Zweifel an Musk-Plan

10. August 2018 10:08; Akt: 10.08.2018 10:35 Print

Tesla-Aktie büsst kräftig ein

Nach der Euphorie um Teslas möglichen Abgang von der Börse steigen die Zweifel am Plan von Firmenchef Elon Musk und die Sorgen vor rechtlichen Konsequenzen durch dessen Tweets.

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«Das vergangene Jahr war das schwierigste und schmerzhafteste meiner Karriere»: Tesla-CEO Elon Musk. (Archivbild) Jetzt muss Elon Musk bei der Börsenaufsicht antraben. In einem Tweet dachte der Tesla-Chef ... laut über den Ausstieg aus der Börse nach. Daraufhin gewann die Aktie an Wert. Allerdings nur kurzfristig: Am Donnerstag verlor sie im US-Handel zeitweise an die sechs Prozent und schloss 4,8 Prozent schwächer bei gut 352 Dollar. Der Kurssprung, den Musk vor zwei Tagen mit seiner Erwägung auslöste, Tesla zum Kurs von 420 Dollar zu privatisieren, ist damit weitgehend verpufft. Das Unternehmen Tesla kämpfte 2018 immer wieder mit Problemen. Offenbar hat im Frühling ein Mitarbeiter grosse Mengen vertraulicher Daten an «unbekannte dritte Parteien» weitergegeben. Tesla-Chef Elon Musk hatte angekündigt, rund 9 Prozent der gesamten Belegschaft zu entlassen. Ausserdem sorgten mehrere Unfälle mit den Elektroautos für Schlagzeilen: Hier kollidierte ein Tesla Model S mit einem Polizeiauto in Kalifornien. Der Tesla war mit Autopilot unterwegs gewesen. Ein Fehler im halb-autonomen Fahrsystem kostete diesen Tesla-Fahrer in Kalifornien das Leben. Der Konzern schreibt jedes Jahr rote Zahlen. Tiefere Kosten und Wachstum im chinesischen Markt sollen dieses Jahr erstmals Gewinne einfahren. Die Krise macht sich auch in der Schweiz bemerkbar: Dieses Jahr kamen 31 Prozent weniger Tesla-Autos in die Schweiz als in den ersten vier Monaten des Vorjahrs. Vor allem vom neueren Model X wurden in der Schweiz mit 146 Autos merklich weniger ausgeliefert als in der Vorjahresperiode (260). Wars das jetzt mit dem Tesla-Boom in der Schweiz? Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen, hält das für unwahrscheinlich. Herrmann glaubt eher, dass Tesla nicht liefern kann, weil das Unternehmen Schwierigkeiten mit der Produktion hat. Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt, dass das Produktionschaos beim neuen Model 3 ausschlaggebend für die Zukunft von Tesla ist. Der Pionier bekommt nämlich mehr und mehr Konkurrenz. So ist Jaguar mit dem i-Pace auf dem Markt und Firmen wie Porsche sowie Audi wollen 2019 ihre E-Autos lancieren. CEO Elon Musk gab sich an der Konferenz zu den ersten Tesla-Quartalszahlen des Jahres schnoddrig: Er fand Fragen «trocken» und «nicht cool». Musks unprofessionelles Verhalten wurde zumindest kurzzeitig von den Investoren abgestraft: Während der Telefonkonferenz verlor die Tesla-Aktie 4,7 Prozent. Tesla ist zum Jahresauftakt so tief in die roten Zahlen gefahren wie in noch in keinem Quartal zuvor. In den ersten drei Monaten stieg das Minus des Elektroauto-Herstellers auf fast 710 Millionen Dollar – mehr als das Doppelte des Verlusts aus dem Vorjahreszeitraum. Die Negativschlagzeilen zu Tesla reissen nicht ab: Im April 2018 wurde bekannt, dass Vorgänge in der Tesla-Fabrik im kalifornischen Fremont von den US-Behörden untersucht werden. Das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk wies den Vorwurf in einem Firmen-Blog entschieden zurück und sprach von einer gezielten «Desinformationskampagne». Der Vorwurf: Tesla habe schwerwiegende Verletzungen in seiner Fabrik im kalifornischen Fremont absichtlich in Unfallstatistiken unterschlagen. Davor musste der Elektroauto-Hersteller bereits den vorübergehenden Produktionsstopp des neuen Tesla Model 3 bekannt geben. Elon Musks zweites Unternehmen SpaceX ist in der Raumfahrt tätig.

