Immo-Studie

13. November 2017 11:35; Akt: 13.11.2017 11:47 Print

Jeder Dritte plündert für Hauskauf Pensionskasse

Das Pensionskassen-Vermögen wird beim Immobilien-Kauf wichtiger. Fällt der Umwandlungssatz, dürfte der Vorbezug noch attraktiver werden.

Bildstrecke im Grossformat »
Besichtigung einer Eigentumswohnung im Mobimo Tower in Zürich. Beim Immobilienkauf wird immer öfter der Vorbezug aus der Pensionskasse entscheidend. Das zeigt eine Studie des Hypothekenvermittlers Moneypark. Der Grund sind die gestiegenen Immobilienpreise bei zugleich wenig wachsendem Einkommen. Hinweis für Personen, die sich eine Liegenschaft bauen oder kaufen wollen: Die Chance, beim Verhandeln der Finanzierung fürs Eigenheim mit der Bank auf dem regulären Zinssatz noch einen Abschlag herauszuholen, ist in den ersten Monaten eines Jahres höher als beispielsweise im Herbst. «Die gewährten Rabatte schwanken stark und können bei einer Hypothek mit zehnjähriger Laufzeit je nach Zeitpunkt im Jahr 0,5 Prozentpunkte ausmachen», sagt Moneypark-CEO Stefan Heitmann. Bei einer Hypothek über eine halbe Million Franken mit einer Laufzeit von zehn Jahren bedeutet dieser Unterschied eine Ersparnis von 25'000 Franken. Die höchsten Rabatte erzielen Kunden, die ihre Immobilie tief belehnen und über eine gute Tragbarkeit verfügen. Die Wohneigentumsquote ist in der Schweiz seit 1990 von rund 30 auf rund 40 Prozent gestiegen. Dennoch hat die Schweiz die tiefste Quote in ganz Europa. Die Zahlen sind jeweils von 2016. In Spanien liegt die Wohneigentumsquote bei 78 Prozent. In Rumänien - dem Spitzenreiter in Europa - sind 95 Prozent der Haushalte im Besitz von Wohnungs- oder Hauseigentümer. Einiges deutet darauf hin, dass in der Schweiz die Wohneigentumsquote in den nächsten Jahren auf gegen 50 Prozent steigen wird. Laut einer repräsentativen Umfrage der Marktforscher von GfK möchte knapp die Hälfte der 15- bis 29-jährigen Deutschschweizer bis 2026 ein Eigenheim kaufen. Am grössten ist der Wunsch nach Wohneigentum bei jungen Paaren. Laut der GfK-Erhebung wollen 56 Prozent von ihnen bis 2016 Wohneigentum erwerben. Rekordtiefe Zinsen machen den Kauf so attraktiv wie selten zuvor. Die tiefe Schweizer Wohneigentumsquote (laut GfK-Umfrage zurzeit rund 42 Prozent) liegt an der geringen staatlichen Förderung, dem stark regulierten Hypothekenmarkt und an der Bevölkerungsdichte. Je ländlicher eine Region, desto höher der Anteil an Haus- und Wohnungsbesitzern. In den ländlichen Kantonen Wallis und Jura liegt die Wohneigentumsquote bei über 55 Prozent. In Basel-Stadt und Genf liegt die Wohneigentumsquote laut Zahlen des BFS (2013) unter 18 Prozent.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das in der Pensionskasse (PK) angesparte Geld wird zunehmend wichtiger beim Kauf von Wohneigentum. Rund 80 Prozent der Finanzierungen mit Vorbezug hätten ohne diesen nicht realisiert werden können, zeigt eine Studie der Hypothekenvermittlerin Moneypark. Denn: Ohne PK-Geld könnten sich Kunden im Schnitt eine Immobilie für rund 790'000 Franken leisten. Eine Eigentumswohnung kostet jedoch im Schnitt 840'000 Franken.

Umfrage
Wollen Sie mit einem PK-Vorbezug bauen oder Wohneigentum kaufen?

«Die Einkommen sind in den letzten Jahren nicht in derselben Grössenordnung gestiegen wie die Immobilienpreise, die Schere klafft hier immer weiter auseinander», sagt Moneypark-Chef Stefan Heitmann zu 20 Minuten. Das sei der Grund für den verstärkten Einsatz von PK-Vermögen beim Hauskauf. Zudem seien die Banken bei der Kreditvergabe wählerischer geworden und verlangten oft grössere Sicherheiten.

Auch die Vorbezugssummen steigen

Die Folge ist die steigende Tendenz, PK-Gelder vorzubeziehen: Während 2013 jeder dritte Immobilieninteressent mit Pensionskassenvermögen über einen Vorbezug nachgedacht hat, sind es 2017 laut der Studie rund 40 Prozent. Zugleich hat sich die durchschnittliche Summe erhöht. Gegenwärtig sind es demnach 72'000 Franken, im Jahr 2013 waren es noch 56'000 Franken. Unter PK-Vorbezug wird sowohl der Vorbezug als auch die PK-Verpfändung zusammengefasst.

