Studie der Uni Freiburg

05. Dezember 2017 10:56; Akt: 05.12.2017 12:10 Print

Schlechtere Chancen für Frauen in der Ausbildung

In der Ausbildung werden Frauen strenger beurteilt als Männer. Forscher der Uni Freiburg erwarten Massnahmen vom Bund.

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Bei gleichem Potenzial werden Frauen in der Ausbildung oft strenger beurteilt. Dabei komme es nicht darauf an, ob die Ausbildner männlich oder weiblich sind – auch Frauen würden andere Frauen strenger beurteilen als Männer. Immerhin seien Frauen generell etwas wohlwollender als Männer. Selbst in Gesundheits- und Sozialberufen gelte dieses Ergebnis. Dies sei bemerkenswert, da diese Berufe traditionell mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden. Im Bereich Gesundheit und Soziales wurden per Ende August alle Lehrstellen bis auf drei Prozent besetzt. Anders dagegen sieht es im Baugewerbe aus: Dort blieben 12 Prozent der Lehrstellen offen. Während der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert, dass Betriebe mehr Lehrstellen für die beliebten Branchen bei Frauen schaffen, fordert die Baubranche ein Umdenken. «Statt mehr typische Frauenjobs zu schaffen, müssten die jungen Frauen flexibler werden», sagt Josef Wiederkehr, Präsident der Schweizer Gerüstbauer. Er rät: «Junge Frauen, macht eine Lehre auf dem Bau!» Gerade im heutigen durchlässigen Bildungssystem könne man den eingeschlagenen Weg jederzeit wieder ändern. «Wichtig ist, dass die Jungen sich mit einer Berufslehre ein solides Fundament erarbeiten statt in einem Zwischenjahr Zeit zu verlieren.» Junge Frauen von der Baubranche zu überzeugen, versucht derzeit auch der Baumeisterverband mit der Image-Kampagne «Bauhelden». In der dazugehörigen Webserie fragt etwa die 22-jährige Maurerin Nadja ihre Freundinnen: «Und, was wollt ihr später so machen?» Die Antwort: Ich will mal eine eigene psychologische Praxis eröffnen. Und: «Ich will Drogistin werden.» Die Fleischbranche hat ebenfalls mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Darum setzt der Fleischfachverband ebenfalls auf die Frauen. Schlachten, Zerlegen und Ausbeinen sind so etwa nicht mehr Teil der Ausbildung in der Fachrichtung «Feinkost und Veredelung». Als Zückerchen sieht der Verband zudem die «Karriere-Garantie»: «In kaum einer Branche ist der Aufstieg in eine Führungsposition so rasch möglich.»

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Nicht nur im Job, sondern auch in der Ausbildung stehen die Chancen für Frauen nicht gleich gut wie für Männer. Das Fazit einer am Dienstagmorgen veröffentlichten Studie der Universität Freiburg lautet, dass junge Frauen ihre Wachstumsressourcen in der Berufslehre nicht ausschöpfen können. Dies unter anderem, weil Frauen in der Lehre bei gleichem Potenzial schlechter beurteilt werden als Männer.

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Selbst in Gesundheits- und Sozialberufen gelte dieses Ergebnis. Dies, obwohl diese Berufe traditionell mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden. Auch bei überdurchschnittlichen intellektuellen Fähigkeiten der Auszubildenden würden Frauen strenger bewertet, wodurch sich das Potenzial dieser Fähigkeiten nicht auszahle.

Auch Frauen beurteilen Frauen strenger

Dabei komme es nicht darauf an, ob die Ausbildner männlich oder weiblich sind – auch Frauen würden andere Frauen strenger beurteilen als Männer. Immerhin seien weibliche Ausbildner generell etwas wohlwollender als männliche.

Die Ergebnisse basieren auf den Leistungen von 2701 Lernenden, deren Ausbildung vom Forschungsteam der Uni Freiburg untersucht wurde. Die Studienautoren erwarten nun eine Reaktion vom seitens Berufsbildung, Politik und Organisationen der Arbeitswelt. Bestehende Massnahmen zur Talentförderung müssten überarbeitet werden, um weibliche Talente systematischer zu unterstützen. Betriebe und Berufsfachschulen sollten Strategien für eine geschlechtsneutralere Bewertung entwickeln.

