Moneten und Mythen

29. Mai 2017 08:17; Akt: 29.05.2017 08:58 Print

Geld – sechs Missverständnisse

von Isabel Strassheim - Die neue 20er-Note ist da und flutet die Schweiz. Zeit, um den grössten monetären Mythen nachzugehen – und zu fragen: Was ist Geld überhaupt?

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Geld mit Ohrenmarke fürs Wallis: Eine Frau mit 100 Franken und 100 Farinet, der im Mai 2017 lancierten neuen Walliser Lokalwährung. Der Farinet kann nur in der Region eingesetzt werden und soll so die dortige Wirtschaft ankurbeln. Schweizer Franken kommen meistens aus dem Bancomaten – aber was ist Geld überhaupt? Wieso ist es entstanden? Und ist Geld auch ohne Zins vorstellbar? Der Hype um die neue 20er-Note war zwar gross, aber das wenigste Geld holen wir bar von der Bank. Denn rund 90 Prozent des Geldes existieren nur virtuell auf unseren Bankkonten. Der Historiker Niall Ferguson mit der Herrin des Geldes Christine Lagarde, Chefin des Interntationalen Währungsfonds im April 2017 in New York. Ferguson führte in seinem Buch «Der Aufstieg des Geldes» Erfolge wie auch Zusammenbrüche von Staaten auf die Entwicklung des Bank- und Kreditwesens zurück. Er sagte 2008 eine neue Finanzkrise und Rezession voraus und soll mit einem Hedge-Fonds-Manager in Las Vegas darauf eine 14'000 Dollar-7:1-Wette eingegangen sein. Demnach gewann er 98'000 Dollar. Der Mythos vom Warentausch ohne Geld: Ich gebe dir mein Gemüse, du gibst mir deine Schuhe. Weil es aber schwierig ist, immer den richtigen Tauschpartner zu finden ... ... wurde das Geld erfunden. Damit entfiel die Suche nach den richtigem Tauschpartner, der genau das hat, was von mir gebraucht wird und genau das will, was ich anbieten kann. So weit der Mythos.... Den Urtausch zwischen zwei Partnern gab es nie, sagt der Anthropologe David Graeber. Egal ob mit oder ohne Geld, die Menschen tauschten immer ihre Waren in einem offen Kreislauf untereinander. Es galt das Vertrauen, dass man ein benötigtes Gut von jemanden bekam, wenn man es brauchte (und auch selbst seine Ware jemanden gab). Geld drückt genau dieses Vertrauen aus, so Graeber. Er ist demnach nichts als das Versprechen, in Zukunft eine benötigte Ware zu erhalten. Vertrauen in die neue Note: Der Vizepräsident von der Schweizerischen Nationalbank, Fritz Zurbrügg, Mitte Mai bei der Präsentation des neuen 20-Franken-Scheins in Bern. Am Mittwoch, dem 17. Mai war es so weit. Die neue 20-Franken-Note kommt in den Umlauf. So sieht die neue 20er-Note aus. Notenfächer 20er-Note, Vorderseite. Notenfächer 20er-Note, Rückseite. Drei Notenbündel der 20er-Note. Die Pressekonferenz ist beendet. Zurbrügg und Wiedmer beantworten die Fragen der Medien. Fritz Zurbrügg stellt die neue 20er-Note vor. Hier sieht man Details der neuen 20-Franken-Note. An der Pressekonferenz herrscht grosser Medienandrang. Thomas Wiedmer und Fritz Zurbrügg bei der Pressekonferenz in Bern. Präsentation der neuen 20-Franken-Note. Fritz Zurbrügg, Vizepräsident des Direktoriums, bei der Pressekonferenz. Das ist die neue 20-Franken-Note Pressekonferenz der SNB in Bern zur neuen 20-Franken-Note. Vorhang auf für die neue 20er-Note: Fritz Zurbruegg, Vizepräsident des Direktoriums der SNB, präsentiert die neue Schweizer 20-Franken-Note an der Medienkonferenz in Bern. (10. Mai 2017) Wer grad keins im Portemonnaie hat: So sieht das bald «alte» 20er-Nötli noch aus, neben der 50-Note aus der neuen Serie. (Symbolbild) Wie wird die neue 20er-Note aussehen? Das ist der erste Entwurf der neuen Banknoten der Schweiz. Auf der Vorderseite... ...und auf der Rückseite. Diese Entwürfe werden noch überarbeitet. So sahen die 50er-Noten dann schlussendlich aus. (12. April 2016). Die 50-Franken-Note der neuen Serie wurde am 6. April 2016 präsentiert. Die Entwürfe für die neue Banknotenserie wurden im November 2005 der Öffentlichkeit vorgestellt: Auf die Ausgabe der Scheine wartete die Schweiz bis 2016. Diese Vorschläge reichte die Schweizer Designerin Manuela Pfrunder ein. Sie gewann damit den zweiten Rang, erhielt aber dennoch den Auftrag zur Feinausarbeitung der Notenserie. Das Thema, welches die Nationalbank vorgegeben hatte, lautete: Weltoffene Schweiz. So hat dies Pfrunder umgesetzt. Sie überarbeitete ihre Vorschläge für die endgültige neue Banknotenserie in den letzten Jahren. Bereits 2005 wurde der Sieger des Design-Wettbewerbs erkoren: Präsentation der Schweizerischen Nationalbank für die neue Banknotenserie. Der Zürcher Manuel Krebs gewann den Wettbewerb, nicht aber den Auftrag. Zusammen auf dem zweiten Rang mit Pfrunder landete Martin Woodtli aus Zürich. Davide Ackermann aus Lugano sandte diese Entwürfe ein und landete auf dem vierten Rang. Der Pariser Grafiker André Baldinger erreichte den fünften Rang mit seinem Retro-Design.

