Neue Plattform

14. November 2017 20:06; Akt: 14.11.2017 20:06 Print

Hier bestimmen Sie selber den Preis fürs Ski-Ticket

von Dominic Benz - Unter den Skigebieten tobt der Preiskampf. Das Start-up Skinow drängt nun mit einem neuen Tarifmodell auf den Markt. Nicht alle sind davon begeistert.

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Wintersportler sollen selber bestimmen, wie viel ihnen der Tag auf den Pisten wert ist. Das ist das Ziel des Start-ups Skinow. «Wir sind davon überzeugt, dass sich die extrem unterschiedliche Qualität eines Skitags in Bezug auf Wetter, Schnee oder Saison auch in den Ticketpreisen widerspiegeln sollte», sagt Skinow-Sprecher Marius Meuli. Vom neuartigen Preis-Modell sollen sowohl die Skigebiete als auch die Skifahrer profitieren. Skiferien können schnell ins Geld gehen, auch wenn die Schweizer Skigebiete einander mit immer tieferen Ticketpreisen unterbieten. Das deutsche Vergleichsportal Holidu hat ausgerechnet, wo der Winterspass am günstigsten ist. Platz 13: In St. Moritz kostet ein Tag mit Skipass, Unterkunft und Ausrüstung pro Person 214 Franken. Platz 12: In Zermatt muss man pro Tag im Schnitt 204 Franken hinlegen. Platz 11: Grindelwald ist mit 193 Franken pro Tag das drittteuerste Schweizer Skigebiet. Platz 10: Den letzten Platz in den Top Ten belegt Verbier mit 180 Franken pro Tag. Platz 9: In Flims Laax Falera kostet der Tag 173 Franken. Platz 8: 164 Franken bezahlt man in Arosa durchschnittlich pro Tag. Platz 7: In Saas-Fee kostet ein Tag Skifahren im Schnitt 157 Franken. Platz 6: In Davos bezahlt man pro Tag 156 Franken. Platz 5: In Samnaun bezahlt man für einen Tag 150 Franken. Platz 4: Ein Tag in Engelberg kostet 149 Franken. Platz 3: Skiferien auf der Riederalp kosten pro Tag 146 Franken. Platz 2: Mit 138 Franken pro Skitag holt sich Adelboden Silber im Ranking. Platz 1: Im Schnitt ist Saas-Grund im Kanton Wallis das günstigste Schweizer Skigebiet. Ein Tag kostet hier 112 Franken.

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Unsichere Schneeverhältnisse, weniger Skifahrer, viel Konkurrenz: Schweizer Skigebiete stehen unter Druck und unterbieten sich gegenseitig mit immer tieferen Tickettarifen. Das Berner Oberländer Start-up Skinow drängt jetzt mit einem neuen Preismodell auf den Markt: Kunden sollen selber bestimmen, wie viel sie für ihren Skitag bezahlen wollen.

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Und so funktionierts: Bei Skinow legen Kunden das Datum und das Skigebiet fest und bieten einen Preis für das Skiticket. Noch am selben Tag erfahren die Kunden, ob die Bergbahn das Angebot akzeptiert hat oder nicht. Dabei legt Skinow mit den Skigebieten eine Preisschwelle fest, die die aktuelle Zahlungsbereitschaft der Kunden, die Saisonzeit, den Wochentag, das Wetter und die aktuelle Marktnachfrage berücksichtigt. Liegt das Angebot des Kunden über der Schwelle, kommt der Deal zustande.

Drei Skigebiete machen mit

Mit an Bord bei Skinow, das sein Geld mit Kommissionen verdient, sind bisher die drei Walliser Skigebiete Bellwald, Lauchernalp und Aletsch Arena. Letztere erhofft sich viel von der neuen Plattform: «Das dynamische Preismodell soll gerade je nach Wetter sowie in auslastungsschwächeren Saisonzeiten zusätzliche Gäste anlocken», sagen die Aletsch Bahnen zu 20 Minuten.

