Birsfelden BL

01. Dezember 2017 13:47; Akt: 01.12.2017 14:19 Print

Migros plant Hallen-Mastanlage für Egli

In Birsfelden BL soll eine grosse Hallen-Mastanlage für Egli entstehen. Das Knowhow dafür hatte die Migros in Irland eingekauft.

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Mehr Egli als im Rhein: Die Hallen-Mastanlage soll die Überfischung mindern. (Archivbild) (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

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In Birsfelden BL bei Basel könnten bald mehr Egli «an Land» leben als im Rhein: Die Migros-Tochter Micarna plant eine Hallen-Mastanlage für Egli im Hafengebiet. Klappt alles, werden erste Filets 2019 ausgeliefert.

Ein Steinwurf vom Birsfelder Rheinufer weg steht ein Industriebau, den die Migros-Tochter Jowa mit ihrer Grossbäckerei kürzlich verlassen hat. Dort will nun die Migros-Tochter Micarna auf rund 1800 Quadratmetern Nutzfläche und mit 1000 Kubikmetern Beckenvolumen Egli innert fünf Monaten zum 200-Gramm-Schlachtmass mästen.

Früher angedachte Zucht-Kooperationen mit Bauern haben sich als zu aufwändig erwiesen, wie ein Micarna-Sprecher zur Nachrichtenagentur sda sagt. Unter anderem wüchsen Egli nicht so gleichmässig wie etwa Hühner, müssten also öfters sortiert werden. Daher starte das Unternehmen nun auf bezahlbarem eigenem Boden.

Irisch deutsch-schweizerische Egli

Das Knowhow dafür hatte die Migros in Irland eingekauft und damit Ende 2015 eine Versuchszuchtanlage unweit von Dresden eingerichtet. Jene funktioniere heute «recht gut», weshalb denn auch Elterntiere, Laich-Handling und Brut dort bleiben sollen. Nach Birsfelden transportiert werden Egli künftig als gut 60-grämmige Fingerlinge.

So wird aus ostdeutschem Nachwuchs mit irischen Genen Schweizer Eglifilet – in Birsfelden fällt die meiste Wertschöpfung an. Laichen Fische in der Natur nur einmal im Jahr, so macht eine Staffelung übers ganze Jahr, damit durchgehend Ware lieferbar ist, Becken-Zucht lukrativer. Micarna plant vier versetzte Laichzyklen pro Jahr.

Einfach ist das Unterfangen nicht, da diese Barsche Stress schlecht ertragen. Stimmen müssen zudem Individuendichte und Futterangebot, damit sie sich nicht gegenseitig angreifen oder gar fressen. Die genaue Zusammensetzung des rein natürlichen Futters ist gemäss dem Sprecher Betriebsgeheimnis; Medikamente seien jedenfalls keine drin.

Gemischtes Futter

In der Natur ernähren sich Egli von diversem mundgerechten Getier, doch im Mastbecken sind primär rasches Wachstum, Gesundheit und Sauberkeit gefragt. Laut dem Sprecher enthält das Futter pflanzliche und tierische Komponenten; letztere stammten nur aus überwachter nachhaltiger Wildfischerei – zum Leerfischen der Meere wolle man nicht beitragen.

Ökologisch sei das komplett geschlossene Beckensystem top, und auch Zuchttiere könnten keine in die freie Wildbahn entweichen – solches gefährdet etwa bei Küsten-Lachszuchten teils autochtone Populationen durch Einkreuzung. Da Egli heikel zu züchten sind, betrachte Micarna die Birsfelder 6-Millionen-Franken-Anlage noch als «Pionierprojekt».

Die Nachfrage ist da: Egli ist in der Schweiz mit etwa 2500 Tonnen Gesamtkonsum im Jahr beliebt. Berufsfischer holen jedoch mit 225 Tonnen (2015) nur einen Bruchteil davon aus Schweizer Gewässern, was nur schon Detailhandel und Gastronomie absetzen. Daneben fangen Freizeitfischende gemäss Bundesstatistik gut 110 Tonnen Egli. So werden die meisten Egli aus dem Baltikum und Russland importiert.

85 Tonnen Birsfelder Egli

Erfolg als kommerzielle Egli-Produzenten haben in der Schweiz primär erst zwei Firmen, die beide von konstant 18 Grad warmem Lötschbergtunnel-Wasser profitieren: eine in Raron VS (Valperca AG, beliefert auch Migros) und eine in Frutigen BE (Tropenhaus, gehört inzwischen Coop).