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1. Missverständnis: Geld ist Bargeld
Der bargeldlose Geldverkehr ist heute der Normalfall. Nur 10 Prozent der umlaufenden Geldmenge sind Münzen oder Noten der Schweizerischen Nationalbank, daran ändert auch der Hype um die neuen Frankenscheine nichts. Löhne, Kredite oder andere Zahlungen werden bargeldlos über das Bankkonto abgewickelt. Deshalb existieren 90 Prozent der Geldmenge nur auf Bankkonten, das heisst als Computerzahl. Die Hoheit über dieses Giralgeld haben Geschäftsbanken wie Raiffeisen, UBS oder Credit Suisse.

2. Missverständnis: Zinsen zahlen wir nur, wenn wir Kredite aufnehmen
Tatsächlich zahlen wir fast immer Zinsen: Nicht nur für Kredite oder Hypotheken, die wir selbst aufnehmen, sondern auch, wenn wir im Supermarkt einkaufen, zum Coiffeur gehen oder unsere Miete bezahlen. Dann zahlen wir den Zins für die Kredite der Geschäfte oder für den Wohnungsbau mit. Zinsen sind in jedem Produkt im Preis mit eingerechnet. Denn Firmen und Dienstleister müssen die Zinskosten erwirtschaften.

3. Missverständnis: Die Geldentstehung
Die Lehrbücher beginnen die Geschichte des Geldes mit dem Tauschhandel: Gibst du mir Fisch, dann gebe ich dir Weizen. Weil es aber schwierig ist, immer die richtigen Tauschpartner zu finden, wird das Geld erfunden. Das ist alles andere als wahr und nur eine Fantasie der Wirtschaftswissenschaften, schreibt David Graeber in seinem Beststeller «Schulden – Die ersten 5000 Jahre». Den direkten Tausch habe es so niemals gegeben, betont der Anthropologe. Statt dessen habe der Fischer einen Schuldschein vom Bauern bekommen, mit dem er Weizen auch später beziehen konnte, wenn er ihn brauchte. Oder er konnte den Schuldschein zum Kauf anderer Waren weitergeben, wenn er keinen Weizen wollte. Der Tausch war immer schon offen und auf einen grösseren Kreis ausgedehnt. Er basierte auf gegenseitigem Vertrauen auf Einlösung in der Zukunft. «Dieses Vertrauen und alle anderen menschlichen Beziehungen untereinander wurden in den ökonomischen Modellen ausgeblendet, damit sie besser in die mathematischen Formeln passten.» Vor dem Geld stand der Kredit. Diese Theorie gibt es schon seit 1900, sie wurde aber erst 2011 wieder prominent von Graeber ins Spiel gebracht und ethnologisch unterfüttert.

