Rechnung übersetzen

05. Februar 2017 20:17; Akt: 05.02.2017 20:17 Print

Patienten sollen Ärzten auf die Finger schauen

von F. Lindegger - Die erste Krankenkasse bietet eine Übersetzungshilfe für Arztrechnungen an. Das Ziel: Kosten senken, weil Patienten zu Unrecht verrechnete Leistungen erkennen können.

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Einige Wochen nach dem Arztbesuch liegt die Rechnung in der Post. Wie genau sich der fällige Betrag zusammensetzt, ist dabei für die meisten unverständlich. Denn aufgeführt sind Dinge wie aktivierte partielle Thromboplastinzeit oder eine Reihe von kryptischen Abkürzungen.

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Atupri hat nun als erste Krankenkasse für ihre Kunden einen Übersetzer lanciert, mit dem Patienten ihre Arztrechnungen in einfacher verständliche Begriffe übersetzen lassen können. So wird aus der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit eine Blutuntersuchung. Das Übersetzungstool steht online im Kundenportal von Atupri zur Verfügung. Per Mausklick kann dort ein Schieber über die Rechnung gezogen werden, vorauf die Übersetzung der verrechneten Leistungen erscheint.

Patientenkontrolle soll Kosten sparen

«Die heutige Tarmedabrechnung ist kaum verständlich», erklärt Atupri-Sprecher Jürg Inäbnit. Dabei seien es die Patienten, die die Rechnungskontrolle machen müssten, da sie am besten wüssten, was der Arzt genau gemacht habe. Der Übersetzer soll einen Anreiz geben, sich genauer mit den Arztrechnungen auseinanderzusetzen. Heute würden sich viele Leute nicht um den Inhalt der Rechnungen kümmern.

Das Übersetzungstool soll dabei nicht nur für mehr Transparenz sorgen, sondern auch Kosten senken. «Wir haben unseren Kunden bisher schon kommuniziert, dass sie Rechnungen anschauen und kontrollieren sollen», sagt Inäbnit. Wenn die Rechnungen nun einfacher nachvollzogen werden können, entdecken die Patienten wohl auch eher Leistungen, die von ihren Ärzten fälschlicherweise verrechnet wurden. «Das Ausdeutschen der Rechnungen kann durchaus zu Kosteneinsparungen führen», so Inäbnit.

Ärzte begrüssen Übersetzungshilfe

Die Ärztevereinigung FMH begrüsst Lesehilfen wie jene der Atupri, erklärt Urs Stoffel, Mitglied des Zentralvorstands. «Es ist wichtig, dass Patienten die Rechnungen verstehen und überprüfen.» Auch dass Patienten dadurch verrechnete Leistungen eher in Frage stellen könnten, sieht er positiv. «Das ist der Sinn der Rechnungsprüfung. Wenn es Unklarheiten gibt, soll man mit dem Arzt Rücksprache nehmen», so Stoffel. Voraussetzung sei aber, dass die Patienten auch tatsächlich eine Rechnung erhalten. Das Gesetz sieht das zwar vor. Ein Teil der Rechnungen geht aber heute direkt an die Krankenkassen, ohne dass die Patienten eine Kopie erhalten.

Den einzigen negativen Aspekt von Lesehilfen sieht Stoffel in der Möglichkeit von unkorrekten Übersetzungen. «Sind Übersetzungen falsch oder irreführend, wäre das kontraproduktiv.» Die Beispiele, die er bisher bei der Atupri-Lösung gesehen habe, seien aber alle korrekt gewesen.

App soll folgen

Übersetzt wurden die Fachbegriffe von Linguisten an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Zurzeit kann die Software laut Angaben von Atupri «mehrere 10'000» Bezeichnungen übersetzen. Unterstützt wurde das Projekt zudem von der Suva. Die Suva wiederum arbeitet seit einiger Zeit an einer App, die ebenfalls Arztrechnungen übersetzen soll. Die App funktioniert dabei so, dass man erst Rechnung fotografiert und sie anschliessend die Übersetzung anzeigt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman Huber am 05.02.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wenn die Ärtztevereinigung den Übersetzer begrüsst, warum kann man dann die Abrechnungen nicht gleich von Anfang an in einem verständlichen Deutsch versenden?!

