Schweizer Fahrten

10. Januar 2018 10:03; Akt: 10.01.2018 10:47 Print

Flixbus transportierte 20 Prozent mehr Kunden

Das dürfte die SBB ärgern: 2017 nutzten rund 1,2 Millionen Fahrgäste die grün bemalten Busse für Fahrten ab oder in die Schweiz.

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«Ich bin kein Busunternehmer», sagte Flixbus-Chef André Schwämmlein im Interview mit 20 Minuten. Flixbus sei eine Mobilitätsplattform und ein sehr technologieaffines Start-up. Die Idee, etwas mit Bussen zu machen, kam Schwämmlein 2008, als in Deutschland die Liberalisierung im Fernbus-Linienverkehr diskutiert wurde. «Ich war damals in der Beratung tätig und sah, dass eine Marktöffnung Chancen bieten würde», sagt der Unternehmer. Flixbus transportierte im Jahr 2015 rund 20 Millionen Gäste. Gewisse Städte werden im 30-Minuten-Intervall angefahren. Pläne hegt Schwämmlein auch für die Schweiz. Er möchte Inland-Linien zwischen den grossen Stadtzentren betreiben. Doch noch ist das Aufgrund des Bahn-Monopols nicht möglich. Im Herbst 2016 startete die neue Flixbus-Direktverbindung von Konstanz über Zürich nach Lyon. Preis: Ab 19.50 Franken. Untersagt sind dem Busanbieter allerdings aufgrund des Kabotageverbots Schweizer Inlandtransporte. Doch gewisse in der Schweiz zugestiegene Passagiere steigen trotz Verbots bereits innnerhalb der Schweiz wieder aus. Giorgio Tuti, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), geht deshalb gegen den Anbieter vor. Ein Verfahren gegen Flixbus führt auch das das Bundesamt für Verkehr (BAV). Flixbus möchte in der Schweiz bald auch offiziell Inland-Fahrten anbieten. Das Unternehmen möchte Konzessionen für innerschweizerische Verbindungen beantragen. Die Deutsche Post hingegen hat sich aus dem Fernbus-Markt zurückgezogen. Die Schweizer Paradestrecke für Fernbusse ist Zürich-München. Hier ist der Bus nicht nur günstig, sondern auch viel schneller als die Bahn.

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Fernbusse erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Wie der Anbieter Flixbus am Mittwochmorgen vermeldet, nutzten im Jahr 2017 20 Prozent mehr Fahrgäste den Fernbus, um in die Schweiz zu fahren oder ab der Schweiz zu verreisen.

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Wie Flixbus mitteilt, soll 2018 das Streckennetz in der Schweiz und Europa weiter wachsen. Allein im deutschsprachigen Raum kämen rund 140 neue Halte hinzu. Dabei sollen viele bestehende Verbindungen aufgestockt aber auch neue touristische Ziele an das Streckennetz angebunden werden.

Der Fernbus stellt laut einer ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten und von Flixbus zitierten Studie des GES-Instituts für viele Leute eine Mobilitätsalternative zum Individualverkehr dar. Knapp 20 Prozent der Fernbusnutzer gaben an, sich wegen seiner Umweltfreundlichkeit für den Fernbus zu entscheiden. Rund zwei Drittel der Befragten entschieden sich sogar trotz Zugang zu einem Auto für eine Reise mit dem Fernbus. Für die Studie wurden über 3500 Personen befragt.

Wie steht Flixbus im Vergleich mit der SBB da?

Bereits im letzten Jahr teilte Flixbus mit, dass der Fernbus im Vergleich zur Bahn, dem Auto und dem Flugzeug eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel der Schweiz sei, so Sprecher Martin Mangiapia zu 20 Minuten. Dank modernster Flotte und hoher Auslastung sei die Schadstoffbilanz «sehr gut».

Die Studie hatte aber aus Schweizer Sicht einen Haken. Denn für die Schadstoff-Bilanz der Eisenbahn wurden die Zahlen des Fernverkehrs der Deutschen Bahn verwendet. Der Strommix der SBB ist ein anderer als jener der Deutschen Bahn. «Die SBB fährt nicht mit Strom aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken, wie das in Deutschland der Fall ist», sagte René Estermann, Geschäftsführer von MyClimate, im letzten Herbst zu 20 Minuten.

(sas)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nick am 10.01.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    An die Bahnfans

    Auch Bahnfahrer profitieren: Die Buspassagiere nehmen ihnen nicht die Plätze weg und die SBB kann die Preise nicht beliebig erhöhen. Seid also allen dankbar die mit dem Fernbus fahren.

  • Markus im AG am 10.01.2018 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man Freizeit hat

    ist Fernbus fahren das günstigste , oder Mann geht bewusst schlafen im Bus nach der Nachtschicht und wacht in München wieder auf.