Die in Raron auf einem alten Militärflugplatz zum Schlachtmass gemästeten Brütlinge stammen aus einer Zucht in Chavornay VD, wo der natürliche Egli-Laichmonat Mai gestaffelt zwölfmal jährlich simuliert wird. Das Tropenhaus importiert derweil Fingerlinge aus Dänemark, Frankreich und Deutschland.

Valperca beziffert seine Jahresproduktion auf der Firmenhomepage auf rund 80 Tonnen Eglifilets im Jahr, und im Tropenhaus werden es laut einer Sprecherin heuer rund 36 Tonnen. Micarna will in Birsfelden künftig 85 Tonnen Eglifilets pro Jahr produzieren, was Importe aus Osteuropa sowie aus der eigenen Anlage in Deutschland ablösen soll.

Die in ganz Europa im Süsswasser heimischen Egli nennt man am Bodesee auch Kretzer, sonst in Deutschland Flussbarsch. Markant ist neben seiner zebraartigen Musterung die doppelte Rückenflosse, die vordere mit Stacheln.

Die Micarna-Gruppe gehört der Migros und weist für 2016 mit 2902 Angestellten einen Umsatz von 1,53 Milliarden Franken aus.

(fur/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matthias am 01.12.2017 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kompliment

    Guter Artikel. Der Hintergrund wird etwas ausgeleuchet. Es wird klar, dass die Egli Raubfische sind und daher mindestens teilweise mit tierischen Produkten gefüttert werden müssen. Und dieses stammt genau so aus dem Ausland wie auch die Jungfische. Trotzdem wird das ganze dann natürlich als Schweizer Fisch verkauft.

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  • Fraz am 01.12.2017 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wüsste gerne....

    Darf man noch erfahren, wie viel Antibiotika und anderes Gift eingesetzt werden muss? Damit die dicht gedrängten Fische "gesund" bleiben?

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  • Knaller am 01.12.2017 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Erde gehört der Natur

    Das passt doch vorbildlich zu "unserem" hohen Energieverbrauch und "unseren"Klimazielen! Massentierhaltung und deren Produktion verbrauchen extrem viel Energie! Der Mensch und deren Überbevölkerung ist das Problem!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fischer Fritz am 05.12.2017 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    alles gut und recht....

    nur wer schon Zuchtfisch und frei lebenden Fisch gegessen hat, weis das es vom Geschmack her extreme Unterschiede gibt. Durch das Futter, das der Zuchtfisch kriegt ist er vom Geschmack her schlechter.....

  • Marcel Beckers am 05.12.2017 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich besser...

    ...im Geschmack als jene aus der Zucht im Wallis. Diese schmecken leider um Welten anders/schlechter. Aber Zucht ist sicher ein Muss und gut so. Hoffe die kriegen das hin.

  • Roger am 05.12.2017 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle die es nicht wissen,

    Bin Migros-Insider und kann euch versichern, sämtliche Fische die in der Migros angeboten werden, entsprechen höchsten Qualitätzertifikaten. Diese sind strenger als bei den Mitbewerbern. Das Projekt ist also eine gute Sache, denn Egli gehört hier in der Schweiz neben Lachs und Billigfischen, zu den beliebtesten Fischen überhaupt. Jede Kritik ist falsch.

  • shady am 04.12.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    Also das ist mal eine riesen Sauerei.Mir ist unklar wieso so etwas im Jahr 2017 nicht verboten ist.

  • Sonnenschein am 04.12.2017 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem ist..

    dass der Mensch an jedem Ort, zu jedem Zeitpunkt und Jahreszeit, jedes Produkt und zugleich zum günstigens Preis bekommen will!! Das ist das Problem. Auf Fisch und Fleisch können wir nicht verzichten aber wir können die Menge masslich verringern, das solche Lösungen gar nicht mehr nötig wären. Schade.

    • I_AM_VAMPIRE am 04.12.2017 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sonnenschein

      Man könnte total auf Fleisch verzichten, wenn man wollte.

    • Mike am 04.12.2017 23:44 Report Diesen Beitrag melden

      Mike

      Will man aber nicht PUNKT...jedesmal dieselbe Leier

    • Vergissmeinnicht am 05.12.2017 13:41 Report Diesen Beitrag melden

      die Wegwerflobby muss auch was tun

      ja, sofort einverstanden @Sonnenschein, indem wir die Wegwerflobby ansprechen und da den Hebel ansetzen . Der Konsument muss mit der Regulierung mithelfen. Sollen die Produzenten doch ihren Mist selbst essen.

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