Magenbypass

25. Januar 2017 05:48; Akt: 25.01.2017 07:37 Print

Teure Übergewichts-OP – Betroffene erzählen

von F. Lindegger - BMI über 35 und erfolglose Abnehmversuche – die Kriterien, damit eine Krankenkasse bis zu 30'000 Franken für die OP übernimmt, sollen angepasst werden.

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Welche Leistungen sollen die Krankenkassen übernehmen? In Zeiten von laufend steigenden Prämien ist diese Frage besonders umstritten. Und sie stellt sich auch bei den jüngsten Vorschlägen des Swiss Medical Board (SMB). Das SMB befasst sich mit dem Kosten-Wirksamkeit-Verhältnis von medizinischen Eingriffen. Die Experten regen an, dass Übergewichts-Operationen künftig früher als heute getätigt werden, wie der «Tages-Anzeiger» unlängst berichtete.

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Gemäss den aktuellen Vorgaben übernimmt die Kasse die Kosten für einen Magenbypass oder einen ähnlichen Eingriff, falls der Patient einen BMI von mehr als 35 hat und eine zweijährige Therapie zur Gewichtsreduktion erfolglos war.

OP kostet bis zu 30'000 Franken

Für den Krankenkassen-Verband Santésuisse ist klar: «Die neuen Empfehlungen des SMB dürfen nicht zu einem Kostensprung in der Behandlung von Übergewicht führen.» In Fällen, wo Begleiterkrankungen wie Diabetes vorlägen, könne eine frühere Übergewicht-OP in Betracht gezogen werden. Allerdings müssten die Patienten in ein Register aufgenommen werden, um eine langfristige Beobachtung der Gesundheitsfolgen zu gewährleisten, so der Krankenkassen-Verband. Laut Santésuisse kostet eine Übergewicht-OP – je nach Methode – zwischen 17'000 und 30'000 Franken.

Den Eingriff bereits hinter sich hat die 29-Jährige Desi*. Sie unterzog sich vor rund zweieinhalb Jahren einer Magenbypass-Operation. Die Krankenkasse übernahm die Kosten. Innerhalb von eineinhalb Jahren hat sie Ihr Gewicht um 70 Kilogramm gesenkt – und es seither gehalten. Sie findet, dass die heutigen Regeln nur in Ausnahmefällen gelockert werden sollten. Ein Eingriff sollte nur im Fall von extremem Übergewicht gemacht werden.

Nur noch kleine Portionen

Die OP sei bei ihr der einzige Ausweg gewesen, «es ging nicht mehr anders». Sie fühle sich heute körperlich deutlich besser und sei aktiver und sportlicher. Doch das müsse man auch sein, um nach dem Eingriff das Gewicht halten zu können. «Nach der OP ist man nicht einfach schlank und gesund.» Die OP sei wie eine Gehhilfe, laufen müsse man aber selber.

Bei einem Magenbypass wird der Magen verkleinert, zudem wird der Dünndarm umgeleitet. So können nur noch kleine Portionen gegessen werden, bevor sich das Sättigungsgefühl einstellt. «Die Portionen sind sehr klein, dafür esse ich fünf- bis sechsmal pro Tag», erklärt Desi. Eine weitere Folge: «Wenn man sich überisst, kommt es postwendend zurück.» Der verkleinerte Magen hat aber auch zur Folge, dass gewisse Stoffe oft nicht ausreichend aufgenommen werden können. So muss die 29-Jährige täglich zwei Tabletten einnehmen, um die Zufuhr an Kalzium, Vitaminen oder Spurenelementen sicherzustellen, was aber kein Problem für sie sei. Zweifel an ihrem Entscheid hatte sie nie. «Es ging anders wirklich nicht mehr.»

«Selbstvertrauen ist zurück»

Die 21-Jährige Selina* wog vor einem Jahr noch 126 Kilogramm, hatte Knie- und Rückenschmerzen und eine verfettete Leber. Anfang Februar 2016 unterzog sie sich einer Magenbypass-OP. Ihre körperlichen Probleme sind inzwischen verschwunden, wie sie sagt. «Das einzige, was ich jetzt habe, ist überschüssige Haut und einen Zinkmangel, der zu Haarausfall führte.» Den Mangel kompensiere sie mit Zinktabletten. Auch müsse sie etwa darauf achten, dass sie genügend Eiweiss zu sich nehme.

Insgesamt 70 Kilogramm hat Selina seit ihrer OP vor rund einem Jahr abgenommen. Zu Beginn habe sie an ihrem Entscheid gezweifelt, da sie viele Nahrungsmittel nicht mehr vertragen habe. Inzwischen ist sie mit ihrer Entscheidung glücklich: «Alle Strapazen haben sich gelohnt. Ich bekam wieder Lebensfreude und erhielt mein Selbstvertrauen zurück.»