4. Missverständnis: Ein Land – eine Währung
Bis zur Schweizer Verfassungsänderung 1891 war dem Bund die Einführung des Banknotenmonopols verboten. Es gab fast 40 verschiedene Banken in der Schweiz, die eigenes Geld herausgaben mit eigenen Zinssätzen. Das heisst: Geld stand wie andere Waren auch national unter Konkurrenzdruck. Erst eine Abstimmung änderte dies und schuf ein Monopol, das dann der Schweizerischen Nationalbank zugesprochen wurde. Dennoch zirkulierten bis 1927 in der Schweiz weiterhin Gold- und Silbermünzen aus Frankreich, Belgien, Italien und Griechenland als offizielles Zahlungsmittel.

5. Missverständnis: Geld hat keine Ohrenmarke
Geld muss nicht unbedingt ein universelles Zahlungsmittel sein, mit dem ich alles kaufen kann. Es gibt Geldarten, die dies gerade nicht sein wollen, sondern nur für bestimmte Zwecke eingesetzt werden sollen. Dieses Geld hat quasi eine Ohrmarke, denn bei ihm geht es nicht nur um Quantität, sondern um Qualität. Alternativwährungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie an eine bestimmte Region und/oder eine bestimmte Idee geknüpft sind: Mit dem NetzBon in Basel kann nur in regionalen und sozialen Betrieben eingekauft werden. Und über die WIR-Bank können sich nur kleinere und mittlere Unternehmen gegenseitig Leistungen verrechnen. Alternativgeld soll spezielle Wirtschaftskreisläufe schaffen. Der Franken dagegen sagt nichts aus über die Art, mit der er erwirtschaftet wurde – und für die er eingesetzt werden soll.

6. Missverständnis: Geld ist nichts als Geld
Geld ist nicht nur ein Mittel zum Kauf von Waren. Das Geldsystem prägt vielmehr die Gesellschaft wie eine Verfassung. Dabei geht es nicht um Armut und Reichtum. Sondern um Fragen wie: Wer hat die Hoheit über die Geldausgabe, wer vergibt Kredite, welche Rollen spielen Banken und gibt es überhaupt ein Zinssystem oder wird darauf verzichtet? Diese Veränderungen im Geldsystem haben die Gesellschaft entscheidend beeinflusst, so wie die Erfindung der Dampfmaschine oder des Computers. «Die Entwicklung von Banken und dem Kreditwesen ist für die Entwicklung der Zivilisation ebenso wichtig gewesen wie die technischen Erfindungen», schreibt Harvard-Historiker Niall Ferguson in seinem Buch «Der Aufstieg des Geldes».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • xyxyxy am 29.05.2017 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Geldschöpfung

    Leider werden alte Bildstrecken aufgewärmt statt echte Recherche betrieben. Ausserdem wird leider aussen vor gelassen, dass ständig neues Geld geschöpft wird bzw. Geld verliehen wird, das nicht existiert, was im Endeffekt ebenfalls zu einem Zusammenbruch des Systems führen wird. Stattdessen wird irgendwas auf Kindergartenniveau zusammengeschrieben

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  • Sagsdirekt am 29.05.2017 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Viel gelernt aber Geld habe ich trotzdem keines

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  • m4rc am 29.05.2017 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No. 7

    Bargeld gehört dir nicht, sondern ist nur geliehen. die Zerstörung von Bargeld ist eine Straftat.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Satoshi Nakamoto ;-) am 30.05.2017 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kryptowährung

    Kryptowährung ala Bitcoin und Co ist die Zukunft Leute!! Ist doch das gleiche wie 90% des Giralgeldes. (alles bits und bytes der Banken) bei Kryptowährungen kann man jedoch nicht beliebig viel "Coins" produzieren. #2008

    • Supermario am 30.05.2017 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      Kurz und bündig

      Und welchen geschützten Regeln sind denn diese "viel gelobten" Kryptowährungen unterstellt. Versuch mal bei einem Betrugsfall diesbezügliche Forderungen durchzusetzen. Viel Spass!

