Angst vor Finanzkrise

04. Dezember 2017 20:48; Akt: 04.12.2017 20:48 Print

«Bitcoins könnten Real-Wirtschaft destabilisieren»

Bitcoins könnten laut einem Experten eine Finanzkrise wie die von 2008 verursachen. Die Stabilität des Gesamtmarkts sei in Gefahr.

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Bitcoins könnten eine Krise wie 2008 verursachen, befürchtet Thomas Peterffy von der Maklerfirma Interactive Brokers. Peterffy sieht wegen Bitcoins die Stabilität des Gesamtmarkts in Gefahr. Was haben unsere Leser mit Bitcoins schon alles erlebt? Noemi D. hatte ein mulmiges Gefühl, als sie 2014 für knapp 525 Franken einen Bitcoin kaufte. Experte Daniel Diemers bestätigt: Bitcoin wird auch im kriminellen Umfeld benutzt, etwa im Zusammenhang mit der Ransomware Wannacry. Mehrere Leser wünschen sich, sie hätten mal Bitcoin verkauft beziehungsweise nicht zu früh verkauft. Flurin D. hat einen Stick mit 50 Bitcoins drauf per Post verschickt. Leider kam dieser nie an. Diemers empfiehlt darum, Back-ups zu erstellen. Alessio C. und seine Geschäftspartner verloren beim Konkurs von Mt. Gox praktisch all ihre Bitcoins. Schade, denn: «Wir wären heute Millionäre», so C. Dario A. ist begeistert davon, wie viel Gewinn man mit Kryptowährungen erzielen kann. Herkömmliche Aktien kämen da nie ran. So können Bitcoins aussehen, aber eigentlich existiert die Kryptowährung virtuell. Auch das sind Bitcoins, zumindest der Code zum Internetguthaben. Diese Zettel spucken die Bitcoin-Automaten in der Schweiz aus. Der einfachste und schnellste Weg, um an Bitcoins zu kommen, sind SBB-Billettautomaten ... ... oder spezielle Bitcoin-Automaten. Von denen gibt es jedoch nur rund ein Dutzend in der Schweiz. Um Bitcoins zu kaufen, benötigt man eine sogenannte Wallet auf dem Handy oder PC, also ein virtuelles Portemonnaie. In der Regel ist zudem ein Bankkonto notwendig, um herkömmliches Geld in die Kryptowährung umzutauschen. Zwar knackte der Bitcoin am 28. November die Marke von 10'000 Dollar, es ist aber möglich, weniger als 1 Bitcoin zu kaufen und damit auch deutlich weniger auszugeben. Dies, weil jeder Bitcoin in 100'000'000 Teile, sogenannte Satoshis, teilbar ist. Der Name leitet sich vom Namen des Gründers vom Bitcoin, Satoshi Nakamoto, ab. Von ihm gibt es kein verifiziertes Foto. Im Bild ist Dorian S. Nakamoto zu sehen, der zeitweise für diese Person gehalten wurde, die Verbindung zum Bitcoin allerdings abstritt. Wie bei anderen Vermögenswerten müssen Sie zum Jahresende Ihr Bitcoin-Guthaben im Wertschriftenverzeichnis der Steuererklärung deklarieren. Aus Bitcoin-Transaktionen resultierende Gewinne muss man als natürliche Person im Privatvermögen aber nicht versteuern

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Der Wertpapierspezialist Thomas Peterffy warnt vor der Digitalwährung Bitcoin. Er sieht im Handel auf breiter Front sogar Risiken, die die gesamte Wirtschaft wieder ins Straucheln bringen könnten wie bei der Finanzkrise 2008. Auch Schweizer Banken wären betroffen.

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Bitcoin als etabliertes Finanzprodukt sei ein systemisches Risiko, sagt er im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ) vom Montag. Er wiederholt damit Warnungen, die er bereits in der vergangenen Woche öffentlich gemacht hat.

Verluste wie 2008

Langfristig rechnet er damit, dass der Bitcoin wertlos wird. «Es wird der Tag kommen, an dem sich der Kurs des Bitcoin-Produkts so stark bewegt, dass manche Anleger und Broker in finanzielle Schwierigkeiten geraten – was zu Verlusten führen kann wie 2008, als Lehman Brothers unterging», sagt er zur NZZ. Nicht nur sein US-Unternehmen Interactive Brokers, sondern auch andere Mitglieder des Clearinghauses und einige Schweizer Banken wären dann betroffen.

Peterffy plädiert darum dafür, dass Bitcoin-Produkte in einer rechtlich eigenständigen Einheit abgerechnet werden. Bei Problemen müssten nur die Bitcoin-Kunden die Konsequenzen tragen. Dies würde auch dazu führen, dass sich der Handel beruhigt und sich ein interessanter Markt entwickelt.

Bitcoin könnte die ganze Realwirtschaft destabilisieren

Thomas Peterffy sieht die Stabilität des Gesamtmarkts in Gefahr. Der Gründer des Wertpapier-Unternehmens Interactive Brokers hat vergangene Woche in einem offenen Brief an die US-Aufsichtsbehörde gewarnt: Sollten durch hohe Schwankungen bei den Terminkontrakten für das virtuelle Geld Derivate-Häuser ins Straucheln geraten, könnte das sogar die ganze Realwirtschaft destabilisieren, schrieb er.