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  • Kudi am 10.01.2018 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wie läufts?

    Flixbus basiert auf dem "Uber-System": Einer kassiert (Schäumlein) und die anderen müssen die Busse kaufen, lackieren und betreiben. Und ausser die Verkehrsabgabe am Zoll bleibt nichts in der Schweiz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark Weber am 11.01.2018 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kein "klimaschädlicher" Strom - Ein Witz

    "Die SBB fährt nicht mit Klimaschädlichen Strom"... das ist wohl ein Witz. Wenn insgesamt mehr Strom in der Schweiz gebraucht wird, dann wir der Rest importiert. Zu welchen Unternehmen oder Privaten dieser Teil gerechnet wird, ist willkürlich. Die SBB braucht also keineswegs "sauberen" Strom. Allenfalls könnte man den Strommix der ganzen Schweiz annehmen. Aber selbst das ist Augenwischerei. Denn wenn wir hier weniger Strom brauche, dann wird dieser in ganz Europa billiger und ein Gaskraftwerk wird vielleicht kurzfristig abestellt.

    • Bahnfan am 11.01.2018 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mark Weber

      Die SBB hat eigene Wasserkraftwerke das 90% des Bahnstroms abdeckt. Für die restlichen 10% kauft die SBB Energie aus dem Normalnetz. Was ist jetzt daran Klimaschädlich?

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  • mk am 11.01.2018 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bus ist einfach billiger

    Wie Teuer waren früher die Flugpreise? Wenn heute jemand mit Billigfluglinien fliegt, wird niemand mehr ausgelacht. Bei der Bahn hat das wohl noch niemand gemerkt oder man will es nicht merken, aber wer mit dem Bus reist, fährt um ein vielfaches billiger. Die Bahn ist einfach zu teuer. Bern St. Gallen ret. Fr. 144.- !! Es wäre an der Zeit, dass das SBB-Monopol fällt, denn erst dann werden die Preise auch fallen.

    • Mirko Timm am 11.01.2018 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mk

      Hmmm billiger? meine Tochter zürich Leipzig über 11 Stunden unterwegs 72 Franken. meine Frau Bahn zürich Leipzig für 69 Franken 8 Stunden unterwegs. Ich Mitt Auto zwar etwas teurer aber brauch nur 6 Stunden.

    • Mark Weber am 11.01.2018 10:46 Report Diesen Beitrag melden

      Halbtax abschaffen

      Oder dass man das Halbtax abschafft und die regulären Preise herabsetzt. Es lohnt sich nämlich für alle jene nicht Zug zu fahren, die nur selten damit reisen. Sie wohnen vielleicht irgendwo, wo eine Reise mit den ÖV viel länger dauert als mit dem Auto. Sie zahlen trotzdem mit den Steuern an die SBB aber es lohnt sich für sie nicht, sie zu nutzen. Auch nicht dann, wenn es mal Sinn macht.

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  • Nix Flix am 11.01.2018 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bus vs. Bahn

    Hahaha. Die DB wurde als Vergleich herangezogen. Da fährt ja die Hälfte der Züge noch mit Diesel. Und Selketalbahn, Harzquerbahn und noch mehr mit Damplokomotiven. Für die Ökobillanz müssten noch viel mehr Daten erfasst werden. Ein Pneu verursacht bei der Herstellung auch Co2. Wie lange hält der? 10000 Km? Ein Radreif einer Lokomotive kann locker 750000 km erreichen.

    • Mark Weber am 11.01.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

      Zug ist zu schwer für viele Stops

      Und wie viele Tonnen Eisen beschleunigt die Bahn nach jedem Halt auf das Reisetempo? Ein mit zwei Dritteln besetzter Buss braucht wohl viel weniger Energie.

    • hubsy2005 am 15.01.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

      Nix Flix Besserwisser

      Hören sie doch auf mit den unwahren Angaben. Ueber 60% der Strecken bei der DB sind elektrifiziert und bei den von ihnen angegebenen Strecken mit Dampfbetrieb handelt es sich um Privatbahnen (Tourismus) und Extrafahrten am Wochenende. Anteil am Streckennetz weit unter 1%.

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  • Beat Meier am 11.01.2018 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tire

    Frage kann mann in einem Flix Bus mit Hund Reisen

  • Tom P. am 11.01.2018 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnten noch viel mehr sein

    Wenn man bedenkt, wieviele Flixbus-Fahrgäste immer wieder bei den Zwischenstopps vergessen und zurückgelassen werden, weil die mal kurz auf Toilette gehen oder rauchen gehen, wären es sogar noch viel mehr Fahrgäste. Ach nein, stimmt so nicht. Die Tickets haben die ja bezahlt. Also statistisch sind die schon erfasst - einfach nicht am Ziel angekommen.