Urs Wagenseil vom Institut für Tourismuswirtschaft sagt zum neuen Preismodell von Skinow: «Der Gast wünscht zwar den Preis, letztendlich sind es aber doch die Bergbahnen, die den bewilligten Preis bestimmen.» Auch würden sie die Anzahl der vergünstigten Tickets festlegen, wie Wagenseil zu 20 Minuten sagt.

«Das würde die ganze Branche gefährden»

Genau hier lauert die Gefahr für die Bergbahnen: Sie müssen laut Wagenseil aufpassen, dass sie nicht zu viele Tickets auf der Plattform verscherbeln. Das könnte sonst die bestehende Nachfrage unterhöhlen. Allgemein dürfe es in der Branche nicht zum Trend werden, Tickets auf solchen Plattformen anbieten zu müssen. «Das würde die notwendigen Umsätze einbrechen lassen und die ganze Branche gefährden», so Wagenseil.

Zudem warnt Wagenseil vor einer neuen Preissensibilität: «Wenn Tageskarten bis anhin beispielsweise 55 Franken gekostet haben und nun plötzlich zu häufig für 22 Franken gekauft werden, werden die Normalpreise als inakzeptable Hochpreise wahrgenommen.»

Keine Schnäppchen-Plattform

Ob Skinow Erfolg haben wird, hängt vor allem davon ab, wie viele Bergbahnen das Start-up für sich gewinnen kann. «Denn viele Skigebiete setzen auf Qualität und wollen mit Dumpingpreisen nichts zu tun haben», erklärt Wagenseil.

Skinow selbst versteht sich allerdings nicht als Schnäppchen-Plattform. «Ein Schnäppchen würde bedeuten, dass ein Skiticket trotz unveränderter Qualität zu einem günstigeren Preis angeboten wird», sagt Sprecher Marius Meuli zu 20 Minuten. Das sei aber nicht das Ziel. Man sei stattdessen davon überzeugt, dass sich die extrem unterschiedliche Qualität eines Skitags in Bezug auf Wetter, Schnee oder Saison auch in den Ticketpreisen widerspiegeln sollte. «Die Strategie zielt somit nicht auf einen Schnäppchen-Charakter, sondern auf ein faireres Preis-Leistungs-Verhältnis ab», so Meuli.

«Wir erreichen eine langfristige Nachfrage für die Bergbahnen»

Er besteht darauf, dass die Kunden bei Skinow tatsächlich selber bestimmen, wie viel sie für einen Skitag bezahlen möchten. «Jeder Kunde hat grundsätzlich die Möglichkeit, zu seinem Preis auf die Piste zu kommen», sagt Meuli. Denn die Bergbahnen hätten ein grosses Interesse daran, die Preise möglichst nahe an die tatsächliche Zahlungsbereitschaft der Wintersportler anzupassen. Für Meuli ist daher klar: «Wir sind fest davon überzeugt, damit eine langfristige Steigerung der Nachfrage für die Bergbahnen zu erreichen.»

Trotzdem sind nicht alle Skigebiete von Skinow begeistert. Bei den Zermatt Bergbahnen begrüsst man zwar die neue Idee auf dem Markt. Dennoch will man auf Skinow.ch nicht vertreten sein: «Wir setzen bewusst auf Qualität und distanzieren uns von jeglicher Art von Dumping-Angeboten», sagt das Unternehmen zu 20 Minuten. Man sehe die eigene Zukunft in einer fairen und nachhaltigen Preisstrategie.

Jungfraubahnen wollen Direktverkauf

Auch bei den Jungfraubahnen will man sich weiterhin auf den Direktverkauf über die eigene Plattform konzentrieren, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt. Man behalte Skinow aber im Auge und werde sich die Plattform nochmals genauer ansehen, sollte sich das Modell auf dem Markt bewähren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dicker Metzger am 14.11.2017 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skigebiete zu teuer

    Naja eine 4-köpfige Familie kann es sich ja kaum noch leisten ein Wochenende in einem Skigebiet ... Hotel, Skipass, Verpflegung und Miete für Ausstattung und man hat Tausende schnell mal weg ...

