Amag-Chef

09. März 2017 10:21; Akt: 09.03.2017 10:41 Print

«Das Auto soll nach vier Klicks geliefert werden»

von S. Spaeth, Genf - Die Amag drängt ins Glattzentrum bei Zürich, sie will im Einkaufszentrum Autos ab iPad verkaufen. CEO Morten Hannesbo über neue Wege und das autonome Fahren.

Amag-Chef Morten Hannesbo im Interview mit 20 Minuten.
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Fehler gesehen?

Herr Hannesbo, noch sind in Genf meist traditionelle Autos zu sehen, die Innovationen zeigen Tech-Firmen an der Consumer Electronic Show in Las Vegas. Wo liegt das Problem?
Es ist kein Problem, Tech-Firmen und Autobauer ticken einfach anders. Wenn Volkswagen etwas präsentiert, muss es für die Kunden relevant sein. Wir machen nicht Autos für Millionäre, sondern für Millionen. VW präsentiert Lösungen erst, wenn abzusehen ist, dass man dieses Fahrzeug in einigen Jahren auch realisieren kann und wird.

Umfrage
Könnten Sie sich vorstellen, ein Auto nach wenigen Klicks im Internet zu kaufen?
27 %
49 %
15 %
9 %
Insgesamt 1375 Teilnehmer

VW hat vor rund zwei Jahren den Ingenieur Johann Jungwirth bei Apple abgeworben, der auch am iCar beteiligt war. Spüren Sie den Einfluss des prominenten Digital-Chefs?
Ich habe Johann Jungwirth schon getroffen. Er ist ein Wilder, doch das tut uns gut. Er stellt Fragen, die wir uns gar nicht mal vorstellen können, und zwingt mit seinen Ansätzen die Traditionsunternehmen Volkswagen und Amag, neu zu denken.

Haben Sie darum kürzlich einen Geschäftsbereich gegründet, der sich um andere Formen der Mobilität kümmert?
Unsere Marken agierten bis jetzt autonom. Wir haben aber gesehen, dass wir eine Einheit mit Spezialisten brauchen, die neue Mobilitätsformen und die Digitalisierung vorantreiben, um bessere Lösungen für die Kunden zu finden. Zudem versuchen wir, unser Datenuniversum besser zu verstehen und wollen Wege finden, damit wir den Autokauf digital abwickeln können. Das Auto soll künftig nach vier Klicks im Internet vom Händler nach Hause geliefert werden können.

Bedroht der Internethandel nicht Ihr Geschäft?
Ich sehe keine Bedrohung, aber das Internet wird den Autohandel zweifellos verändern. Aber ein Auto zu kaufen ist schon etwas komplizierter als ein Smartphone oder ein Paar Schuhe. Viele Autokäufer haben ein Eintauschfahrzeug oder brauchen eine Finanzierung und eine Versicherung. Es braucht beim Autokauf also mehr Betreuung.

Laut unseren Informationen planen Sie im Glattzentrum einen Standort, an dem sich die Kunden das Auto am iPad zusammenstellen und liefern lassen können …
Wir suchen immer Wege, um neue Kunden anzusprechen. Unseren Seat Store im Glattzentrum wollen wir im Juli eröffnen. Dort wird es zwar schon auch wenige echte Autos geben, die Mehrheit der Fahrzeuge werden aber elektronisch dargestellt werden. Wir wollen die junge Marke Seat modern und emotional darstellen. Zudem haben die Leute im Shoppingcenter oft Zeit, sich etwas genau anzuschauen.

Haben Sie sich bei Tesla inspirieren lassen?
Nein, nicht bei Tesla. Ich gebe aber zu, dass uns Apple inspiriert hat.

Sind weitere derartige Verkaufsstandorte geplant?
Vorerst ist nur ein Standort geplant. Es gibt aber bestimmt 30 grosse Einkaufszentren. Sollten wir im Glattzentrum grossen Erfolg haben, ist es denkbar, dass wir in weitere Einkaufszentren gehen und weitere Marken hinzunehmen. Es braucht aber immer noch einen lokalen Händler, der bei solchen Standorten mit dabei ist.

Sind Sie ins Silicon Valley gefahren, um sich Inspiration für die Digitalisierung zu holen?
Nein, noch nicht. Ich war in den letzten 18 Monaten stark mit der Abgas-Thematik beschäftigt.

Würden Sie sagen, dass Sie diese Sache nun ausgestanden haben?
Das will ich noch nicht sagen, aber wir machen gute Fortschritte. Bis heute haben wir 100'000 von 175'000 Fahrzeugen nachgebessert. Ende Jahr sollte die Sache ausgestanden sein. Die für die Umrüstungen zusätzlich eingestellten Mitarbeiter werden aber bei Amag bleiben, da wir trotz des Abgasskandals unseren Marktanteil gehalten haben.

Letzte Woche zeigte eine repräsentative Umfrage, dass die Sympathiewerte von Diesel-Fahrzeugen deutlich gesunken sind. Glauben Sie solchen Umfragen?
Es gibt Leute, die derzeit sagen, dass sie kein Diesel-Auto mehr kaufen würden. Aber die Zahlen zeigen, dass der Dieselanteil im letzten Jahr sogar nochmals leicht zugelegt hat – die Sympathie ist also da. Wir müssen nun dafür sorgen, dass der Diesel wieder salonfähig wird. Die Technologie wird relevant bleiben, wenn es gelingt, die Dieselmotoren sauberer zu machen. Das kostet aber Geld. Ein echt sauberer Dieselmotor mit den neusten Reinigungssystemen ist bis zu 2000 Franken teurer, was bei einem Auto für 17'000 Franken einen zu hohen Aufpreis bedeutet.