Generell kann von den geforderten 20 Prozent an Eigenkapital nur die Hälfte durch einen PK-Vorbezug gedeckt sein. Denn zehn Prozent des Immobilienwertes müssen als Bargeld-Einlage vorliegen.

Sinkender Umwandlungssatz bewegt zum Vorbezug

Bei einem sinkenden PK-Umwandlungssatz – wie dies bei der vom Volk abgelehnten Rentenreform geplant war – würden fast neun Prozent der Befragten einen Vorbezug erwägen. Dies ergab eine repräsentative GfK-Umfrage in Auftrag von Moneypark. Rund 20 Prozent jedoch würde die durch den sinkenden Umwandlungssatz tiefere Rente in Kauf nehmen. «Die Pensionskasse ist zwar keine Immobilienkasse, aber es kann gerade bei einem zu erwartenden sinkenden Umwandlungssatz interessant sein, die Lebenshaltungskosten im Alter durch eigene vier Wände zu senken», sagt Heitmann.

Die Umfrage zeigt auch, dass 13 Prozent der Befragten zum Kapitalbezug tendieren. Weitere 20 Prozent haben sich mit dem Thema noch gar nicht befasst.

(ish)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realistin am 13.11.2017 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wohneigentum? Forget it!

    Ich, w, 28, habe eine Lehre gemacht, BM, Weiterbildung, bin aufgestiegen und jetzt in einer Kaderposition, 100% berufstätig. Wohneigentum werde ich mir trotzdem wohl erst mit 50ig leisten können (wenn überhaupt). Und nein, ich fliege nicht 3x im Jahr in die Ferien und mein kleiner Fiat ist auch schon 9jährig. Tatsache ist: Nur mit Arbeit kann man sich heute kein Haus (auf dem Land) mehr leisten geschweige denn eine Wohnung im Zentrum.

    einklappen einklappen
  • Peter M am 13.11.2017 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem?

    Und wieder einmal ein Bericht der die Mieter gegen EH-Besitzer aufwiegeln soll... Im Gegensatz zu früher wurde gerade beim Vorbezug die Schraube angezogen.

  • Th.S. am 13.11.2017 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Die Hälfte meiner PK bezogen

    Habe vor 7-Jahren einen PK-Vorbezug von 450´000.- getätigt, den ich nie bereit haben. Unsere Eigentumswohnung ist bereits um 25% an Wert gestiegen, auf meinem Vorsorgeguthaben hätte ich hingegen eine mickrige Verzinsung gehabt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Jesses am 17.11.2017 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    hatten wir schon mal

    So ungefähr hat es sich in den USA vor 10-15 Jahren zugetragen... kannste dir nicht leisten? kein Problem...

  • Nur vernünftig am 16.11.2017 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Mindestverzinsung 1%

    Bei einer Verzinsung von 1% der PK-Gelder, im Vergleich zum Hypozins plus dem Vermögenszuwachs der Immobilie, ist ein Vorbezug vernünftig.

  • Realist am 14.11.2017 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Bei manchen Leuten...

    frage ich mich schon ob sie überhaupt rechnen oder sparen können. Wenn jemand sagt er könne sich kein Haus leisten obwohl er seit über 10 Jahren 6'000 Franken im Monat verdient, dann macht er schlichtweg was falsch. Ich verdiene netto gerademal 4'800 Fränkli, kann aber jeden Monat 2'000 Fr. auf die Seite legen. Macht pro Jahr knapp 24'000 Fr. In 10 Jahren sagen wir knapp 200'000 Fr eigenes Ersparnisse. Reicht locker für ein gescheites Häuschen um die 20% Eigenkapital zu finanzieren!

    • Sparfuchs Aargau am 14.11.2017 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Richtig Realist viele sind nicht mehr bereit sparsam zu leben und so Geld zu sparen. wenn man dann nach einigen Jahren das Häuschen kauft kommt der Neid des Umfeldes das sein Geld mit beiden Händen aus dem Fenster wirft!

    • Reto am 15.11.2017 04:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Stimmt nicht, dein Jahreseinkommen ist zu tief. Nur 20% Eigenkapital reichen nicht :-(

    • Quitte am 15.11.2017 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Unmöglich dann wohnst du bei deinen eltern oder sehr günstig durch Vitamin B Familie hast du wohl auch keine leg die Karten offen

    einklappen einklappen
  • L. am 14.11.2017 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Evé

    Das einzig richtige und was noch sicher ist..!

    • paul am 15.11.2017 02:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @L.

      das einzige richtige ist das leben zu leben. reisen, gut essen und gute sachen erleben. plündern können wir später. Danke für ihre aufmerksamkeit!

    einklappen einklappen
  • Häuslebauer am 14.11.2017 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wohnraum zu teuer in CH

    Für den Preis einer Wohnung in der Schweiz kann man zwischen 7 und 10 Wohnungen in Südamerika kaufen, wo man auch im Grundbuchamt eingetragen wird. Diese kann man vermieten und von der Miete ausgezeichnet dort leben. Auch steigen die Preise zwischen 5 und 20 % jährlich; manchmal fällt es auch oder die Währung.