Konzernchefinnen

19. Mai 2017 15:05; Akt: 19.05.2017 15:38 Print

Diese Frauen schafften es bis ganz nach oben

Schweizer Unternehmen werden mehrheitlich von Männern geführt. Doch es gibt Ausnahmen.

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Die Liste der Frauen, die auf den obersten Hierarchiestufen in Schweizer Unternehmen stehen, ist kurz: Gerade mal vier Konzernchefinnen und zwei Verwaltungsratspräsidentinnen listet eine Studie bei den rund hundert grössten Unternehmen in der Schweiz auf. Demnach verantwortet Susanne Ruoff die operative Leitung bei der Post, Jasmin Staiblin bei der Alpiq Holding, Suszanne Thoma bei BKW Energie und Philomena Colatrella bei der Krankenkasse CSS.

Mit Colatrella wurde 2016 erstmals seit drei Jahren wieder eine Konzernchefin berufen, wie es im Schilling-Report 2017 heisst, den der gleichnamige Topkadervermittler am Freitag vorlegte. Bereits im März hatte Schilling erste Details der aktuellen Studie bekannt gemacht. Mit dem vollständigen Bericht zeigt sich nun das Missverhältnis von Frauen und Männern in Schweizer Unternehmen in seiner ganzen Tragweite.

Diese vier Konzernchefinnen stehen für drei Prozent aller 119 Konzernchefs, die für diesen Teil des Schilling-Reports die Grundlage gebildet haben. Zudem ist bemerkenswert, dass keines der Unternehmen, das von Frauen geführt wird, im SMI vertreten ist. Auf den Index der grössten 20 Titel entfallen rund 85 Prozent der Gesamtkapitalisierung des Schweizer Aktienmarkts.

Erste Präsidentin im Jahr 2010

Noch kürzer ist die Liste jener Frauen, die in der Schweiz ein Unternehmen präsidieren: Monika Ribar ist Verwaltungsratspräsidentin der SBB und Nayla Hayek bei der Swatch Group. Der Uhrenhersteller ist im SMI gelistet. Mit der Wahl von Ribar seien erstmals im gesamten Erhebungszeitraum seit 2006 «gleichzeitig zwei Präsidentinnen» auf der Liste finden, so der Report. Unternehmen mit Verwaltungsratspräsidentinnen stellen zwei Prozent der gesamten untersuchten Gruppe von 90.

Im Rückblick zeigt sich, dass die Zahl der Konzernchefinnen gestiegen ist, von zwei 2006, auf drei von 2010 bis 2016 auf vier 2017. Verwaltungsratspräsidentinnen gibt es in den grossen Schweizer Unternehmen überhaupt erst eine seit 2010 und zwei seit Anfang dieses Jahres.

Schweiz abgeschlagen

Trotz dieser extrem tiefen Zahlen zeigt sich der Schilling-Report relativ zuversichtlich, was die weitere Entwicklung anbetrifft. Denn insgesamt in den Geschäftsleitungen liegt der Frauenanteil bei neun Prozent, im Topmanagement bei 14 Prozent und im mittleren Management bei 21 Prozent. Dieser Anteil ist vor allem im letzten Jahr markant gestiegen. Diese Gesamtsicht beruht auf den Rückmeldungen von 113 Unternehmen.

«Diese Frauen bilden die Pipeline für zukünftige Spitzenpositionen», heisst es im Report. Demnach sei davon auszugehen, dass sich ein hoher Frauenanteil im mittleren Management auf den künftigen Anteil in der Geschäftsleitung auswirken werde. Zu den Verwaltungsräten zeigt die Gesamtsicht, dass der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien auf 17 Prozent minimal gestiegen ist, im Vergleich zu 16 Prozent im Vorjahr und 10 Prozent 2010. Von dem angestrebten Drittel sind diese Anteile jedoch weit entfernt.

Zudem liegt die Schweiz im europäischen Vergleich abgeschlagen auf dem viertletzten Platz; Schlusslicht ist Griechenland mit einem Frauenanteil von neun Prozent in den Verwaltungsräten. Auf den ersten drei Plätzen liegen Norwegen mit einem Frauenanteil von 43 Prozent, Frankreich mit 41 Prozent und Schweden mit 37 Prozent.

Öffentlicher Sektor dem privaten voraus

Zudem erhebt der Schilling-Report 2017 zum ersten Mal den Frauenanteil in den Führungsgremien aller 26 Kantone sowie in der Bundesverwaltung. Mit einem Anteil von 14 Prozent in höchsten Führungspositionen, 22 Prozent im Topmanagement und 24 Prozent im mittleren Management gibt es im öffentlichen Sektor markant mehr Chefinnen als in der Privatwirtschaft.

