80 Rappen pro Liter

06. Dezember 2017 19:14; Akt: 06.12.2017 19:14 Print

Das Label für faire Milch kommt in die Schweiz

von R. Knecht - Während Bauern über tiefe Milchpreise der Grossverteiler klagen, prescht Volg vor. Der Händler führt ein Label für faire Milch ein und zahlt Bauern 80 Rappen pro Liter.

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Das dürfte den Streit zwischen Grossverteilern und Bauern um einen fairen Milchpreis weiter anheizen: Seit Anfang Dezember verkauft Volg in einigen Filialen Milch, für die die Bauern 80 Rappen pro Liter bekommen, wie der «Schweizer Bauer» berichtet. Der Konsument bezahlt 1.90 Franken.

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Zum Vergleich: Bei Migros kostet 1 Liter Milch der Marke Heidi 1.75 Franken, für 1 Liter von M-Budget bezahlen Konsumenten 95 Rappen. Coop verlangt bei der Marke Qualité & Prix 1.30 Franken für den Liter, während es bei Prix Garantie 97 Rappen sind. Laut Schätzungen von Schweizerbauer.ch erhalten Bauern von beiden Detailhändlern jeweils 68 Rappen pro Kilogramm (entspricht etwa einem Liter) Milch. Genaue Zahlen nannten weder Migros noch Coop auf Anfrage von 20 Minuten.

Der Schweizer Durchschnittspreis für ein Kilogramm Milch ist noch niedriger als bei Migros und Coop. Laut der Dachorganisation der Schweizer Milchproduzenten (SMP) lag er im September knapp unter 60 Rappen. Die Genossenschaft Faire Milch Säuliamt hat berechnet, dass die Bauern vom Verkaufserlös aber 80 Rappen pro Liter erhalten müssen, um einen «fairen Stundenlohn» von 28 Franken zu haben.

Gütesiegel ist eigentlich nicht neu

Das im Volg vertretene Label «Faire Milch» ist ein Gütesiegel des European Milk Board, das bereits in vielen anderen europäischen Ländern eingesetzt wird. Es gelten verschiedene Auflagen, darunter kostendeckende Preise für Bauern.

Seit dem 2. Dezember bietet die Genossenschaft unter dem Namen «Di fair Milch Säuliamt» ein Produkt, das laut Eigenangaben diesen Anforderungen entspricht. «Wir haben uns diese 80 Rappen pro Liter Milch nicht aus den Fingern gesogen, sondern den Wert anhand der Vollkostenrechnung von Markus Höltschi vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Hohenrain berechnet», sagt Werner Locher, Präsident der Genossenschaft Faire Milch Säuliamt zu 20 Minuten.

Nur in regionalen Volg-Läden

Die neue faire Milch wird von 40 Milchbauern im Säuliamt – ein Spitzname für den Bezirk Affoltern im Kanton Zürich – hergestellt. Allerdings wird sie auch nur in dieser Region verkauft. Derzeit ist «Di fair Milch Säuliamt» in regionalen Volg-Filialen und einigen Hofläden zu haben.

Eigentlich war die faire Milch nicht als regionales Konzept geplant: «Wir träumten davon, die faire Milch schweizweit einzuführen», sagt Genossenschaftspräsident Locher. Die grossen Detailhändler hätten sich den Vorschlag auch mit Interesse angehört, sich dann aber gegen eine Zusammenarbeit entschieden.

Faire Milch muss Konsumenten überzeugen

Ein Sprecher der Milchproduzenten-Organisation SMP hält fest, dass das Projekt im Säuliamt, eine faire Milch zu etablieren, ein positiver Schritt sei. «Es gilt nun die Konsumenten von ‹Faire Milch› am Markt weiter zu überzeugen.», so der Sprecher.

Locher von Faire Milch Säuliamt hat auch einen Vorschlag, wie man dem Produkt zum grossflächigen Erfolg verhelfen könnte: «Wenn Leute den Grossverteilern ein E-Mail schreiben würden, dass sie faire Milch wollen, ohne extra ins Säuliamt fahren zu müssen, könnte das etwas bewirken. Ich habe mal gehört, es brauche nur drei Kundenbriefe mit dem gleichen Anliegen, bis es zur Geschäftsleitung durchdringt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Seppl am 06.12.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Milchpreis 5.-

    Die frage sollte nicht sein wieviel ich für einen Liter Milch zu bezahlen bereit bin, sondern wieviel der Bauer erhalten sollte pro Verkauften Liter Milch. Auch bei einem Milch preis von 5 franken erhält der Bauer nur 0.50 franken. Der rest Versickert im zwischen Handel und der Verarbeitung.

