Discounter-Flagshipstore

28. November 2017 14:58; Akt: 28.11.2017 15:49 Print

«Lidl braucht kein Vorzeigeobjekt wie Apple»

von S. Spaeth - Lidl-Chef Georg Kröll zieht diese Woche in die traditionsreiche Fraumünsterpost ein. Der CEO über teure Ladenflächen und Besuche bei der Konkurrenz.

Lidl-Schweiz-Chef Georg Kröll spricht über die neue Filiale in der ehemaligen Fraumünsterpost.
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Herr Kröll, am Donnerstag eröffnet Lidl eine Vorzeigefiliale in der ehemaligen Fraumünsterpost in Zürich. Erfüllt es Sie mit Stolz, als erster Discounter in ein historisches Gebäude einzuziehen?
Naja, es war ein weiter Weg und viel Arbeit bis zur Eröffnung. Mich faszinierte der Standort von Beginn weg, ich musste aber die Emotionen aus dem Spiel lassen und mich auf die wirtschaftlichen Faktoren konzentrieren. Man darf sich nicht zu früh in einen Standort verlieben, denn es gibt das Risiko, dass jemand anderes den Vertrag erhält.

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Im Quartier gab es zuerst Kritik am Laden. Insbesondere eine Dame vom Einwohnerverein Altstadt hat Widerstand angekündigt. Haben Sie sie mal getroffen?
Was heisst denn Kritik? Festmachen lässt sich dies an einer Person, die leider noch nie in einem Geschäft von uns war. Wir haben die Dame eingeladen, um mit uns eine Lidl-Filiale zu besichtigen. Doch sie hat abgelehnt. Man kann nicht in den Medien behaupten, etwas sei schlecht für den Ort, wenn man es gar nicht kennt.

Sie haben sich gegen namhafte Konkurrenz durchgesetzt, die das Gebäude auch gerne gehabt hätte. Haben Sie einfach am meisten bezahlt im Bieterverfahren?
Nein, es gab kein Bieterverfahren. In ein solches Hochschaukeln würden wir uns gar nie begeben. Wir haben keine Image-Standorte, bei denen wir sagen, die Profitabilität spielt keine Rolle. Jeder Standort muss rentieren. Laut der Immobilienbesitzerin Swiss Prime Site hat Lidl den Zuschlag wegen unserer Nachhaltigkeit erhalten. Beispielsweise beliefern wir die Läden in der Region Zürich wenn immer möglich mit Elektro-LKW.

Wird man mit der Filiale trotz der hohen Miete richtig Geld verdienen können?
Wir bezahlen eine marktübliche Miete. Ich finde, wir haben zu fairen Konditionen abgeschlossen. Es gibt deutlich teurere Mieten im näheren Umfeld der Fraumünsterpost. Ich bin überzeugt, dass sich der Standort rechnet. Die Höhe der Miete muss man immer in Relation zu den erwarteten Einnahmen setzen. Es gibt wenig bis gar keine Wettbewerber im Lebensmittelhandel in dieser Region der Stadt.

Und es gibt wirklich keinen Image-Bonus für die Filiale, also kleinere Renditevorstellungen, weil das Image etwas wert ist?
Dass der Standort gut ist fürs Image, ist ein nettes Begleitprodukt, aber kein entscheidendes Kriterium. Wir haben nicht mit dieser Resonanz gerechnet. Zudem sind wir nicht Apple oder Zara, die in Manhattan ein Vorzeigeobjekt brauchen.

Wird die Filiale in der ehemaligen Fraumünsterpost das gleiche Sortiment haben wie eine Filiale in der Agglomeration?
Der Standort hat trotz der extremen Zentrumslage rund 1000 Quadratmeter Fläche. 800 Quadratmeter ist die Minimalanforderung, damit wir das ganze Lidl-Sortiment haben können. Wir wollen keine Standorte mit kleinem, dafür deutlich teurerem Sortiment, wie es unsere Mitbewerber machen. Tendenziell wird Convenience in der Fraumünsterpost aber mehr Platz einnehmen.