Zurück zum Auto-Salon: Wie lange wird es noch dauern, bis Sie sich mit dem Auto vollständig autonom nach Genf fahren lassen können?
Ich gehöre diesbezüglich zu den Skeptikern. Vor meiner Pensionierung dürfte das nicht zu schaffen sein – und diese ist sicher noch rund 15 Jahre entfernt. Das vollständig autonome Fahren hat sehr viel Potenzial, doch die Welt ist noch nicht bereit dafür. Es wird einen langen Übergangsprozess geben. Innerhalb der nächsten fünf Jahre dürfte teilautonomes Fahren auf der Autobahn realistisch werden.

Wo sehen Sie die grössten Schwierigkeiten auf dem Weg zum kompletten Roboterauto?
Die Probleme sind sowohl technischer als auch rechtlicher Natur. Wir leben in einer Welt, in der sich Kinder, Hunde, Traktoren und Fahrräder alle mit unterschiedlichen Tempi frei bewegen können. All diese Gruppen sind noch nicht aufs autonome Fahren getrimmt und haben weder Kameras noch elektronische Sensoren. Zudem hinkt das Strassenverkehrsrecht dem technologischen Fortschritt hinterher.

Bedauern Sie es als Chef eines grossen Autohändlers eigentlich, dass immer mehr Funktionen im Auto vom Computer übernommen werden?
Nein, überhaupt nicht. Wir leben heute länger als unsere Eltern. Dank den vielen Assistenzsysteme ist es möglich, dass die Menschen statt nur bis 70 bis 85 Jahren selbst fahren können. Das ist Freiheit und Lebensqualität. Persönlich fahre ich aber lieber selber, als vom Roboter gelenkt zu werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 09.03.2017 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Überteuerte Autos

    VW sind massiv überteuerte Autos, es gibt viel billigere und gleichwertige/zuverlässige marken.

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  • F. Ord am 09.03.2017 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auto per Internet? Nein danke!

    VW hat eh jegliche Glaubwürdigkeit auf Jahre hinaus verloren. Für mich ist die AMAG tot.

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  • Ich am 09.03.2017 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...sondern für Millionen

    Sind da die Käufer oder der Profit gemeint?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • vw golf r360 am 10.03.2017 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die amag ist toll

    Die Kommentare hier zeigen wiedermal wieviel die Leute hier nachdenken. Wenn ihr schlechte Erfahrungen gemacht habt mit der amag, okay dann habe ich Verständnis, aber der Erfolg und der Marktanteil der amag sprechen für sich. Wer ein Auto in Deutschland bestellt und sich danach über die Schweizer Preise aufregt hat nichts von der Wirtschaft verstanden, sorry. Die Qualität der Autos bestimmt nicht die amag sondern VW in Deutschland selbst, die amag ist nur Vertreter und Importeur. Es ist unfair gegenüber einer Firma, welche über 5000 Arbeitsplätze schaffte und der Schweiz viel bringt. Adémessi

  • Tomi am 10.03.2017 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VW-Fahrer

    Amag nein Danke. Nur Probleme mit Ihnen.

    • vw golf r360 am 10.03.2017 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tomi

      probleme mit der amag oder mit dem auto?

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  • VW Golf R360 am 10.03.2017 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VW Golf, Skoda, usw. die besten Autos

    An alle amag-hater: 1. Die amag wusste nichts vom Abgasskandal (fragt bei der Bundesbehörde nach) 2. Autos werden bereits jetzt mit wenigen Klicks online bestellt und in Zukunft umso mehr 3. Eine Probefahrt ist trotzdem möglich vor dem Kauf 4. Die Qualität der Fahrzeuge bestimmt nicht die Amag sondern das Werk selbst 5. der VW Golf ist das meistverkaufte Auto der Schweiz, gefolt vom Octavia... beide importiert und verkauft durch amag

    • Walter am 10.03.2017 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @VW Golf R360

      Das zeigt nur den schlechten und langweiligen Geschmack.

    • roll2go am 10.03.2017 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @VW Golf R360

      Mir geht es nicht um die Qualität irgendeiner Marke der Volkswagengruppe, sondern darum, wud die AMAG mit mir umgegangen ist. Wenn Sie das als Hass bezeichnen, dann hat die AMAG diesen Hass gesät. Ist ja nur gut für Sie, wenn Sie das anders erfahren konnten. Deswegen haben es jene, die Sie als AMAG-Hater betiteln, die andern aber noch lange nicht gut erfahren.

    • vw golf r360 am 10.03.2017 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walter

      langweiligen geschmack? zeigen sie mir ein auto mit mehr power in diesem preissegment

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  • roll2go am 10.03.2017 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autos für Millionen - nur nicht für mich!

    Hier zu beschreiben, wie mich die AMAG 2015/2016 nach einer Neuwagen-Bestellung im Regen hat stehen lassen, würde jeden Rahmen sprengen. Das Traurigste am Ganzen ist, dass die AMAG ihr Verschulden zu meinem umformuliert hat, um sich nicht im Geringsten entschuldigen zu müssen. Dass sie, nachdem ich fast ein Jahr vergeblich auf die Lieferung wartete, schliesslich "ohne Kosten" für mich vom Vertrag zurückgetreten ist, gleicht immerhin einem Schuldgeständnis - wenn auch nicht einem so formulierten. Dass ich wegen ihres Fehlverhaltens aber heute noch auf ein rollstuhlgerecht umgebautes neues Auto warten muss, ist der AMAG pip-egal.

  • Interessent am 10.03.2017 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amag Besuch

    Naja den letzten Besuch bei der Amag hätte ich mir sparen können weil die Verkaufsberatung so mies war und zu verhandel gab es auch nichts da kann ich das Auto auch per Tablet kaufen