* Namen der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Moser am 25.01.2017 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber ...

    Habe einen Bekannten, vor der OP 135 kg. Nach der OP innert 4 Monaten auf 90kg runter. 2 Jahre später ist er wieder auf 150kg. Sport gleich null. Für mich kein Wunder, dass er wieder zu genommen hat! OP hat 35'000 gekostet! Bin der Meinung, dass er selber schuld ist. Ohne Bewegung kann man keine Wunder erwarten. Er jedoch sieht sich nicht in der Schuld und will auch nichts an seinem Lebensstil ändern. Dank der OP muss auch er bis zu seinem Lenensende tagtäglich Tabletten zu sich nehmen. Auch das zahlt die KK. In solchen Fällen müssten die Betroffenen die OP-Kosten vollumfänglich zurück erstatten!

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  • Mo am 25.01.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber verantwortlich

    Ich finde es schrecklich, dass es überhaupt zu einer solchen Operation kommen muss!! Hatte selber Übergewicht und habe dann die Notbremse gezogen!! Jeder gesunde Mensch, der durch zu viel Essen dick wird, sollte eine solche Operation selber bezahlen müssen! Bei Krankheit nicht!

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  • Frau am 25.01.2017 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sport

    Ich bereue diese Op. Zuerst 40 kg abgenommen und dann wieder zu genommen. Nach 2 Jahren begann die Gewicht Zunahme trotz wenigem essen und vieles kann man nicht mehr essen. Abnehmen beginnt im Kopf und funktioniert nur mit Sport! !!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Georgios am 25.01.2017 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    Wer einen Magenbybass hat muss auf vieles verziehten,schon ein Erdbeertörtchen,kann Herzrassen geben,und landet auf dem Notfall

  • Irina am 25.01.2017 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Danke moderne Medizin!

    Ich habe sechs Kunden die diesen MBP haben,alle sehen heute super aus und haben neue Lebensfreude und Qualität bekommen. Regt euch nicht so auf es nützt eh nichts wir werden noch mehr bezahlen müssen,heute ist es der Magenbypass in einem halben Jahr etwas anderes. Freut Euch für die die schlank werden und bleiben!

  • P.Schneider am 25.01.2017 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Magenbypass

    Ich selber wurde 2015 operiert. Ich hatte vor ungefähr 4 Jahren ein höstgewicht von 180 kg , habe viele Diäten ausprobiert aber nie hat was geholfen.warum ich so dick geworden bin fragt ihr jetzt bestimmt. Meine Mutti verstarb sehr früh ( ich war gerade 6 Jahre alt ) Und uns wurde zu nie was nein gesagt wenn es um essen ging. Ja so sammeln sich die Kilos an. Ich wollte unbedingt das mir jemand hilft und die Hilfe habe ich auch bekommen . Aber man muss sich auch bemühen also gesund ernähren und Sport treiben . Ich bin froh das ich es gemacht habe .

  • Scarlett62 am 25.01.2017 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verurteilen

    Ich musste über einige Kommentare hier lachen und über einige den Kopf schütteln. So eine OP macht man nicht einfach so aus Spass an der Freud. Ich habe auch einen MBP und würde es immer wieder machen. Es ist das Beste was mir passieren konnte. Ich habe nicht nur 2 Jahre mit anderen Methoden gekämpft, sondern 10 Jahre, bis ich mich dazu entschlossen habe. Und die Vorabklärungen waren alles andere als toll. Ich ziehe vor jedem den Hut, der es aus eigener Kraft geschafft hat, aber es gibt nun mal Faktoren, wo es nicht klappt. Ich finde, es sollte hier niemand mitreden, der nicht selber betroffen ist und die Menschen verurteilen, die eine solche OP gemacht haben, oder machen. Hinter jedem Entscheid für eine solche OP stehen verschiedene Gründe.

    • Irina am 25.01.2017 15:37 Report Diesen Beitrag melden

      Verurteilen mit Eifersucht gemischt

      Ist genau so, Bravo gut geschrieben!

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  • Beat am 25.01.2017 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komplikationen

    Ich hatte die Operation im 2011 und wog 140 Kilo. Leider hatte ich nacher nur Probleme, ich konnte mich drei Jahre nur noch per Shakes und Flüssigkeit ernähren weill der Durchgang nur 2mm wahr. Die Ärtzte fande lange keinen Grund. Das wahr die schlimmste Zeit meines Lebens. Wog am Schluss noch 49Kilo. Heute ist zum Glück alles wieder in Ordnung. Wünsche allen nur das Beste