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 05.12.2017 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Hetze

    Ach, da ist es wieder ein Problem? Sobald es Frauen betrifft? Aber dass es Jungs in der Schule viel schwerer haben ist ja egal... echt jetzt...was kommt als nächstes? Empörung weil es sogar Frauen gibt die Obdachlos sind?

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  • Karla Blum am 05.12.2017 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    merkwürdig

    Was ist eigentlich los. In letzter Zeit hat man das Gefühl, dass die Frauen in der Schweiz überall belästigt und unterdrückt werden. Das deckt sich aber überhaupt nicht mit meiner Wahrnehmung in der Realität. Woher kommen diese merkwürdigen "Aussagen, Studien" etc.?

  • Dominik11 am 05.12.2017 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Männer Benachteilungen sehr wohl auch da

    Es gibt sehr wohl auch Männder Benachteiligungen. Frauen werden im Gymi konsequent über die Fächerwahl bevorteilt, an vielen Universitäten und Fachrichtungen gibt es mittlerweile mehr Studentinnen als Studenten (z.B. Medizin). Warum setzt sich nie ein SP oder CVP Politiker oder ein Professor dafür ein, dass Männer gleiche Berufschancen haben und an der Schule auch ihre Fähigkeiten berücksichtigt werden?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Verena am 06.12.2017 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt haben alle verdient

    Das Bild oben spricht darauf an...Eine Freundin hat mit Tränenkampf Ihre Ausbildung als Köchin astrein gemeistert, doch leicht hatte sie es nicht. Sie wurde nicht respektiert und nicht wahrgenommen. Sie ist schlau, kreativ und definitiv nicht auf den Kopf gefallen. Genauso erging es einer Journalistin Verena Lugert (Buch: Die Irren mit dem Messer). In dieser Branche bzw. in der Küchenausbildung sollte sich etwas ändern. Von anderen Branchen kann ich es nicht beurteilen. Klar wird auf so einem Thema "rumgehackt", da der Feminismus vor vielen Jahren einen starken Tiefpunkt hatte.

  • Bertb am 06.12.2017 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige beurteilungen

    gibts auch bei männern. das geht s nicht um die Frau sondern das der Feminismus und Emanzenkurs der gefahren wird. Nur ein weitere hetze ist. Das einzig gute was der Feminismus schaffte war das Frauenstimmrecht und seit dieser zeit haben sie nur noch den Frauen geschadet. es wird vom feminsimus nur noch gehetzt und "ein krieg der geschlechter "vorbereitet und das im namen der Frau. der feminismus wurde von wenigen frauen zerstört die es noch weniger kapiert haben als die männer. den nicht nur frauen werden ungerecht beurteilt sondern auchdie männer untereinander mit der gleicher arbeit.

  • Spiegel am 06.12.2017 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schaut in den Spiegel

    Es taucht ein Artikel auf der etwas über eine Benachteiligung von Frauen sagt. (Ob es nun stimmt oder nicht sei dahingestellt). JEDES MAL die selben Kommentare! Männer die sich über das "Rumgeheule" von Frauen beschweren (und dabei was tun?). Männer die über Frauen herziehen und dabei von einer Hetze gegen Männer sprechen (und dabei was tun?). Männer die sich sofort über die Benachteiligung der Männer selbst auslassen aber sagen sie können es von den Frauen nicht mehr ertragen... Was soll diese Geschlechterhetze? Ihr seid in diesem Moment genau wie diese übertriebenen Feministinnen!

  • Weissesned am 06.12.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Kompetenz der Studienautoren?

    Die naheliegende Schlussfolgerung: Das Ergebnis der Studie zeigt, dass dessen Autoren das Potential der Auszubildenden schlechter einschätzen können als die Ausbildner resp. dass die Autoren das Potential der Frauen verglichen mit jenem der Männer überschätzen.

  • FluffyUnicorn am 06.12.2017 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgefallen

    Witzig, dass überwiegend hier wieder Männer kommentieren. :)