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Die Ungewissheit, ob Tesla-Chef Elon Musk die nötigen Mittel für einen Börsenrückzug gesichert hat, drückt die Aktie. US-Medien berichten indes, dass Teslas Verwaltungsrat Musks Idee zügig vorantreiben will. Er selbst solle sich aber für befangen erklären.

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Die Aktie verlor am Donnerstag im US-Handel zeitweise an die sechs Prozent und schloss 4,8 Prozent schwächer bei gut 352 Dollar. Der Kurssprung, den Musk vor zwei Tagen mit seiner Erwägung auslöste, Tesla zum Kurs von 420 Dollar zu privatisieren, ist damit weitgehend verpufft.

Tesla schreibt hohe Verluste

An den Märkten steigt vor allem die Skepsis gegenüber Musks Behauptung, die Finanzierung eines Deals, um den Elektroautobauer von der Börse zu nehmen, sei gesichert. Dafür wären über 70 Milliarden Dollar nötig und bislang wurde nicht geklärt, woher das Geld kommen soll. Die Firma selbst schreibt hohe Verluste und hat laut Analysten eher Finanzbedarf als überschüssige Mittel auf der hohen Kante.

Das «Wall Street Journal» berichtete unter Berufung auf Insider, die US-Börsenaufsicht SEC habe Tesla bereits ins Visier genommen, um den Wahrheitsgehalt von Musks Aussagen zu prüfen. Die Behörde wollte sich dazu nicht äussern, Tesla liess Anfragen unbeantwortet.

Waghalsige Ankündigung

Sollte Musk nicht nachweisen können, dass die Finanzierung steht, könnte es brenzlig werden. Dann drohten nicht nur Konsequenzen durch die SEC, sondern auch Anlegerklagen.
Sollte Musk seinen Tweet mit der waghalsigen Ankündigung nur abgesetzt haben, um den Aktienkurs in die Höhe zu treiben, könnte das den Tatbestand von Kursmanipulation oder Wertpapierbetrug erfüllen.

Musk hatte nämlich den Anlegern, die auf einen sinkenden Kurs wetten, Verluste in Milliardenhöhe beschert. Klagen könnten aber auch Aktionäre, die auf steigende Kurse setzten. Sie könnten sich betrogen fühlen, weil sie in der Erwartung eingestiegen sind, dass der Kurs auf 420 Dollar steigen wird.

Verwaltungsrat steht hinter Musk

So rief die Anwaltsfirma Scott Scott bereits Investoren auf, die kürzlich Tesla-Aktien gekauft oder verkauft haben, sich zu melden. Man wolle untersuchen, ob Tesla gegen die Offenlegungsvorschriften der Wertpapiergesetze verstossen habe.

Einem CNBC-Bericht zufolge will Teslas Verwaltungsrat Musks Idee allerdings vorantreiben. Die Räte wollten sich in der kommenden Woche mit Beratern treffen, um Möglichkeiten zur Privatisierung des Unternehmens auszuloten, berichtete der US-Finanzsender unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Befangenheitserklärung

Musk solle von dem Führungsgremium, dem er selbst vorsteht, angeblich dazu geraten werden, sich nach seinem Vorpreschen in der Sache für befangen zu erklären.
Laut einer der Quellen, auf die CNBC sich stützt, soll Musk mit dem Staatsfonds Saudi-Arabiens über eine mögliche Finanzierung eines Deals zum Rückzug von der Börse gesprochen haben.

Es sei aber bislang unklar, ob die Saudis irgendwelche Zusagen gemacht hätten. Am Dienstag hatte die «Financial Times» unter Berufung auf Insider berichtet, dass der Staatsfonds sich in grossem Stil mit Tesla-Aktien eingedeckt habe und inzwischen mit einem Anteil von drei bis fünf Prozent zu den Grossaktionären der Firma zähle.

(jdr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Musk am 10.08.2018 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Weitgehend verpufft?

