OECD-Vergleich

08. Januar 2018 22:36; Akt: 08.01.2018 22:36 Print

Die Reallöhne in der Schweiz stagnieren 2018

von R. Knecht - Obwohl in Europa die Reallöhne 2018 im Schnitt um 0,6 Prozent steigen dürften, sollen sie in der Schweiz stagnieren.

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Für die Schweizer Löhne sieht es schlecht aus. Laut einer Prognose des Trades Union Congress (TUC) sollen die Reallöhne hierzulande 2018 stagnieren. Damit gehört die Schweiz zu den Schlusslichtern im Vergleich des TUC. Dass die Schweiz im Europavergleich bezüglich der Lohnerhöhungen unter den Schlusslichtern ist, stützt laut Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse, die Forderung seines Verbands nach einer Nominallohn-Erhöhung von 2 Prozent. «Die Stagnation der Reallöhne in der Schweiz ist angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs nicht gerechtfertigt», sagt Fischer zu 20 Minuten. Etwas weniger pessimistisch als der TUC sieht es Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse. Er rechnet für 2018 im Schnitt mit einer leichten Reallohnerhöhung von etwa 0,3 Prozent. Mit mehreren Prozent könne man in der Schweiz wegen des hohen Lohnniveaus nicht rechnen. Zudem sei das Produktivitätswachstum in der Schweiz eher bescheiden. «Die Schweizer Wirtschaft hat schwierige Jahre hinter sich und viele Unternehmen spüren das auch jetzt noch», sagt Minsch. Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, betont, dass man Lohnentwicklung nach Branchen aufschlüsseln müsse. So gebe es etwa im Bauhauptgewerbe eine Nullrunde, was bei einer erwarteten Teuerung zur Senkung der Reallöhne führe. In anderen Branchen mit Gesamtarbeitsverträgen gebe es hingegen deutliche Erhöhungen. Die grosse Frage: Bringt der Aufschwung 2018 mehr Geld zum Leben? Die Prognosen für 2018 sind euphorisch: Der Bund erwartet ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent. Die Lohnrunde für 2018 ist jedoch weitgehend abgeschlossen. Mehr Geld gibt es kaum: Zwischen 0,5 Prozent und 1,0 Prozent betragen die ausgehandelten Erhöhungen. Kommt die Konjunktur in Fahrt, kann dies auch mehr Jobs bringen, ... ... allerdings nicht in jedem Fall: Die Produktion kann auch durch mehr Roboter gesteigert werden. Im November 2017 betrug die Arbeitslosenquote 3,1 Prozent. «Wenn Firmen mehr Ertrag machen, muss das auch bei den Arbeitern und Angestellten ankommen», fordert Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Lampart warnt vor Lohnexzessen ganz oben, wie sie vor der Finanzkrise 2007 verbreitet waren. Bislang hält sich der Lohnanstieg bei den Managern in Grenzen: Im Schnitt stiegen die CEO-Löhne der Top 100 börsenkotierten Schweizer Firmen 2016 um 1,7 Prozent, so das Beratungsunternehmen HCM. Es gibt Ausnahmen. UBS-Chef Sergio Ermottis Lohn sank 2016 auf 13,7 Millionen Franken (Vorjahr 14,3 Millionen). Bei den einfachen Angestellten fressen Krankenkasse und Teuerung die für das kommende Jahr ausgehandelten Lohnerhöhungen fast weg.

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Schweizer erhalten dieses Jahr besonders schlechte Lohnerhöhungen. Die Reallöhne 2018 werden hierzulande im Schnitt mit 0,0 Prozent unverändert bleiben, wie eine Prognose des Trades Union Congress (TUC) besagt. Von den untersuchten Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schneidet die Schweiz zusammen mit Spanien (-0,1 Prozent), Italien (-0,6 Prozent) und Grossbritannien (-0,7 Prozent) am schlechtesten ab.

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Der europäische Durchschnitt liegt bei 0,6 Prozent Reallohn-Erhöhung. Dass die Schweiz im Europavergleich bezüglich der Lohnerhöhungen unter den Schlusslichtern ist, stützt laut Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail Suisse, die Forderung seines Verbands nach einer Nominallohn-Erhöhung von 2 Prozent. «Die Stagnation der Reallöhne in der Schweiz ist angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs nicht gerechtfertigt», sagt Fischer zu 20 Minuten.

«Löhne sollten sich ähnlich entwickeln wie in Deutschland»

Wegen der ähnlichen wirtschaftlichen Lage sollte die Lohnentwicklung laut Fischer mit derjenigen in Deutschland vergleichbar sein. Dort steigen die Reallöhne 2018 laut TUC um rund 1 Prozent. Berücksichtigt man die Teuerung in der Schweiz von etwa 0,5 Prozent, müssten Schweizer eine durchschnittliche Nominalerhöhung von 1,5 Prozent erhalten, um mit der Entwicklung in Deutschland mithalten zu können. Tatsächlich resultierte der Lohnherbst 2017 im Schnitt aber in einer Erhöhung zwischen 0,5 und 1 Prozent.