Der Report begründet dies mit einer deutlich höheren Attraktivität der öffentlichen Arbeitgeber für Frauen, weil sie bessere Voraussetzungen bieten für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie.

Seit 12 Jahren erhebt der Topkadervermittler Guido Schilling die Zusammensetzung von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat der rund 100 grössten Schweizer Arbeitgeber. Für den aktuellen Report wurde die Auswertung auf den öffentlichen Sektor ausgedehnt. Zudem hat der Kadervermittler neu die 250 grössten Unternehmen der Schweiz angefragt, ihre Zahlen zur sogenannten Gender-Diversity-Pipeline bekannt zu geben, den unterschiedlichen Anteilen von Frauen und Männern auf den verschiedenen Hierarchiestufen. Der Schilling-Report beruht bei seiner Gesamtschau auf den Rückmeldungen von 113 dieser 250 Unternehmen.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • James am 19.05.2017 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Müllabfuhr

    Bei der Müllabfuhr sehe ich ausschliesslich Männer. Könnte man nicht einen Bericht über Müllfrauen machen? Mir sind Frauenrechte wirklich ein grosses Anliegen.

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  • Daniel am 19.05.2017 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich und völlig egal

    Wer es bis ganz nach oben schaffte? Männlein, weiblein. Bin ich der einzige dem das völlig egal ist? Oder sollte ich nun empört sein? Ich habe gestern meine Wehrpflichtersatz-Rechnung erhalten, meine Freundin übrigens nicht..

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  • mary rose am 19.05.2017 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen

    Gratulation, wenn Frauen es wirklich wollen schaffen sie es, aber sie müssen es wollen, die anderen sind dafür nicht prädestiniert, und wollen nicht nach oben, sondern möchten lieber Mutter sein. also lasst die Frauen selber bestimmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ozzly am 19.05.2017 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nächstes mal die Männer

    Und im nächsten Bericht wird von den Männern berichtet die das geschafft haben. Klar, denn zwischen Frauen und Männern besteht ja, ausser dem Kleinen..., kein Unterschied mehr. Ah, nicht ganz, vergass das Frauen weder Dienst-, noch Ersatzpflicht leisten müssen. Aber darüber kann man hinweg sehen da Frauen gleicher sind..

  • Giräffli78 am 19.05.2017 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht besser

    Es ist ja ganz toll, wenn Frauen eine Führungsposition haben. Nur muss dies nicht unbedingt heissen, dass das auch besser ist für die Angestellten der Firma von der Geschäftsleiterin. Beispiel: Mein Freund hat seit dreieinhalb Jahren eine Chefin. Vor drei Monaten, erhielt er eine Änderungskündigung. Er ist somit ab Ende Mai nicht mehr fest angestellt, sondern nur noch freier Mitarbeiter. Es macht keinen Unterschied, wer das Geschäft führt. Frau macht es nicht unbedingt besser...

  • Manuela B am 19.05.2017 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Jammer Jammer Jammer

    von einem CEO erwartet man, dass er nachweislich die Firma zum Erfolg führt. Wenn dann eine Frau Martullo die Firma zum Erfolg führt, startet man gleich eine Hetze wie z.B. Job geerbt, hübsch ist sie auch nicht, dann ist sie auch noch bei der SVP (=beim Teufel), jeder andere hätte das auch gekonnt, vor allem Mattea Meyer von der SP, usw, usw. Schon hier sieht man - Frau ist nicht gleich Frau. Was immer auch geschieht, man findet immer einen Grund um mit der Moralkeule drein zuschlagen.

  • Braver Dackel am 19.05.2017 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    alle schön stramm stehen und jubeln

    diese Frauen haben es ins Top Management geschafft. Gratulation. Das ist politisch korrekt, die Ideologen jubeln. Darf man diese Frauen denn überhaupt kritisieren, und/oder darf man überhaupt hinterfragen, ob sie wirklich mehr leisten als ihre männlichen Kollegen? Ich habe den Eindruck, nein darf man nicht, entweder Schnauze halten oder mit den Wölfen heulen. Genau so wie man Frauen notorisch in die Opferrolle drängt, genau so notorisch werden sie als intelligentere Wesen hoch gejubelt.

  • Angestellter am 19.05.2017 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch die gehen über Leichen

    Eine dieser Chefin, ist die Chefin bei der Firma wo ich angestellt bin. Auch sie geht über Leichen und entlässt ü50 Familie Väter ohne mit der Wimper zu zucken.