Einkaufstourismus

29. Juni 2017 05:48; Akt: 30.06.2017 14:49 Print

Schweizer betrügen mit Mehrwertsteuer an Grenze

Mehrwertsteuer für Produkte zurückfordern, die gar nicht gekauft wurden – mit dieser Masche wird an der deutsch-schweizerischen Grenze Geld erschwindelt. Nun drohen Bussen.

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Wer in Deutschland einkauft und seinen Wohnsitz in der Schweiz hat, kann in vielen Fällen die ausländische Mehrwertsteuer zurückfordern. Dazu wird eine Ausfuhrbescheinigung des Geschäfts benötigt, die der deutsche Zoll abstempeln muss. Über spezialisierte Dienste oder beim nächsten Einkauf in Deutschland kann man sich die Mehrwertsteuer danach rückerstatten lassen.

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Schweizer Einkaufstouristen machen von dieser Möglichkeit fleissig Gebrauch. Rund 70 Prozent aller grünen Ausfuhrzettel stempeln die deutschen Zöllner an der Grenze zur Schweiz ab. Offenbar wird die Möglichkeit der Rückerstattung der Mehrwertsteuer aber auch für Betrügereien genutzt. Der «Südkurier» berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, wie ein Schweizer einen deutschen Kunden eines Baumarkts ansprach und nach dessen Kassenbeleg fragte. Der Schweizer erklärte, er werde die Mehrwertsteuerrückerstattung organisieren und versprach dem deutschen Kunden die Hälfte des Gewinns.

Mehrere Tausend Betrüger

Dass deutsche Einkäufer von Personen mit Wohnsitz in der Schweiz auf ihre Kassenzettel angesprochen werden, sei bekannt, teilt das Hauptzollamt Singen 20 Minuten mit. Das Ausmass der Betrügereien mit der Rückerstattung der Mehrwertsteuer hingegen nicht. Die deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft geht von mehreren Tausend Betrügern pro Jahr aus.

Allerdings sind es nicht nur Schweizer, die mit Mehrwertsteuertricksereien an der Grenze Geld verdienen. Laut einem Bericht des deutschen Bundesrechnungshofs tricksen auch Personen mit Wohnsitz in Deutschland. So funktionierts: Sie bitten befreundete Schweizer, für sie einzukaufen. Die lassen sich Ausfuhrbescheinigungen ausstellen. Die Ware verlässt Deutschland nicht, sondern bleibt im Land. Die Schweizer lassen sich beim nächsten Einkauf die Mehrwertsteuer zurückerstatten.

Geringes Risiko

Das Risiko der Trickser, am Zoll erwischt zu werden, ist gering. Nur in seltenen Fällen gleichen die Zöllner die Angaben der grünen Zettel mit den tatsächlich eingekauften Produkten ab. Laut der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft sind die Zöllner aufgrund des Ansturms der Schweizer Einkaufstouristen derart überlastet, dass dazu kaum noch Zeit bleibt.

Die Kontrollquote beträgt gemäss dem Bericht zwischen 1 und 5 Prozent. Zwischen 2006 und 2016 stieg die Zahl der Ausfuhrbescheinigungen an der Schweizer Grenze von 6 auf 17 Millionen. Beim Zollamt Konstanz-Autobahn werden in Spitzenzeiten 1000 Ausfuhrbestätigungen pro Stunde gestempelt, in Weil am Rhein bis zu 800. «Damit diese Mengen bewältigt werden können, werden die Bescheinigungen im Sekundentakt gestempelt», heisst es im Bericht der deutschen Behörde.

Jetzt gibts Bussen

Doch selbst wer erwischt wird, hatte bisher kaum etwas zu befürchten, denn es gab seit 2012 keine rechtliche Grundlage, um die Nicht-Ausfuhr einer Ware zu bestrafen. Seit Mitte Juni ist das nun anders: Wer am Zoll mit Ausfuhrbescheinigung, aber ohne Ware auftaucht, muss zwischen 20 und 55 Euro Busse bezahlen.

(lin/ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gitzi am 29.06.2017 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll???

    Ich wäre nie darauf gekommen, so etwas zu tun und werde es auch nie machen. Aber ihr liefert ja geradezu die Idee, dass solche Betrügereien bekannt werden und es Nachahmer gibt, die das jetzt auch versuchen.

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  • Mansaylon am 29.06.2017 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    Der Fünfer und s'Weggli. Das ist so typisch für gewisse Leute. Nicht damit zufrieden sein, dass der Einkauf schon viel günstiger ist. Beschämend kann man da nur sagen.

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  • Schnupfnudel am 29.06.2017 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was

    sind das nur für Leute? Ist einfach nur beschämend. Da sollte es genügend Busse dafür geben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fenasi Kerim am 01.07.2017 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Danke 20 Minuten

    Danke für diese tolle Idee und für die Anleitung inklusive Risikoabschätzung. Ab jetzt werde ich das auch immer machen

  • Der Unwissende am 01.07.2017 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiche Massstäbe anwenden

    Wie ist es mit den Migros-Drucksachen? Wie sie selber verlangen, muss Migros auch MWSt abliefern? Vermutlich kommt auch bei Migros nicht alles ganz legal in die CH.

  • JunK. am 01.07.2017 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    GREEDY People

    Also ganz ehlirch, dass Leute sowas tun, lese ich hier zum ersten mal. Ich kaufe auch manchmal in DE ein, aber selber hätte ich mir so was nicht mal im Traum träumen lassen. Übrigens lohnt es sich sehr wenn man die MWST zurück bekommt, wenn man im Wert von 100-300 Euro einkauft. Aber so beteügen geht echt zu weit meiner Meinung nach.

  • von_wrgen am 01.07.2017 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    übertrieben

    So einen Aufwand zu betreiben um nur ein paar Euros zurück zu erstatten. Ich glaube nicht, dass so viele solche Tricks organisieren.

  • Der Abgezockte am 01.07.2017 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Abgezockte!!

    Wie kommt man auf solche idee? Zu aufwendig, bei den Deutschen betteln um ihren Einkaufsquittungen... oder für die Deutschen Kollegen einkaufen gehen... um einige Euro mehr verdienen. Ich glaube eher man sucht Gründen um bestimmte Regeln die Politiker/Staat einführen wollen rechtfertigen!!! Wenn Politiker uns die Freiheit reduzieren wollen um die grossen Konzern wieder Umsatz machen können dann kommt von uns eine Petition!! Das Steuerfreielimit von 300Fr. Wandeln wir auf 1000Fr.!!!