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26. September 2017 13:42; Akt: 26.09.2017 13:42 Print

Verantwortung zählt für Lehrlinge mehr als Geld

von Raphael Knecht - Schweizer Lehrlinge wünschen sich anspruchsvolle Aufgaben und Anerkennung. Fünf Firmen schneiden besonders gut ab.

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Kopien erstellen, Kaffee holen, Küche putzen: Lehrlinge wollen während der Ausbildung nicht nur für Bagatellen zuständig sein, sondern auch Verantwortung im Lehrbetrieb übernehmen. Sie möchten als «richtige Mitarbeiter» angesehen werden, wie in einer Studie von Great Place to Work zum Ausdruck kommt. Das Unternehmen befragte rund 3000 Lehrlinge bei 15 Schweizer Unternehmen. Sie wünschten sich einstimmig den starken Einbezug in Entscheidungen, die ihr Arbeitsumfeld betreffen.

Umfrage
Sollten Lehrlinge die gleiche Verantwortung tragen wie andere Mitarbeiter?

Viele Auszubildende erwarten neben anspruchsvollen Aufgaben auch entsprechende Anerkennung für die geleistete Arbeit. Dabei geht es laut dem Studienleiter Florian Manz vor allem um die Akzeptanz als vollwertige Mitarbeitende. Dass der Lehrlingslohn sich von dem anderer Mitarbeiter unterscheidet, fällt weniger ins Gewicht: Rund drei Viertel der Auszubildenden bei den prämierten Unternehmen finden, dass ihr Lehrbetrieb die geleistete Arbeit angemessen bezahlt. Insgesamt sind rund die Hälfte der Lehrlinge mit ihrem Lohn zufrieden.

Die besten Lehrbetriebe der Schweiz

Great Place to Work lancierte die Studie Great Place to Start dieses Jahr. Von den 15 teilnehmenden Firmen zeichnete das Unternehmen fünf als «Beste Lehrbetriebe der Schweiz» aus:

• Login Berufsbildung AG (1910 Lernende)
• Allianz Suisse (65 Lernende)
• Graubündner Kantonalbank (42 Lernende)
• Lidl Schweiz (37 Lernende)
• 100pro! Berufsbildung Liechtenstein (25 Lernende)

Michael Schweizer, Geschäftsführer von Login Berufsbildung, das unter anderem Bildungspartner der SBB und BLS ist, sagt zu 20 Minuten: «Die Möglichkeit, früh Verantwortung übernehmen zu können, motiviert. Das spüren die Kunden des öffentlichen Verkehrs – gleichzeitig werden die Lernenden zu gefragten Nachwuchskräften.»

Studienleiter Manz bestätigt, dass die Akzeptanz als vollwertige Mitarbeiter in der Ausbildung beginnen sollte. Ebenfalls wichtig sei es, dass Auszubildende Freude und Stolz im Beruf verspüren. Lernende sind zudem eher mit ihrem Betrieb zufrieden, wenn sie ihre Ausbilder für kompetent halten.

Lehrlinge leisten im Detailhandel einen wichtigen Beitrag

Mit dem Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben sind Lernende in der Versicherungs- und Finanzbranche besonders zufrieden. Hotellerie und Verkauf schnitten in diesem Bereich deutlich schlechter ab. Dafür finden viele Auszubildende im Detailhandel, dass sie einen wichtigen Beitrag leisten, etwa durch direkten Kundenkontakt.

Lernende im handwerklichen und produzierenden Gewerbe fühlen sich vom Arbeitgeber besonders gut geschützt. So bewertet diese Gruppe Gesundheits- und Arbeitsschutz besser als Auszubildende in anderen Branchen.

Lernende wollen nicht beim Betrieb bleiben

Bei den Unternehmen, die keine Auszeichnung erhalten haben, wollen weniger als die Hälfte der Lernenden nach der Lehre bei der Firma bleiben. Die Minderheit würde Freunden den Betrieb zur Ausbildung empfehlen. Im Gegensatz dazu sind 80 Prozent der Auszubildenden bei den fünf ausgezeichneten Unternehmen stolz auf ihre Firma und würden sie weiterempfehlen. 70 Prozent wollen nach der Ausbildung beim Betrieb bleiben.