Bereits Mitte Dezember 2017 hatte Travail Suisse die Arbeitgeber wegen der Lohnrunden scharf kritisiert. Arbeitnehmer könnten bisher nicht von den blendenden Aussichten für die Unternehmen profitieren. Wegen der Teuerung und steigender Krankenkassenprämien würden die meisten mit 0,5 bis 1 Prozent Nominallohn-Erhöhung kaum mehr Geld im Portemonnaie haben.

Etwas weniger pessimistisch als der TUC sieht es Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse. Er rechnet für 2018 im Schnitt mit einer leichten Reallohnerhöhung von etwa 0,3 Prozent. Mit mehreren Prozent könne man in der Schweiz wegen des hohen Lohnniveaus nicht rechnen.

Zudem sei das Produktivitätswachstum in der Schweiz eher bescheiden. «Die Schweizer Wirtschaft hat schwierige Jahre hinter sich und viele Unternehmen spüren das auch jetzt noch», sagt Minsch. Trotzdem seien die Reallöhne in den letzten Jahren immer leicht gestiegen. Wenn Unternehmen künftig wieder vermehrt Investitionen tätigen und die Produktivität in der Schweiz steigt, könnten die Reallöhne auch stärker steigen, so Minsch.

Aufschwung in Osteuropa

Den grössten Reallohn-Anstieg verzeichnet der TUC mit fast 5 Prozent in Ungarn. Weitere osteuropäische Länder wie Lettland, Polen und die Tschechische Republik liegen an der Spitze. Dass die Löhne vor allem in Osteuropa stark steigen, kann Fischer von Travail Suisse nachvollziehen: «In Ländern wie etwa Ungarn gibt es einen gewissen Nachholeffekt.»

Minsch von Economiesuisse erklärt: «Viele westliche Firmen haben in letzter Zeit stark in osteuropäische Unternehmen investiert.» Darum steige die Produktivität in diesen Regionen rasant, was beim eher niedrigen Lohnniveau zu einem starken Anstieg der Reallöhne führe.

Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, betont, dass man Lohnentwicklung nach Branchen aufschlüsseln müsse. So gebe es etwa im Bauhauptgewerbe eine Nullrunde, was bei einer Teuerung zur Senkung der Reallöhne führe. In anderen Branchen mit Gesamtarbeitsverträgen gebe es dagegen deutliche Erhöhungen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Captain Hindsight am 08.01.2018 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt mich bedenklich

    Stets schneidet die Schweiz schlechter ab als Norwegen. Wir verdienen nicht nur kaum mehr, wir arbeiten sogar mehr als vor ein paar Jahren. So gesehen haben wir Lohnabbau.

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  • sibu am 08.01.2018 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuerung O,5%

    Die Teuerung ist O,5% und im Warenkorb ist die Krankenkassenprämie nicht enthalten. Wie kommen CH Unternehmer dazu O% Lohnerhöhung zu diskutieren? Weil es hier geht?

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  • Ich am 08.01.2018 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wird noch schlimmer

    Überrascht mich nicht! Umso reicher der Land, umso schlechter bezahlten Mitarbeiter! Bald werden wir zum zweiten Bangladesch.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ladyinred am 09.01.2018 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterallemanstand

    Coiffeusen und Detailhandel verdient eindeutig zu wenig.

  • O. Tobler am 09.01.2018 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Jee Ha Ha chömmet Chüeli

    Nächstes mal werde ich gegen ein Grundeinkommen stimmen. Noch viel zu vielen Menschen fehlt die Motivation zum Denken.

  • Ironie am 09.01.2018 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommenskultur

    Ladet noch mehr Gäste in euer Land ein und es wird bestimmt besser ;)

  • Elend am 09.01.2018 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Lohn

    Ich wäre froh, ich hätte überhaupt einen Lohn! Bin seit 1 Jahr arbeitslos trotz stetigen Aus- und Weiterbildungen aber bin halt auch schon 42.

  • Asterix am 09.01.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sagt Dankeschön

    KK-Prämien, höhere Besteuerung des Eigenmietwertes ( und dies rückwirkend ), immer mehr CO2-Abgaben (wohin dieses Geld fliesst, weiss keiner) etc. etc. Und meine kleine Lohnerhöhung letztes Jahr ist schon lange aufgebraucht. Aber versteuern darf ich es dann trotzdem, als hätte ich mehr Geld in der Hand.