    Aber soll mir doch bitte keiner behaupten, dass mit der Aktion nicht irgendwer (Musk selber????) so richtig kräftig abgesahnt hat. Hoffe das gibt eine ordentliche Busse für den Kasper

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  • Jonas am 10.08.2018 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Das grösste Problem bei den ganzen Tesla Jünger ist einfach, dass sie sich als Umweltfreundlich betiteln. Ich frage euch, wenna euch wirklich um die Umwelt geht, warum fahrt ihr dann ein Auto mit 700PS und nicht eines welches weniger Leistung hat und viel weniger elektrische Energie verbraucht? Ihr seid einfach allesammt Doppelmoralisten und plappert dem guten Elon einfach alles nach, ohne auch nur einmal etwas selbstkritisch nachzudenken. Kein wunder mag euch niemand...

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  • Lisa am 10.08.2018 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ojeh

    Der Musk sieht von mal zu mal schlimmer aus...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rolf lehner am 26.08.2018 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    da fehlen Tassen...

    Warum habe ich das Gefühl, dass dieser Musk nicht ganz sauber ist?

  • Bruno Ochsner am 12.08.2018 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung

    Hoffe nur das die Arbeiter von Tesla nicht die Zeche zahlen müssen für dieses Auf und Ab.

  • ueli wittwer am 11.08.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Musk der Blender

    Elon Musk ist ein Blender. Solche Blender haben wir in den vergangenen Jahren sxhon viel erlebt. Ich wette drauf dass es absehbar ist dass auch er kläglich scheitert. Ideen hat er aber von den Finanzen keine Ahnung. Freue mich auf den Absturz von Tesla und Musk.

  • Hugo Böla am 11.08.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Ende der Verbrenner naht

    Ich finde die Kommentarspalte bei Berichten über E-Autos immer spannend bis belustigend. Die Angst der Menschen vor einer neuen Technologie ist gross. Dabei ist schon heute klar, dass die Verbrenner eher früher als später abgelöst werden, sei es von der E-Mobilität oder einer anderen Technologie. Das Öl ist endlich.

    • Zeirgenosse am 11.08.2018 20:59 Report Diesen Beitrag melden

      Zustimmung

      Verbrennungsmotoren, das ist irgendwie Steinzeit-Technologie. Im Prinzip sind Verbrennungsmotoren erweiterte Dampfmaschinen. Man hat im Bereich Verbrennungsmotoren den Zenit und das technisch Machbare längst erreicht. Es gibt hier kein Weiter mehr - es gibt kein Entwicklungspotential mehr. Es ist Steinzeittechnologie die man bis zum Maximum des Machbaren ausgereizt hat. Aber die Zeit ist vorbei jetzt. In 50 Jahren wird es Verbtrennungsmotoren nur noch im Museum geben. Allein der Wirkungsgrad ist im Vergleich einfach schlicht katastrophal. Dann die Verpestung der Atemluft. Keine Zukunft, sorry.

    • Bruno Ochsner am 12.08.2018 15:58 Report Diesen Beitrag melden

      Können Sie in die Zukunft sehen?

      Ach ihr wisst alles besser, natürlich ist der Verbrauch wieder gestiegen. Was da alles ausser dem Motor noch eingebaut wird, Klimaanlage etc. Brauch ja auch Most. Nur soll mir einer mal sagen wie die Elektroauto und ihre Reste entsorgt werden. Und wie man die heutige Gesellschaft mit Elektroautos weitergestalten will. Denn es sind noch viele Probleme offen.

    • Hugo Bölä am 13.08.2018 01:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bruno Ochsner

      Selbst wenn die Gesellschaft bei der alten Technologie bleiben wollte, kann sie es nicht. Ich bin ja sogar einverstanden, dass die jetzige Stromversorgung einem 100% E-Automarkt nicht standhalten würde. Vielleicht sind ja die E-Autos nur ein Teil der neuen Technologie, neben anderen vom fossilen Brennstoffen unabhängigen Antriebsvarianten. Übrigens werden schon heute keine Batterien mehr entsorgt, sondern recycelt.

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  • Perendevler am 11.08.2018 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grossepolitikangst

    Ist ja wohl klar das die politik hintermänner tesla einstampfen wollen und darum auch dies veranstalten! Denn sie wissen das MUSK bis in 5 jahren ein freieenergie magnetmotor im tesla verbauen will!

    • McFly am 11.08.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

      Flux-Kompensator

      Das passt dann genau zum "Model X" - in Anlehnung an Akte X. Ich wusste es: "Er hat einen Plan" :-) naja....

    • kurt am 11.08.2018 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Perendevler

      der freie Energie Motor. das immer noch leute gibt die das glauben macht mir Angst

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