«Lidl baucht kein Vorzeigeobjekt wie Apple»

Wird Lidl künftig noch stärker in die Städte und an Bahnhöfe drängen?
Ja, wir werden künftig stärker in die Innenstädte gehen. Auf dem Land sind wir schon sehr präsent. Weil beispielsweise Kleiderketten stark unter Druck sind, kommen neue Standorte auf den Markt. Nur sind das meistens nicht die 1A-Lagen aus unserer Sicht. Ich würde aber nicht ausschliessen, dass Lidl auch mal an einen Bahnhof geht, wenn die Kriterien stimmen. Einen Lidl auf 250 Quadratmetern Fläche werden wir aber nicht eröffnen.

Lidl gibt sich gerne schweizerisch und versucht sich anders zu positionieren als in Deutschland. War man am Anfang zu deutsch?
Ich war zum Start von Lidl in der Schweiz nicht dabei. Also kann ich es schlecht beurteilen. Man muss ein Land verstehen lernen, und das gelingt erst, wenn man dort lebt und beruflich aktiv ist.

Dann verstehen Sie die Schweiz jetzt?
Ich bin natürlich kein Urschweizer. Aber mittlerweile verstehe ich das Land ganz gut und weiss, welche Fragen ich stellen muss. Zudem ist Schweiz auch nicht gleich Schweiz. Die Unterschiede zwischen den Landesteilen sind gross. Ich finde das aber spannend und lerne seit kurzem Italienisch. Es reicht nun für etwas Small-Talk in den Filialen. Mein Schulfranzösisch habe ich schon aufgefrischt.

Gehen Sie manchmal zur Schweizer Konkurrenz und schauen, wie die das machen?
Ich besuche regelmässig alle unsere Mitbewerber und stehe auch dazu. Nur kaufen tue ich nichts. Es ist mir auch schon einmal passiert, dass ich in einer der Filialen der Konkurrenz zwei Geschäftsleitungsmitglieder getroffen habe. Diese begrüssten mich freundlich und gaben zu, dass sie kurz zuvor auch zu Lidl gekommen waren.

Ihre Konkurrenten Migros und Coop eröffnen ständig neue, kleine Formate: Ist ein Lidl-to-go denkbar? Die Margen wären hoch.
Es gibt keine entsprechenden Pläne, auch nicht in der Schublade. Wir müssten damit die uns selbst auferlegte Ein-Land-ein-Preis-Regel brechen. Möglicherweise würden bei Convenience-Formaten an Bahnhöfen schon höhere Margen drinliegen, die Kosten wären aber auch höher, und am Ende wäre es ein Nullsummenspiel.

Sie gaben bisher nur selten Interviews. Nun hat sich das etwas geändert. Reagieren Sie damit auch auf Ihre Konkurrenten, deren Chefs häufig in den Medien sind?
Unser Management ist nicht inflationär in den Medien präsent. Seit ich in der Schweiz bin, habe ich rund ein Interview pro Jahr gegeben. Wir sind auf Effizienz getrimmt, das gilt auch für mich. Zudem wollen wir primär durch unsere Leistung beim Endkunden überzeugen – und die soll für sich sprechen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laferi am 28.11.2017 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Blöden Karten

    Lidl und Co. haben nicht diese blöden Rabattkarten. Ich bezahle lieber 10 Rappen weniger pro Produkt, anstatt ich 1 Rappen mit der Rabattkarte spare.

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  • olaf am 28.11.2017 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    weiter so

    lidl find ich gut. gehe regelmässig dort einkaufen.

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  • Blerim am 28.11.2017 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Lidl

    Ich kaufe gerne im Lidl ein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • NOT OP am 29.11.2017 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    RE: COOP

    Wer beim Vettern- und Monopol-Abzocker Coop sein Geld verbrät, der fällt auch auf Abofallen und Heizdecken-Kaffeefahrten rein. Nur weil sie sich "schweizerisch" geben, rein propagandistisch und marketingmäßig versteht sich, soll man für den Schund gleich Unsummen bezahlen? Träumt weiter, ihr Freaks!