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  • Paula am 05.02.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    KK interessiert das bis jetzt nicht

    Das nützt nichts. Ich habe schon mehrmals der KK mitgeteilt, dass die Leistungen nicht erbracht wurden, die verrechnet wurden (ich kenne mich aus mit Arzt-Rechnungen) aber die KK sagte mir, sie können nichts machen. Nach dem 3mal habe ich nichts mehr gesagt.

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  • Kun-de am 05.02.2017 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transparenz

    Super - auf das habe ich schon lange gewartet, auch für Zahnärzte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PascalK2015 am 06.02.2017 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch ein Witz

    Gerade eben gelsen mit dem Tourist wo Engelberg für die Kosten von rund 350'000 CHF aufkommen muss. Und uns wird weiss gemacht, man sollte nicht wegen jeder Bagatelle zur Notaufnahme. Erstens, wie lange muss ich einbezahlen bis ich auf diesen Betrag von 350'000CHF kommen muss, und zweitens, muss ich mich als Arzt ausbilden lassen, nur damit ich entscheiden kann wann ich überhaupt das Gesundheitswesen in Anspruch nehmen darf. Das ist doch einfach ein Betrug und ich werde von den Politiker Legal ins Gesicht gelogen. Kein Wunder müssen wir die KK erhöhen, bei 350'000CHF Ausgaben.

  • deru alex am 06.02.2017 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kk schreiben unnötige Behandlungen vor.

    Ich finde es muss unbedingt bei den kk der Hahn abgedreht werden. Ich musste mir das Handgelenk operieren lassen. Mein Arzt sagte es ginge nicht ohne. Er dürfe mich aber noch nicht behandeln weil die kk noch eine ergotherapie vorschreibe. Also bin ich zu ergo und anschließend wurde ich operiert. fazit; die kk hat 1000.- Fr. bezahlt die unnötig waren. Also Augen auf die kk!

  • Olmo am 06.02.2017 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Genau hinschauen

    Mit Ärzten habe ich keine Probleme, aber mit all den Nutzniesseren wie Versicherungen, Verbände, Institutionen, Verwaltungen, Politikern, usw. welche am Arzt-Patienten Verhältnis mitverdienen wollen schon.

  • nicht des Patienten am 06.02.2017 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sache der Krankenkasse

    Vom Prinip her sollte es selbstverständlich sein, dass die Krankenkasse diesen Job übernehmen und sicher nicht der Patient. Wir sollten alleskönnend sein und doch sind wir nicht attraktiv genug für den Arbeitsmarkt. Für das was man an Krankenkassenprämien eh zuviel bezahlt, sollte diese Leistungs -Kontrolle auch sonst drin verankert zu sein. Was will man noch mehr von Patienten. So wie man dies alles anschürt, und dann keiner mehr zum Arzt kann, da es kostet, gibt es mehr Tote, da bin ich mir sicher, und wieder keiner Schuld. Die Krankenkassen sollten endlich von ihrem erhobenen Sockel

    • Susan am 06.02.2017 10:12 Report Diesen Beitrag melden

      Sehr wohl der Patient!

      Wie soll die KK wissen welche Leistungen Sie bezogen haben? Das wissen ja nur SIE! Erkundigen Sie sich bei jedem Arztbesuch genau darüber was gemacht wird. So lange, bis Sie alles verstanden haben!

    • Mäsi am 06.02.2017 12:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Susan

      und wie soll der Patient wissen, was alles nötig ist für seine Behandlung ? Der Artz kann dir alles sagen und du weisst selber nicht, was nötig ist und was nicht....

    • Christine am 06.02.2017 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      @Mäsi

      Es geht nicht um die Notwendigkeit sondern um tatsächlich erbrachte Leistungen. Und die kann nur ich als Patient beurteilen. War ich tatsächlich 1/2 Std beim Arzt? Habe ich Blut abgegeben? Wurden zusätzliche Laboruntersuchungen gemacht usw.

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  • MArtin am 06.02.2017 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Checkt eure Rechnungen

    Mir wollten sie einen 3fachen Satz "Noteinsatz" verrechnen. War ein normalen Arbeitstag zu einer normalen Zeit dort. Hab dann Brief zurück geschrieben das die das korrigieren sollen. Und schon war die Rechnung um 40 Franken Billiger. Man muss heutzutage echt aufpassen.