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  • Tony am 14.11.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ÖV

    Das wär doch sicher eine gute Idee bei den SBB. Preis selbst bestimmen, dann hätte es bestimmt viel weniger Verkehr auf unseren Strassen.

  • stefan gerber am 14.11.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @mel

    @mel auf skinow kann der Kunde selbst Gebote für Tageskarten abgeben. Dass diese nicht höher als der normale Preis sind versteht sich von selbst. Insgesamt eine gute Sache für den Kunden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Barbara S. am 15.11.2017 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Frage ...

    Welchen Preis benötigt es, wennt man Unterhalt, Betriebskosten, Löhne etc. miteinbezieht? Bei Produkten: Würde man dies zu diesem Preis herstellen? Die Idee ist interessant und kann Ausfälle mindern/mehr Kunden generieren. Doch sollte dabei, wie bereits erwähnt kein "Geiz-ist-Geil", Verlustgeschäft und Wertzerfall stattfinden.

  • Marco Hess am 15.11.2017 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arosa Lenzerheide

    In Arosa Lenzerheide ist es diesen Winter möglich, sein Ski-Ticket "First Minute" zu kaufen. Je früher, desto günstiger. Aktuell hat man glaube ich noch über 20% Reduktion auf die meisten Tickets. Ich finde diese Idee einfacher und trotzdem sehr preisfreundlich. :-)

  • barmettler am 15.11.2017 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    arosa

    bin seit jahren in arosa, würde mir nie in den sinn kommen nach österreich zu fahren aber ich geh auch nicht ins benachbarte ausland zum einkaufen! Ich bin mit dem service zufrieden jetzt im alter brauche ich auch nicht mehr täglich 8h die pisten rauf und runter zu bolzen die vierstundenkarte reicht mir. auch die loipen sind sehr schön oder ich geniesse die tolle natur auf einem der gut präparierten winterwanderwege

  • Wumbi Schild am 15.11.2017 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Idee

    Interessante Idee! Definitiv gutes Angebot um den "Rushhours" zu entkommen.

  • Sankt Anton am 15.11.2017 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    TK-Preise K-Tip

    Aktueller K-Tipp TK Preise CH. Wenn ich sehe, dass eine TK in den Flumserbergen CHF 58 (Mo-Fr) resp. 65 am Wochenende kostet und der ARLEBRG Skipass (Lech / St. Anton/ Albona & Wart-Schröcken geltend ) 53.00 kostet.......dann erübrigt sich für mich, nur einen Gedanken an CH-Gebeite zu verschwenden. Durschnittliches Skigebiet, wenig Attraktiv - Uebersurschnittliche, wenig attraktive Preise !Und von uns im Nordwestlichen Zipfel der Schweiz ist es defacto ne Stunde länger wenn überhaupt in die Wiege des Skifahrens

    • Peter M am 15.11.2017 11:44 Report Diesen Beitrag melden

      Mal anders gesehen

      Theoretisch könnte man als Firmeninhaber auch sagen: wenn ich die schweizer Löhne sehe und die aus Österreich, warum soll ich denn noch hier meine Produktion haben? Einfach mal über den Tellerand denken, warum sie z.B. einen höheren Lohn habe. Des weiteren ist ja die längere Fahrt mit dem Auto ja auch gratis und kostet nichts...

    • Sankt Anton am 15.11.2017 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter M

      Grüezi Peter M. Der Tellerrand ist auch bei mir nicht so hoch das ich nicht drüber schauen kann / könnte. Die Produktionsverlagerung ist doch seit längerem im vollen Gange und dies, Seitens der Firmen, mit inovativen Begründungen wieso - es findet in unserem Land eine abnabelung von der Produktion hin zum Dienstleistungsstandort statt - mit allen, leider auch nicht schönen, konsequenzen. Bzgl. den höheren Kosten für die längere Fahrt muss berücksichtigt werden, dass der Diesel in AT um vielfaches günstiger ist und dies sich somit wieder relativiert.

    • kurt am 15.11.2017 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter M

      ich habe ein firmenauto, der weg ist somit gratis

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