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16. Februar 2017 15:03; Akt: 16.02.2017 22:56 Print

Machen sich Bosse mit Mittelinitial wichtig?

Der mittlere Buchstabe im Namen soll Bedeutsamkeit vermitteln. Nicht nur Präsidenten, auch Schweizer Manager führen ihn gern.

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Donald J. Trump: So wie der US-Präsident halten es auch viele Manager. Sie nutzen das Mittelinitial. Im Fall von Trump steht es für den Vornamen John. Bei der Bank Bär hiess es in einer Meldung vor kurzem: «Boris F. J. Collardi sagte ...». F. J. steht für Francesco Jean, die weiteren Vornamen des Bär-CEO.

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Thematisiert hat die mittleren Buchstaben kürzlich Dirk Schütz, Chefredaktor des Wirtschaftsmagazins «Bilanz». In einem Newsletter schrieb er, Collardi sei «König in der Disziplin, seinem Namen mehr Gravitas zu verleihen». Er sei der einzige Schweizer Konzernchef mit gleich zwei Mittelinitialen. Diese Buchstaben zwischen seinen Vor- und Nachnamen einzufügen, sei eine «Unsitte aus den USA», wie sie beispielsweise bei Donald J. Trump zutage tritt. Schütz nennt ein paar prominente Beispiele aus der Schweizer Wirtschaft, die zeigen, dass die Mittelinitialen «längst ins helvetische Geschäftsleben eingesickert» sind: Daniel L. Vasella, Philipp M. Hildebrand oder Oswald J. Grübel.

«Es soll Ausstrahlung verleihen»

Auch der Schweizer Namensexperte Marc Hauser kennt das aus dem angelsächsischen Raum stammende Phänomen. Hauser ist Experte für Sprache und Kommunikation und hat sich mit seiner Agentur auf die kreative Namensfindung für Firmen spezialisiert. Wenn jemand seinem Namen ein Mittelinitial hinzufüge, stecke der Wunsch nach Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit dahinter, so der Experte im Gespräch mit 20 Minuten: «Es soll dem Namen Ausstrahlung verleihen und der Person eine gewisse Bedeutsamkeit geben», so Hauser.

Schweizer Managern rät der Namensexperte jedoch von solchen Buchstaben-Spielereien ab. «Sie wollen wichtig erscheinen – und genau diese Absicht erkennt man sofort, wenn jemand plötzlich auf einem Mittelinitial besteht.» Der Schuss könne also leicht nach hinten losgehen, abgesehen davon, dass der zusätzliche Buchstabe einen Namen unnötig verkompliziere.

Mehr Status, mehr Intelligenz

Die Wirkung des Mittelinitials wurde sogar schon von Wissenschaftlern untersucht. Die Psychologen Wijnand A. P. Van Tilburg von der University of Southampton und Eric R. Igou – beide stolze Träger von zweiten und dritten Vornamen – von der University of Limerick kamen in einer Studie zum Schluss: Die Menschen verbinden das Mittelinitial mit einem höheren sozialen Status und einer höheren intellektuellen Leistungsfähigkeit.

Für die Studie wurden den Probanden Aufsätze über die Relativitätstheorie vorgelegt. Der Name des Autors variierte zwischen einem schlichten Vor- und Nachnamen und dem Zusatz von einem, zwei oder sogar drei Mittelinitialen. Die besten Noten erhielt der Aufsatz eines Autors namens David F.P.R. Clark – der einfache David hatte gegen ihn keine Chance.

(vb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Imhof am 16.02.2017 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu arm

    Ich habe leider keinen zweiten Vornamen. Mein Eltern waren damals einfach zu arm, um sich das leisten zu können! :-)))

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  • Hugh am 16.02.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mist

    Ich habe leider keinen zweiten Vornamen, vielleicht sollte ich nun einen erfinden. Mungus fand ich schon immer einen tollen Namen.

  • jürg am 16.02.2017 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Nachäffen

    in gewissen ländern ist der mittelname vorschrift oder zumindest seit jeher usus. hier bei uns nutzen ihn wichtigtuer, die sich besonders weltmännisch geben wollen....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • E. H. am 17.02.2017 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arm oder gut benamst

    Meine Eltern waren arm, die konnten sich für mich keinen zweiten Vornamen leisten, habe immer darunter gelitten... Und meinen Kindern natürlich zwei Vornamen gegönnt...

  • Komische Typen am 17.02.2017 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe drei Vornamen

    würde ich aber nie als Kürzel hinzufügen. Die / Der Titel genügt, mit dem Hinweis in welche Fachrichtung dieser /diese erwoben wurden. Nur Peinlich für diese Personen.

  • Kareen am 17.02.2017 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Amtliche Post

    Ich habe zwei Vornamen und einen Doppelnamen, verwende aber jeweils nur je einen. Nervös macht es mich aber, wenn ein Couvert so angeschrieben kommt. Sind nämlich meistens Geschwindigkeitsbussen....

  • Peter Peter Peter am 17.02.2017 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwechslungsgefahr

    In der Schweiz gibt es laut Twixtel mindestens 55'015 Peter. Seit mein Hausarzt mir zweimal eine Behandlung zumuten wollte, die für meinen Namensvetter im gleichen Ort gedacht war, benutze ich den zweiten Vornamen. Auch die Post hat jetzt weniger Stress.

  • peter am 17.02.2017 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Armselig!

    Wenn ein solcher Manager nicht mehr viel zu bieten hat, muss halt einfach ein Buchstabe her - wie armselig!!