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13. November 2017 00:01; Akt: 16.11.2017 17:38 Print

Warum Verluste wirklich schmerzen

Die Angst vor Verlust steckt tief in uns drin. Wenn es ums Geld geht, kann das teuer werden. Dabei würde es helfen, Einbussen wie alte Handys zu behandeln.

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Illustration: Marcel Reich

Fehler gesehen?

Haben Sie noch CDs, DVDs oder gar Datendiscs zu Hause? Sie sind nicht die einzigen. Dabei sind physische Datenträger in Zeiten von Clouds, Streaming und MP3 so nötig wie ein Kropf im Hals. Und während man bei schön aufgemachten Filmen oder Musikalben noch von einem sentimentalen Wert sprechen kann, fehlen bei Daten-Silberlingen die Argumente. Apropos: Wie viele alte Handys lagern bei Ihnen im Schrank?

Keine Angst. Es geht hier nicht darum, Ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen oder Sie gar als Messie hinzustellen. Im Gegenteil: Die Angst, sich von einem Besitz zu trennen, ist nicht nur als psychologisches Phänomen unumstritten. Sie ist sogar medizinisch erwiesen.

Echter Schmerz

Tatsächlich hat der britische Neurowissenschaftler Ben Seymour herausgefunden, dass Verlust- und Schmerzempfinden in der exakt gleichen Hirnregion verarbeitet werden. Folglich werden sie emotional gleich bewertet. Das gute alte Sprichwort «Scheiden tut weh» ist also nicht nur im übertragenen Sinne zutreffend. Verluste lösen effektiv Schmerzen aus – nicht nur in der Liebe, sondern auch dann, wenn man sich von einem Besitz trennt.

Die Psychologie spricht in diesem Fall von Verlustaversion oder Verlustangst. Sie beschreibt, dass wir Verluste generell stärker wahrnehmen als Gewinne. Keine Überraschung also, dass wir sie in unserem Entscheidungsverhalten stärker gewichten als Profite in gleicher Höhe. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Einbussen tatsächlich eintreten. Schon der Gedanke reicht.

Was man hat, das hat man

Testen Sie sich selbst: Wenn Sie bei einem Spiel 1000 Franken verlieren und später 1000 Franken gewinnen, werden Sie sich an die verlorenen höchstwahrscheinlich besser – schmerzhafter – erinnern. Das gleiche gilt für Investitionen: Das Risiko, 1000 Franken zu verlieren, wird höher bewertet als die Möglichkeit, den Betrag zu gewinnen.

Die Psychologie dahinter ist simpel. Verlieren steht in unserer Gesellschaft für Versagen. Deshalb ist der Schmerz etwas zu verlieren, grösser als das Glücksgefühl beim Gewinn. Denn der Verlust – das Versagen – trifft einen persönlich. Dazu kommt, dass Verlustängste vom sogenannten Besitztumseffekt verstärkt werden: Je länger man etwas besitzt, desto stärker hängt man dran.

Wissenschaftlich wurde das 1990 untersucht. Beim «Kaffeetassen-Experiment» erhielt die Hälfte der Teilnehmer eine Tasse geschenkt. Darauf wurde sie gefragt, für wie viel sie diese wieder verkaufen würde. Gleichzeitig wurde die andere Hälfte aufgefordert, den Preis anzugeben, für den sie die Tasse kaufen würde. Dabei wurde das Gefälle zwischen den Preisen deutlich: Die Besitzer wollten im Schnitt sieben Dollar für ihre Tasse haben, die Käufer boten nur knapp die Hälfte. Was man hat, das hat man.

Das Gesamtbild sehen

Der eine oder andere mag Besitztumseffekt und Verlustangst aus der Liebe kennen. Manche Menschen gehen lieber keine Beziehung ein, weil sie befürchten, verletzt zu werden. Doch genau wie Verlustaversion Betroffene einsam macht, ist sie in finanziellen Fragen ein schlechter Ratgeber.

Wenn wir auf unser Aktien-Portfolio schauen und uns dort rote Zahlen entgegen blinken, sind wir wie erstarrt. Statt uns von Fehlinvestitionen zu trennen, hoffen wir viel zu lange auf Besserung. Schliesslich gesteht man sich sein eigenes Versagen höchst ungern ein. Doch konsequentes Handeln würde manchen Schaden mindern. Im Gegenzug lassen sich viele Anleger Chancen entgehen, weil sie das Risiko eines kurzfristigen Verlustes stärker gewichten als die langfristigen Gewinnchancen.