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  • Lukas Eckert am 06.12.2017 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Super Geschmack

    Ich bin schon lange der Meinung dass man für die Milch etwas tiefer ins Portemonnaie greifen darf, sofern es dem Landwirt auch zugute kommt. Bei mir um die Ecke wird die Milch verkauft und sie ist sauguet! War am Samstag nachmittag nach der Einführung auch gleich ausverkauft. Super Sache!

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  • Der SeheR am 06.12.2017 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    werde sofort bei Volg die Milch kaufen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabio am 07.12.2017 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Biomilch

    ich bezahle gerne einen fairen Preis, aber die milch muss den Bio - Suisse (Knospe) entsprechen.

  • Olaf am 07.12.2017 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualitätsmilch

    Ich zahle gerne mehr für Milch. Dann muss es aber auch wieder von nicht überzüchteten Kühen kommen. Diese liefern viel, aber bei entsprechend schlechter Qualität.

    • Seppl am 07.12.2017 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Olaf

      Homogenisierte UHT Milch, am Besten noch mit 1.5%Fett kaufen um im Anschluss über Qualität zu referieren. Alles klar...

    • JustMe am 07.12.2017 21:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Olaf

      Ja, aber dann folgt womöglich bereits das nächste Problem, nämlich das man dem Kälbchen seine Milch wegtrinkt. Die Welt ist wirklich kompliziert.

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  • Agronom am 07.12.2017 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Richtung

    Das einzige was dieser Mindestpreis (Produzentenpreis) von 80 Rappen bewirkt ist eine Überproduktion. Es ist erschreckend zu sehen, wie viele Menschen keine Ahnung von den grundlegendsten Wirtschaftsmechanismen haben! Besonders die Landwirte sollten eigentlich wissen, wohin dies führt. Kein langfristig denkender Landwirt kann diesen Mindestpreis für gut empfinden. Es braucht Kontingente. Anders ist dieser Markt leider nicht zu regulieren, da zwischen Investition und Produktion sehr viel Zeit liegt.

  • Armin am 07.12.2017 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Folge von Wenig-O-Polen

    sobald es zu einem Monopol, (organges) Duopol oder einem Oligopol kommt mündet es in hohe Preise für den Konsumenten und tiefe Preise für die Lieferanten. Besserung ist nur dann in Sicht, wenn sich entweder der Lieferant weigert zu liefern (und dementsprechend neue Abnehmer suchen muss) oder der Konsument will den Preis nicht mehr bezahlen. Da grunsätzlich der Produzent und der Konsument die Wohlfühlzone liebt ist es ein Zwieschenhändler ein Einfaches, den Status Quo zu erhalten ... ist doch nicht so kompliziert, oder?

    • Agronom am 07.12.2017 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      Was?

      Das ist auf keinen Fall ein Monopol und auch kein Duopol. Das ist im Moment ein freier Markt, auf dem noch viel zu viele Produzenten sind. Die Produktion wird nicht eingestellt, weil man hofft, dass es besser wird und weil man zu hohe Investitionen getätigt hat.

    • Armin am 07.12.2017 14:34 Report Diesen Beitrag melden

      schlecht ausgedrückt, sorry:

      Das "Pol" bezieht sich im Post auf die Zwischenhändler, resp. den Grossverteilern, nicht auf die Produzenten. Lieferant war ebenfalls aus der Sicht des Verteilers zu werten.

    • esel1 am 07.12.2017 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Agronom

      Es wird nicht aufgehört zu produzieren, weil es viel zu teuer kommt seinen Betrieb aufzugeben! Da man hunderttausenden von Franken an Steuern zahlen muss.

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  • A. Z. am 07.12.2017 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist daran fair, wenn...

    ...wir Mutterkühen ihre Kinder wegreissen und dann die Milch wegsaufen? ...wir Kühe überzüchten, so dass ihre Euter bis an den Boden reichen und sich dadurch aufscheuern und entzünden? Nichts! Purer Egoismus und Ausbeuterei der Tiere durch gierige Menschen! Stoppt den Milch-Wahnsinn, den Tieren zuliebe. Danke.

    • Mann am 07.12.2017 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      Heyheyhey A.Z.

      Nun mal langsam. Ich steh auf grosse Euter! Reibe sie auch gerne mit Creme ein! ;)

    • Seppl am 07.12.2017 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mann

      Ich habe ein Fahrgestell entwickelt das ich den Kühen unter die Euter schnalle damit sie nicht am Boden entlang schleifen und ständig entzündet sind. Seither kann ich noch tieferhängende Euter züchten.

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