24h Betreuung, was glauben Sie, wer generiert die weit höheren Kosten?

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  • Radikal am 11.02.2017 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gesund leben

    Nicht nur gesunde Ernährung und Massvoller Sport hält uns gesund. Sondern auch unsere Gedanken. Der psychische Stress, den wir heutzutage aufgebürdet bekommen ist auch nicht ohne. Auch wenn ich mich gesund ernähre und sportle, wenn ich nur aus Hass, Eifersucht, Angst und Neid bestehe, nützt aller gesunder Lebensstil nichts.

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  • Steff am 11.02.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sch.... egal

    Es spielt absolut keine Rolle ob die Daten sinnvoll ausgewertet werden können oder nicht. Das sind Gewinnorientierte Unternehmen die Aufgrund von Gesetzen schon fast automatisch Kohle bekommen.. Und das wichtigste überhaupt: der Aktionär muss glücklich sein... sch.... egal ob die gesammelten Daten sinnvoll ausgertet werden können oder nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SixPackBombayStyle am 12.02.2017 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Das ist eine gute Idee. Ein Fußfessel für alle molligeLadies mit Schrittzähler und Kalorienverbrauchsanzeige. Wichtig auch die Cola schlürfende Kitaprinze kontrollieren.

  • Müsli vs Müesli am 12.02.2017 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Paul ist ekelhaft!

    "Um 9 Uhr isst er ein kleines Müsli" Wenn es in Pauls Büro ein Mäuse- oder Rattenproblem gibt soll er gefälligst den Kammerjäger rufen. Aber das Tier verspeisen? Ich persönlich finde das ekelhaft.

    • Schoggi am 12.02.2017 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Müsli vs Müesli

      Vielleicht ist es ja ein Schoggimüsli, die haben nämlich alle gern.

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  • Denker am 12.02.2017 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun!

    "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile." (Aristoteles) Tja liebe Leute, es gab schon vor langer, langer Zeit grosse Denker und wir täten gut daran, ihre Ideen gerade heute ernster zu nehmen. Wir leben in einer Zeit des mechanischen Denkens, wie es sie noch nie gab! Selbst die Wissenschaft hat sich nur noch der Quantität sprich dem Zerlegen und Messen der Einzelteile verschrieben. Wenn man bedenkt, dass empirische Wissenschaft und Philosophie mal eins waren, eine katastrophale Entwicklung! Gut ist diese Entwicklung bloss für eine Handvoll Leute, denen finanziell die Welt gehört...!

  • CookingSamurai am 12.02.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gröster Unterschied!

    Ich gehe davon aus das vor allem junge Alleinstehende das Angebot nutzen, wenn ich aber an die Familliem also die Eltern denke oder an die etwas älteren läute, kann ich mir das weniger vorstellen!

  • Bruder Motzi am 12.02.2017 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Krankenkassen werden

    alles einsetzen, um den "Kunden" zu bevormunden, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Getrackt werden ist so eine Möglichkeit und ist nur möglich, wenn genügend Dumme sich tracken lassen.....