Die Digitalwährung Bitcoin erklimmt derzeit Höchstwerte. In der vergangenen Woche tummelte der Wert um 10'000 Dollar. Während einige Regulierungsbehörden zwar den spekulativen Charakter der Internetwährung kritisieren, gilt Bitcoin generell nicht als systemisches Risiko.

(rkn/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ph quentin am 04.12.2017 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Absehbar auch ohne Bitcoin

    Für den Kollaps sorgt das System schon allein, dafür braucht es keine Kryptowährung ... Leuchtet ein, wenn man sich mit unserem Finanzsystem ein wenig auseinandersetzt.

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  • Dude am 04.12.2017 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Banken - Finger weg!

    Dann sollen die Banken und Broker die Finger von Bitcoins lassen. Dann passiert auch nichts, respektive es verlieren nur Privatleute ihr Geld. Da kommt auch kein Finanzsystem ins Straucheln. Aber die Banken wollen ja überall mitmischen und dass kommt dann halt nicht gut!

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  • Barbapapa am 04.12.2017 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Staatsferne Währung

    Ich bin ganz anderer Meinung als die Experten. Die Bürger haben jetzt mit Bitcoin eine Währung und aufbewahrungsmittel das ohne den Staat funktioniert und das sollte so bleiben. Es ist digitale Freiheit die wir damit geschenkt bekommen haben. Die Regulierung des Bitcoin sollte auf dem Markt passieren und das trotz Risikos. Es sollte mehr Kryptowährungen geben und man sollte sie weiterentwickeln. Sie bieten einen riesigen Frotschritt für Wohlstand und Entwicklung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • roland am 07.12.2017 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    rollo

    bitcoin steht in der schlussphase der hypewelle. nur die gier treibt die käufer an. dahinter steckt ein typisches schneeballsystem. mehr unter derkursstimmt wir sehen im ganzen finanzsystem massiv steigende risiken. der usd ist kein sicherer hort. genauso wenig die raiffeisenbank. genauso wenig das bankkonto mit der einlagensicherung. wo liegt ein fluchtweg dazu?

  • Aurora am 07.12.2017 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal so das andermal das Gegenteil

    Je nach Laune geben viele selbsternannte Spezialisten Kommentare ab. Die Banknotenpressen laufen heiss rund um den Globus. Alleine die Schweizer Nationalbanken als sehr kleiner Player im Markt hat ihre Bilanz fast doppelt soviel aufgeblasen, wie alle Kryptowährungen zusammen Wert sind. Wenn die Schuldenwirtschaft nicht bald beendet wird gibt es tatsächlich einen Crash, der nur wegen den Nationalbanken. Total Kryptowert $700 Mia vs Banknoten $700 Billionen. Ich denke diese Zahlen sind selbstredend

  • Jeffrey Spector am 06.12.2017 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer merkt es?

    Die Diskussion über Vollgeld und der Aufstieg der Krypto-Coins hängt zusammen, auch wenn dies viele noch nicht gemerkt haben und die Medien schnallen das erst ganz langsam. Es herrscht ein tiefes Misstrauen gegenüber dem heutigen Geldsystem und den allmächtigen Banken. Ich hoffe dass diese beide Themen bald verknüpft ind entsprechend recherchiert und berichtet wird.

  • Zürcher am 06.12.2017 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Zug verpasst?

    Da hat wohl einer den Bitcoin - Zug verpasst und ist jetzt sauer deswegen. Ich habe mehr angst vor den Banken, Regierungrn und Spekulanten, dass sie das Wirtschaftssystem erneut sprengen. Immobilienpreise wie in Zürich stellen bestimmt keine realen Werte mehr dar sondern sind nur noch Spekulation.

  • Schon / gewusst am 05.12.2017 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Was man nicht kennt wird verteufelt

    Alles was man nicht kennt und noch weniger regulieren oder kontrollieren kann wird verteufelt. Und die Medien bieten schön brav eine Plattform für diese Subjekte. Aktienmärkte sind viel schlimmer und gefährlicher, da viel mehr Menschen dort ihr Geld angelegt haben. Dort sollte man schauen und einschränken! Aber eben, dort machen die Herren, welche nun die elektronischen Währungen verteufeln ihr Geld.....

    • Supermario am 06.12.2017 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      Falscher Aufhänger

      Eine gewisse Vorsicht in Bezug auf Produkte (ob nun materiell oder immateriell) sollte eigentlich schon die Voraussetzung sein, bevor man es einsetzt. Du beschleunigst Dein Auto ja auch nicht, bevor Du Dich vergewissert hast, wo die Bremse zu finden ist! Und wenn schon 90% aller Mitbürger das traditionelle monetäre System nicht kennen (Die Banken schöpfen Geld aus dem Nichts?), kannst Du wohl kaum erwarten, dass diese 90% auch noch hinter die buchhalterischen Kulissen des Bitcoins zu sehen in der Lage sind.

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