  • max62 am 29.11.2017 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pia und Roman.

    Diese zwei Kommentare zeigen in erschreckender Weise wie tief das Niveau hier eigentlich ist. Bin zum Glück hier noch nie jemand begegnet der solche abartigen Gedanken hat.

  • Pia am 29.11.2017 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Coop

    Ich finde einfach das Klientel in Aldi/ Lidl Filialen sozial schwach. Das Benehmen ist na ja einfach Einfach wenn man versteht was ich meine. Ich ziehe die intelligenteren Kunden im Coop vor.

    • Zacki am 29.11.2017 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pia

      Ja das mag sein, aber ich kaufe in lidl nur ein, mich interessieren die anderen leute drin nicht im geringsten und hab auch nicht vor gespräche zu führen. Parkieren, schnell einkaufen und wieder weg mit möglichst wenig zeitverlust das sind meine vorgaben!

    • Roman I. am 29.11.2017 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pia

      Hallo Pia Kurz und bündig, Dein Kommentar ist einfach Klasse. Alle die Lidl Freak sollen sich im Spiegel anschauen und sagen. Ok. Ich muss es akzeptieren, mehr als Lidl ist in meinem Leben einfach drin....

    • Rucki Zucki am 29.11.2017 18:30 Report Diesen Beitrag melden

      Coop Tankstellen hätten das Potenzial

      Wenn ich Coop wäre mit den vielen Tankstellenshops, dann würde ich dort nur Produkte anbieten die günstiger sind als bei der Konkurrenz. WinWinWinWin wäre das. Coop würde enorm verkaufen und Pia, Zacki und ich wären wohl oft dort.

    • max62 am 29.11.2017 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roman I.

      Es gibt sogar zwei die sich soweit herunterlassen, Respekt es geht wirklich abwärts.

    • max62 am 29.11.2017 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pia

      Also wenn sich die Intelligenten im Coop und der Migros treffen zum einkaufen, dann müssen sich die Chefs irgendwann mal ein paar andere Erklärungen für die überhöhten Preise einfallen lassen. Oder man ändert die Definition für Intelligenz.

    • jasmin am 01.12.2017 09:07 Report Diesen Beitrag melden

      na.....

      na mit 62 nicht mehr so fit im denken gell MAX62. wer SCHWEIZER LÄDEN unterstütz ist GENERELL der intelligentere sind Fakten. mir sind die höheren preise klar und die zahle ich gerne bin ein migi Kind kaufe alles im migi ausser fleische (Dorf metzt) und Gemüse habe selber garten. ich werde nie im lidl und Aldi einkaufen gehen den da müssen die Mitarbeiter das geiz ist geil system von MAX und CO. ausbaden.

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  • Roman I. am 29.11.2017 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beobachter

    Es ist furchtbar, was ich alles verpasse. Ich war noch nie beim Lidl, wenn ich vom Länderpark in Stans auf das Lidl Gebäude sehe, ein 08.15 Bau, brrrrr es schüttelt mich. Dann gehe ich im Länderpark in den Migros, lasse mir da viel Zeit, gehe vielleicht im Migros Restaurant etwas essen und dann unten beim Bachmann noch einen guten Kaffee mit was Süssem. Was soll ich denn beim Lidl, kurz durch den Laden rennen, billiges Zeugs suchen, Ums Himmels Willen, meine Lebensqualität verlangt mehr.. Freue mich auf die vielen Daumen nach unten, Ihr Lidl (und Aldi) Freaks.

  • Martial2 am 29.11.2017 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser gibts nicht...

    Lidl der aller beste Supermarkt: Intelligent konzipiert, sehr übersichtlich, schweizer hervorragende Produkte, hoch qualitative Kosmetika. Ein drittel günstiger als Migros & Coop mit veralteten Läden und Self-Scanning, das jeder Kunde nervt. Dazu noch grosse gratis Parkplätze. In einem Wort: Das Allerbeste!