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  • Xavi am 30.05.2017 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    träumen und nicht verstehen

    7. Wie funktioniert Geld? Wohlstand kann sich fast jeder erarbeiten und zahlt auf das Einkommen enorm viel Steuern. Reichtum lässt man sich erarbeiten und bezahlt dafür wenig Steuern. Darum sind 70% der Schweizer gegen die Erbschaftssteuer, denn Sie träumen davon, auch eines Tages zu uns, den oberen 2%, zu gehören, welche durch Reichtum immer reicher werden.

  • Seppetoni am 30.05.2017 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    Geld ist Lebenszeit

    Geld ist für die, die es nicht haben, ihre Lebenszeit.

  • Rodriguez am 29.05.2017 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Geld arbeitet nicht!

    Ich hab schon mal versucht, einem Hunderternötchen ne Schaufel anzudrücken, aber dieses wollte einfach nicht arbeiten. Geld kann also nicht arbeiten! Dabei ist der Zins nicht Bestandteil der Geldmenge, also eine Forderung der Bank, die NIE da war. 1 von 10 MUSS Pleite gehen, damit die anderen 9 nur rein ihre Zinsen bezahlen können. usw. Warum überall das Geld fehlt siehe "Goldschmied Fabian." Viel Spass :-)

    • Supermario am 30.05.2017 16:35 Report Diesen Beitrag melden

      Notengeld vs Buchgeld

      Hast es voll auf den Punkt getroffen; währenddem es mit Bargeld relativ schwierig ist, zu "arbeiten" geht das mit Buchgeld wesentlich einfacher. Die auf Konti liegenden Einlagen können gesammelt für mehr oder minder sinnvolle Investitionskredite zusammengefasst werden; durch die gütige Mithilfe von Geschäftsbanken :-)

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  • Alexander der Banker am 29.05.2017 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist Geld

    Ein Stück Papier... denen Menschen einen Wert geben, würde lieber noch mit Gold münzen bezahlen die haben einen echten wert weil es ein edel Metal ist und kein Stück Papier das bedruckt ist!

    • Rikko am 29.05.2017 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alexander der Banker

      Gold ist auch nur soviel Wert wie irgendjemand bereit ist dafür zu zahlen. Im Prinzip ist es einfach ein Metall aus dem Boden wie so viele anderen. Da es rel. selten ist und schön glänzt und man es auch in der Industrie brauchen kann, gibt es einfach Leute die was dafür hergeben. Wenn aber morgen einer eine mega Goldader findet oder die Leute plötzlich gold doff finden, hat es schnell mal nur noch halb so viel Wert.

    • Luschtige Lätsch am 29.05.2017 23:07 Report Diesen Beitrag melden

      @Rikko - SO EIN WITZ

      Ach sooo, jetzt verstehe ich auch warum niemand eine Papier-Geld-Ader findet, denn wenn dem so wäre hätte ja das Papier-Geld keinen Wert mehr...!?! Wenn es nicht so traurig wäre was Sie von sich geben dann hätte ich jetzt so laut gelacht wie schon lange nicht mehr..

    • Kain Spam am 29.05.2017 23:47 Report Diesen Beitrag melden

      @luschtige

      Es braucht keine Banknötliader, auch keine Druckerpresse. Geht heute alles elektronisch. Wenn die Zentralbank will hat morgen jeder eine Billion auf dem Konto. Ist dann leider nix mehr wert

    • Peter am 30.05.2017 11:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Kain Spam

      Was viel schlimmer ist: Wenn die Zentralbank will hat morgen jeder, im Falle einer erneuten Bankenkrise, nur noch die Hälfte auf seinem Konto. Dieser Diebstahl nennt sich dann "Bail-In" und wurde bereits einmal in Zypern erprobt.

    • Kain Spam am 30.05.2017 12:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Warum glaubst du investieren die Reichen schon immer in Sachwerte, der Mittelstand aber in Nominalwerte? Wen würde dieser Bail-In also treffen? Die Armen, so ganz nebenbei, "investieren" ihr Geld in Konsumgüter die schnell an Wert verlieren.

    • pädu am 30.05.2017 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rikko

      Aber niemals 0 wert. Papiergeld jedoch schon.

    • pädu am 30.05.2017 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Gratuliere. Sie sind einer von wenigen, die Ahnung haben. Leider sind wir immer noch zu wenige.

    • Supermario am 30.05.2017 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      Kurz und bündig

      Versuch mal das "Edelmetall" zu essen!

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