Tabak-Exporte

10. Februar 2017 13:36; Akt: 10.02.2017 16:02 Print

Araber stehen auf Schweizer Zigaretten

Während in Europa die Raucherzahlen sinken, nehmen sie in Schwellenländern zu. In der Schweiz produzierte Zigaretten verkaufen sich vor allem im arabischen Raum gut.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Rauchen an öffentlichen Plätzen und in Restaurants ist verboten und die Raucherzahlen nehmen ab: Europa ist als Markt für die Tabakindustrie längst nicht mehr so attraktiv wie auch schon. Anders sieht es in gewissen Schwellenländern aus. Hier sind die Gesetze im Vergleich noch relativ lasch und die Tabaksteuern tief.

Umfrage
Rauchen Sie?
31 %
18 %
29 %
22 %
Insgesamt 2888 Teilnehmer

Davon profitiert auch die Schweiz. Grund: Viele internationale Tabakkonzerne produzieren ihre Zigaretten hierzulande. Wie die «Berner Zeitung» berichtet, importieren vor allem muslimische Länder aus dem Nahen Osten und Nordafrika in der Schweiz produzierte Glimmstängel. In diese Märkte habe die hiesige Zigarettenindustrie zuletzt Tabakprodukte im Wert von 220 Millionen Franken exportiert, was etwa der Hälfte aller Zigaretten-Ausfuhren entspreche.

Ausfuhren haben sich verdoppelt

In den vergangenen 30 Jahren habe sich der Wert der ausgeführten Schweizer Zigaretten sogar verdoppelt, rechnet die Zeitung weiter vor. Den Höhepunkt hätten die Exporte im Jahr 2009 mit einem Wert von 680 Millionen Franken erreicht.

Hergestellt werden die Zigaretten in der Schweiz nicht von Schweizer Firmen. Der hiesige Tabakmarkt ist fest in der Hand der drei Grosskonzerne Philip Morris (Fabrik im Kanton Neuenburg), British American Tobacco (Fabrik im Jura) sowie Japan Tobacco International (Fabrik im Kanton Luzern). Sie produzieren insgesamt 28 Milliarden Zigaretten in der Schweiz, wobei teilweise auch in der Schweiz angebauter Tabak verwendet wird.

Der Vorteil beim Export in arabische Länder besteht darin, dass der Koran das Rauchen – im Gegensatz zum Alkohol – nicht explizit verbietet. Besonders positiv hätten sich beispielsweise die Exporte ins kleine Königreich Bahrain entwickelt. So habe der Wert der Exporte von Schweizer Zigaretten in das Land seit 1988 um das 54-Fache auf 51 Millionen Franken zugenommen.

Zigaretten sind günstig

Die Attraktivität des ungesunden Lasters wird in den arabischen Ländern durch meist tiefe Preise weiter gefördert. So kostet ein Zigaretten-Päckli in Bahrain umgerechnet etwa 3.70 Franken. Das mache das Produkt für jede Einkommensgruppe erschwinglich. Im Gegensatz dazu müssen Schweizer Raucher mehr als doppelt so tief in die Tasche greifen, wenn sie sich einen Glimmstängel genehmigen möchten.

Die Exporte der Tabakindustrie in die arabischen Länder bleiben allerdings nicht ohne Kritik. Gesundheitsorganisationen bemängeln, die Firmen würden in den besagten Ländern Jugendliche mit Werbung direkt ansprechen. Noch sterben in Bahrain im Vergleich zur Schweiz eher wenige Personen an den Folgen des Tabakkonsums, doch mit den steigenden Exporten dürften auch dort die Todesfälle steigen.

Starke Zigaretten für den Export

Ausserdem verkaufen die Konzerne im Nahen Osten Zigaretten mit hohem Gehalt an Teer und Nikotin, die weder in der Schweiz noch in der Europäischen Union erlaubt sind. Die EU verbietet sogar die Produktion dieser Zigaretten, weshalb die Schweiz als Produktionsstandort hier einen besonderen Vorteil bietet.

Der Verein Swiss Cigarette, der die Interessen der drei grossen Hersteller in der Schweiz vertritt, wollte gegenüber den «Freiburger Nachrichten» keine Stellung zum Thema beziehen. British American Tobacco in London habe auf Anfrage erklärt: «Wir haben immer klargemacht, dass wir die Regulierung unterstützen, die auf Beweisen und Forschung basiert, gesetzlich verbürgte Rechte und Lebensgrundlagen respektiert und gleichzeitig ihre politischen Ziele erreicht und mögliche unbeabsichtigte Konsequenzen anerkennt.»

(kwo)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 10.02.2017 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auswanderer

    Zum Glück gibt es noch genügend Länder mit Menschen, die sich nicht bevormunden lassen.

    einklappen einklappen
  • Stardusk am 10.02.2017 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich Nichtraucher!

    Gott sei Dank bin ich von dem Zeugs los gekommen! Einmal das Buch von Allen Carr; 'Endlich Nichtraucher' gelesen. Kann es nur empfehlen. Allen alles Gute da draussen!!

    einklappen einklappen
  • B-52 am 10.02.2017 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    aufgehört

    hab zwar vor vier Monaten aufgehört, jedoch plötzlich eine unheimliche Lust eine zu rauchen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Miggeli am 10.02.2017 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zign als zahlungsmittel

    Zigaretten sind in Kriegszeiten die beste Zahlungsart/Tauschhandel

  • Herr Max Bünzli am 10.02.2017 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    die Araber können selber Schnee herstellen, gigantische Städte bauen, aber keine eigenen feinen Zigaretten produzieren

  • Krischtall am 10.02.2017 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und die dicken ?!

    Es wird immer über die Raucher diskutiert aber bei den übergewichtigen sagt niemand was. Diese verursachen viel höhere Krankenkassen kosten als Raucher.

  • Dobler Lukas am 10.02.2017 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Tropische CH/Italienische Fabel

    Schweizer Zigaretten, Schweizer Schokoladen, Italienische Kaffee...bitte, bitte, wo sind die Pflanzen, in welchen Kantonen?

  • Laura am 10.02.2017 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Für die Wirtschaft und die Tabakindustrie... nicht zuletzt für den Staat... mag das eine gute Entwicklung sein. Moralisch anderen Menschen gegenüber aber...! :/