Krankenkassenprämien

20. März 2017 12:58; Akt: 20.03.2017 14:55 Print

Das läuft schief im Gesundheitssystem

von V. Blank - Es ist nicht nur die Alterung, die das Schweizer Gesundheitssystem so teuer macht: fünf Gründe, warum unsere Krankenkassenprämien explodieren.

Hauptautor Andreas Christen erklärt, warum die Krankenkassenprämien weiter steigen dürften. (Video: SDA)
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Laut einer Studie der Credit Suisse (CS) zahlen die Schweizer im Jahr 2040 durchschnittlich 517 Franken für die monatliche obligatorische Krankenkassenprämie. Das wäre im Vergleich zu heute fast eine Verdoppelung.

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«Das liegt daran, dass die Schweizer Bevölkerung immer älter wird», wird sich jetzt so mancher denken. Doch falsch gedacht: Laut den CS-Ökonomen ist der demografische Wandel nur einer der Gründe, warum wir immer mehr für die Krankenkasse zahlen. 20 Minuten nennt die fünf wichtigsten Problemfelder:

1. Wir sehen die wirklichen Kosten nicht
Patienten in der Schweiz – also die eigentlichen Verursacher der Kosten – zahlen laut der CS-Studie nur gerade ein Viertel der Gesundheitskosten direkt, etwa über den Selbstbehalt. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) wird durch die Krankenkassenprämien indirekt gedeckt, ein weiteres Drittel durch die Steuern. «Offensichtlich generiert die Tatsache, dass die bezogenen Leistungen nur zu einem geringen Teil selbst bezahlt werden müssen, Fehlanreize in Richtung Überkonsum», folgern die Studienautoren.

Was schief läuft im Gesundheitssystem

2. Wir konsumieren zu viel ...
Eine direkte Folge von Punkt 1. «Man stellt fest, dass die Schweizer häufiger zum Arzt gehen», sagte Verena Nold, Direktorin des Krankenkassenverbands Santésuisse, schon vergangenen Sommer. Viele würden für eine Behandlung sogar mehrere verschiedene Ärzte aufsuchen. Auch der Gang zum Spezialisten häuft sich: Laut einer Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums ist der Anteil der Schweizer, die sich in den letzten zwei Jahren bei einem Spezialisten behandeln liessen, seit 2010 um mehr als zehn Prozentpunkte gestiegen

3. ... und zu viel High-End-Medizin
Als weiteren Grund für den Kostenanstieg nennt die CS den medizinischen Fortschritt. Mehr Technologie heisst aber auch mehr Kosten. In der Studie wird das Beispiel von Magnetresonanztomographen (MRT) genannt: Mit rund 22 MRT pro Million Einwohner hat die Schweiz am drittmeisten solcher Geräte unter allen OECD-Staaten. Die Auslastung der MRT-Scanner ist im internationalen Vergleich hingegen niedrig. Der Krankenkassenverband Santésuisse ist schon länger der Meinung, dass im Bereich der Radiologie zu viel gemacht wird, was medizinisch gar nicht notwendig wäre. Die CS spricht von einer «Überversorgung von Schweizer Spitälern mit gewissen Geräten».

4. Unser System ist ineffizient
Wie jedes Gesundheitssystem der Welt sei auch das schweizerische teils ineffizient, so die Studienautoren. Ein Kritikpunkt sei, dass die Nachfrage vom Angebot getrieben werde – oder kurz gesagt: Was angeboten wird, wird konsumiert. Ein Indiz dafür könnte die Kostenentwicklung der Arztbehandlungen sein: Die Kosten sind pro Kopf von 2000 bis 2014 um rund 40 Prozent gestiegen. Ausserdem werde in verschiedenen Bereichen – etwa in der Alters- und Spitalpflege – noch zu oft stationär statt ambulant behandelt.

5. Die Bevölkerung altert und wächst
Demografische Faktoren – also Alterung und Bevölkerungswachstum – sind die altbekannten Faktoren und ein wichtiger Grund für den Anstieg der Gesundheitskosten. Ihre Rolle bei der allgemeinen Kostensteigerung werde jedoch überschätzt, so die CS-Ökonomen: In den letzten zehn Jahren war die Alterung schätzungsweise für nur rund 18 Prozent des Ausgabenanstiegs verantwortlich. Die steigende Lebenserwartung sei nur ein nebensächlicher Treiber der Gesundheitskosten.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mia am 20.03.2017 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Wer soll das noch bezahlen können?

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  • Lj am 20.03.2017 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grandios

    Ich bezahle schon heute 450.- #grandios

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  • Gebi am 20.03.2017 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hohe kosten

    Was heisst hier im 2040 würden sie 517.- Fr. kosten. Ich bezahle jetzt schon über 500.- , und bin Allgemein versichert. Ich gehe nicht mit jedem Bobo zum Arzt, obwohl ich eine Chronische Krankheit habe, und Allergiker bin. Keiner weiss, was Gesundheitlich auf ihn zukommt. Würden die Politiker mal endlich die Medikamente dem Ausland anpassen, würden auch die kosten etwas reduziert. Leider können wir kleinen, nicht viel ausrichten. Hauptsache die in Bern und kk verdienen genug. Wenn das so weiter geht, sind wir bald alles Soziallfälle.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SchwierigschwererFall am 25.03.2017 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu teuer

    Versicherungen waren, sind und bleiben teuer. Irgendwann können sich nur noch die Reichen die Versicherungen leisten.

  • Mucki am 20.03.2017 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso eigentlich unterschiedliche Preise der kk

    Wieso bezahl ich in baselstadt mehr als im Aargau?! Wieso eigentlich die unterschiedlichen kk Preise kann doch nicht sein

  • Andre80 am 20.03.2017 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KK System 

    Hahaha unser KK System ist echt Sch...e und zu dem Zahlen wir zu viel. Ich habe eine 4 Köpfige Familie und zahle 1/4 von meinem Lohn für die Prämien. Dazu habe ich meine Prämie auf 2500.- , das holt mich jetzt ein da ich ein Burnout hatte und jetzt alles selber zahlen kann ja super danke viel mal! Das kann einen ruinieren!!!

  • Ricol am 20.03.2017 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb diese hohen Kosten

    Bin Auslandschweizer in Spanien, privat versichert mit freier Arztwahl, das Weltweit und ich bezahle 80 Euro im Monat. Es ist natürlich nicht immer alles so perfekt wie in Schweizer Spitälern, doch es funktioniert gut.

  • Gesundmensch am 20.03.2017 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Hemmschwelle

    Meiner Meinung nach sind es vorallem zwei Faktoren die gewichten: 1. wegen jedem Bobo zum Arzt gehen und 2. die Ärzte die gerne alles mögliche testen und auf eine (oftmals) Nachkontrolle pochen...