Auch bei der Vorsorge neigen viele zur Zögerlichkeit. Weil man den Verlust der Prämie auf dem aktuellen Konto im Vergleich mit den erwarteten Auszahlungen in der Zukunft als zu hoch bewertet, lässt man es bleiben. Dabei ist es wichtig, das Gesamtbild zu betrachten. Oft hilft es schon, eine längerfristige Perspektive einzunehmen und sich mit kühlem Kopf dem Thema anzunehmen. Irgendwann werfen Sie die alten Handys schliesslich auch weg.



(CP)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat Mürner am 13.11.2017 03:49 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwändig

    Das ist ja mal ein aufwändiges Stück Werbung, wenn auch nur schwer herauszulesen ist, was eigentlich der Punkt der Geschichte ist. Hat die Autorenschaft etwas gegen digitale Datenträger oder sollen wir eher unsere Pensionskassen wie alte nicht mehr funktionierende Handies auf den Müll werfen? Ich bin hin und hergerissen und irritiert!

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  • Kurt am 13.11.2017 01:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wie ein Kropf am Hals?

    Gehts noch? An Besitztümer hängen verschiedene Erinnerungen. Schliesslich geht es im Leben um Gefühle. Der einzig schwere Verlust ist die eigene Identität und die Menschen die man liebt, wenn sie sterben.

  • joe schwarz am 13.11.2017 00:31 Report Diesen Beitrag melden

    schmerzt dann doch

    also ich habe meine soziale ader im schweizer geschäft verloren. das schmerzt schon.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 15.11.2017 06:18 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand kann das behalten,

    was er erschaffen hat, nicht einmal der liebe Gott, der Mensch ist vergänglich und wird zu Asche.

  • Pip am 15.11.2017 04:22 Report Diesen Beitrag melden

    Lauf der Evolution

    Und doch dreht sich die Welt weiter. Wehr nicht mit Verlust umgehen kann entwickelt sich auch nicht weiter.

  • Samuel am 15.11.2017 01:06 Report Diesen Beitrag melden

    Schätze deine Auslagen

    Alle meine Sachen sind über 10 Jahre alt oder Älter. Was man Reparieren kann wirft man nicht weg. Je neuer je weniger lang hält es. Vinyl war noch Qualität CD MP3 ist Praktisch jedoch kein Vergleich zu Vinyl. Ohne HD sieht man nicht jeden Pikel da schalt gern mal 480 ein das ist romantischer und die Frauen sind hübscher.

  • Nico am 14.11.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig ausser Kontrolle!

    Ich speichere meine Fotos immer noch lieber auf meiner eigenen Festplatte oder wenns sein muss auf CD/DVD. In der Cloud werden diese von Google, Microsoft, Apple & co. analysiert und vielleicht auch weiterverkauft. Werden Daten auf fremde Server geladen (Cloud), weiss man nicht was damit passiert. Völlig ausser Kontrolle!

    • Pietro am 14.11.2017 12:01 Report Diesen Beitrag melden

      Empfehlung

      Benütze nur professionelle Rohlinge wie Taiyo Yuden, Sony DADC professional oder Verbatim nur Original sonst nach einigen Jahren sind normale andere Rohlinge nicht mehr abspielbar!

    • Typhoeus am 15.11.2017 06:21 Report Diesen Beitrag melden

      CLOUD - Verwandlung in Nichts

      Wie der Nsme sagt, eine Wolke, die sich in Sekunden in Nichts auflösen kann. Einen dümmeren Namen hätte man nicht finden können.

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  • Dollar Dock am 14.11.2017 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Aufruf an Kleinsparer zu mehr Risiko....

    Über Verluste ärgert man sich eher weniger, wenn man ein Ding oder das Geld geschenkt bekam und selber nicht hart dafür arbeiten musste. Allerdings gilt auch das nur dann, wenn man nach dem Verlust weiterhin über mehr als genug andere Gütter und finanzielle Mittel verfügt. Fazit: Die richtig Reichen können im Artikel nicht gemeint sein und die Besitzlosen interessieren die diesen Artikel bezahlende Bank wohl am allerwenigsten. Also ist es ein fröhlicher Aufruf an die Kleinsparer zu mehr Risikobereitschaft....

    • Mathematiker am 15.11.2017 05:55 Report Diesen Beitrag melden

      Wenige gewinnen und viele verlieren

      Ich kenne einige, die zu viel Risiko eingingen und jetzt kaum mehr aus der Schuldenspirale herauskommen.

    • Mecker Zierg am 15.11.2017 08:36 Report Diesen Beitrag melden

      Schulden fortwerfen?

      und die kann auch nicht einfach vergessen! Alle hoffen, das es noch welche hat, die 12 % Zins für ihre Schulden zahlen.

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