Welche Unternehmen keine Auszeichnung erhielten, teilt Great Place to Work nicht mit. Man wolle das Positive hervorheben, statt freiwillig teilnehmende Unternehmen zu bemängeln, begründet Manz den Entscheid im Gespräch mit 20 Minuten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nick am 26.09.2017 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wollen und können

    Ich verstehe die jungen Leute sehr gut. Die Frage ist aber, ob sich zum Verantwortung übernehmen "wollen" auch das "können" gesellt. In kleinen Teilbereichen und unter wohlwollebder Oberaufsicht mag das mit fortschreitender Ausbildung funktionieren, die alleinige Gesamtverantwortung für eine Aufgabe, ein Projekt oder ähnliches dürfte aber meist ein paar Nummern zu gross sein.

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  • Ein Leser am 26.09.2017 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Danke und Tschüss

    Und sobald die Lehre abgeschlossen ist, landen die Lehrabgänger beim RAV. Man sollte anderst schreiben viele haben gar nicht die Möglichkeit in einem Betrieb weiterbeschäftig zu werden. Die Berufslehre sollte revolutioniert werden, indem auch nach der Lehre Chance entstehen ohne das man tief ins Portmonaie greifen muss.

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  • Frau27 am 26.09.2017 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung/Kompetenz

    Typisch junge 'Erwachsene'. Alle wollen Verantwortung und meinen, dass sie es damit im Berufsleben "zu etwas gebracht haben". Aber die Realität sieht meistens anders aus. Die meisten wissen nämlich nicht, dass Verantwortung ohne Kompetenz, einfach eine Last ist. Verantwortung macht nur dann Freude/Sinn, wenn man auch die Kompetenz zugewiesen bekommt, Dinge selbst zu entscheiden und Weisungen zu erteilen, wenn es eine Team-Angelegenheit ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Das Wort am 26.09.2017 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Für Geld arbeiten?

    Man soll nicht fürs Geld arbeiten steht in der Bibel! Also macht euch nicht zum Sklaven!

  • Roco am 26.09.2017 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Praktika abschaffen

    In vielen Fällen "landen" dann topmotivierte Lehrabgänger in einem Praktikum. Und sind dort wieder der Gango. Statt dass man endlich diese Billigpraktika auflöst und ganz normale Stellen schafft und diese mit normalen Berufsleuten besetzt, von Lehrabgängern bis Fachleuten bis 64. Denn alle wollen arbeiten und wertgeschätzt werden können, von Lehrabgänger bis hin zur Fachperson 65-.

  • Mutter am 26.09.2017 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn

    Viele Lehrlinge fordern mehr Verantwortung, was auch immer sie darunter verstehen. Erhalten sie etwas mehr Verantwortung, sind die meisten gleich überfordert. Ausserdem denken viele, sobald sie etwas weniges können, dass sie den Lohn eines Mitarbeiters erhalten sollten. Überheblich und arrogant sind leider zuviele Lehrlinge.

  • BernR am 26.09.2017 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gut erkannt, Sherlock

    Natürlich wollen die Lernenden das Gefühl haben, auch jemand zu sein und gefördert werden. Aber heute ist ein Lernender in vielen Betrieben die günstigste Arbeitskraft und wird mit den monotonsten und unbeliebten Jobs beauftragt. Das mit dem im Betrieb bleiben ist so eine Sache. Wenn man das unbedingt will, bitte. Aber man läuft für die nächsten Jahre Gefahr der Lehrling + zu sein und nicht ein Mitarbeiter.

  • Nick am 26.09.2017 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wollen und können

    Ich verstehe die jungen Leute sehr gut. Die Frage ist aber, ob sich zum Verantwortung übernehmen "wollen" auch das "können" gesellt. In kleinen Teilbereichen und unter wohlwollebder Oberaufsicht mag das mit fortschreitender Ausbildung funktionieren, die alleinige Gesamtverantwortung für eine Aufgabe, ein Projekt oder ähnliches dürfte aber meist ein paar Nummern zu gross sein.

    • lehr ling am 26.09.2017 14:44 Report Diesen Beitrag melden

      frust

      Von einem ganzen Projekt redet ja auch keiner. Allerdings ist es als Auszubildender sehr frustrierend, wenn man vom Betrieb und den Mitarbeitern immer zu spüren kommt dass man "nur" Lehrling ist. Sprich die simplen, "doofen" Aufgaben werden an den Lehrling abgetreten (In meinem Fall: Alte Netzwerkkabel entsorgen, Druckerpatronen austauschen, Bildschirme auswechseln), alles was neu/anspruchsvoll/interessant ist, krallen sich die anderen Mitarbeiter. Vor allem lernt der Auszubildende durch diese Einstellung auch nicht wirklich viel...

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