Pharma

19. Oktober 2017 07:12; Akt: 19.10.2017 11:15 Print

Neue Medikamente treiben Roche an

Der Pharmakonzern Roche konnte seinen Umsatz im bisherigen Jahresverlauf auf 39,4 Milliarden Franken steigern. Die Verkäufe in Europa waren allerdings rückläufig.

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Auf Kurs: Gerät in einem Labor von Roche in Basel. (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

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Trotz Verlusten bei bewährten Blockbustern hat der Pharmakonzern Roche sein Wachstumstempo die letzten neun Monate gehalten. Zu verdanken ist dies drei neu lancierten Medikamenten, die 60 Prozent zum Wachstum beisteuerten.

Die wichtigste Division Pharma mit einem Umsatzanteil von 78 Prozent kriegt die Konkurrenz von Nachahmerprodukten vor allem in Europa immer mehr zu spüren. Die Verkäufe in Europa sanken in den ersten drei Quartalen 2017 gegenüber der Vorjahresperiode um 2 Prozent.

Tecentriq, Ocrevus und Alecensa

Dagegen stiegen die Umsätze in den USA (plus 10 Prozent) und in der Region International (plus 4 Prozent) weiter stark. Insgesamt erhöhte sich der Umsatz des Konzerns um 5 Prozent auf 39,4 Milliarden Franken – sowohl in Franken als auch zu konstanten Wechselkursen. Im dritten Quartal 2017 resultierte gegenüber dem Vorjahresquartal wechselkursbereinigt ein Plus von 6 Prozent.

Hauptwachstumsträger bei Pharma sind die neu eingeführten Medikamente Tecentriq, Ocrevus sowie Alecensa. «60 Prozent des Wachstums stammt von diesen Produkten», sagte Konzernchef Severin Schwan am Donnerstag an einer Telefonkonferenz. Besonders zufrieden sei er mit Ocrevus zur Behandlung der Nervenerkrankung Multiple Sklerose. Es erzielte in den ersten neun Monaten 500 Millionen Franken Umsatz.

Erst der Anfang von Immuntherapien

«Obwohl wir erst am Anfang stehen, gibt es in den USA bereits ausserordentlich viele Patienten, die Ocrevus beziehen», sagte Schwan weiter. Roche freue sich das Medikament Ende Jahr auch in Europa einzuführen.

Bei Tecentriq wiederum, das 355 Millionen Franken Umsatz erzielte, handelt es sich um die erste Krebs-Immuntheraphie des Konzerns. Derzeit führe Roche Studien für weitere 20 Krebsimmuntherapien durch, Tecentriq sei erst der Anfang.

Weiter fulminant zugelegt hat das jüngere Krebsmittel Perjeta, das mit einem Umsatzplus von 17 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken in den ersten neun Monaten zum neuen Wachstumstreiber aufstieg.

Dagegen schrumpften der Umsatz des Krebsmittels Avastin um 2 Prozent auf 5 Milliarden Franken. Es handelt sich bei Avastin um ein biotechnologisches Medikament wie bei den Blockbustern Herceptin (5,2 Milliarden Franken Umsatz) und MabThera/Rituxan (5,6 Milliarden Umsatz). Letztere zwei legten bloss 2 Prozent zu.

Konkurrenz und Kannibalisierung

Alle drei Medikamente kämpfen gegen die zunehmende Generikakonkurrenz. Der Druck wird laut dem Leiter der Division Pharma, Daniel O'Day, im laufenden und nächsten Quartal weiter zunehmen.

Aber auch in den USA sei der Avastin-Umsatz bei einer Indikation bereits rückläufig wegen der Konkurrenz durch neue Krebs-Immuntherapien.

Natürlich hoffe Roche, dass sich Avastin in Kombination mit eigenen Immuntherapien wie Tecentriq beweisen werde. Doch es könne auch sein, dass sich die Produkte kannibalisieren - das werde sich zeigen.

Mit einem Rückgang von 21 Prozent auf 397 Millionen Franken erlitt das Grippemittel Tamiflu in den ersten neun Monaten dieses Jahres den grössten Rückschlag unter den umsatzstarken Medikamenten. Seit letztem Jahr sind günstige Nachahmerprodukte auf dem Markt.

Markt nicht überzeugt

Das Umsatzplus der Division Diagnostics um 5 Prozent auf 8,8 Milliarden Franken sei vor allem dank der guten Entwicklung von Produkten für die Immundiagnostik zu verdanken, wie Roche weiter mitteilte.

«Aufgrund der bisherigen Entwicklung bin ich zuversichtlich, dass wir unsere Ziele für das Gesamtjahr erreichen werden», sagte Schwan. Roche prognostizierte im Sommer ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, nachdem zuvor nur von einem tiefen bis mittleren einstelligen Bereich die Rede war.

Der Konzern bekräftigte zudem die Absicht, die Dividende in Schweizer Franken weiter zu erhöhen. Der Finanzmarkt zeigte sich am Morgen wenig überzeugt, dass Roche die erwarteten Umsatzrückgänge bei den Blockbustern weiter mit neuen Medikamenten kompensieren kann. Am Vormittag verloren die Roche-Aktien 0,7 Prozent. Gleichzeitig gab der Leitindex SMI 0,5 Prozent nach.

(rub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Supermario am 19.10.2017 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Roche ist in der Nordwestschweiz wohl einer der grössten Arbeitgeber und Steuerzahler. Bei einem Anteil von max. 8% Medikamente an den gesamten Gesundheitskosten ergibt sich wohl nur marginal Einsparpotenzial diesbezüglich. Roche macht nur wenige Prozente ihres Umsatzes in der Schweiz, verbucht aber 100% vom Gewinn hierzulande. NB An der Börse hatten Aktionäre diese Jahr an den meisten anderen Unternehmen deutlich mehr Freude, als bei Roche! Stolz auf ein gesundes Schweizer Unternehmen wäre meines Erachtens eher angebracht, als die ewige Mäkelei, welche ohnehin nichts bringt.

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  • Gewinnmaximierung am 19.10.2017 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank auch

    genau diesen Milliarden Umsätzen und Gewinne verdanken wir die Kostenexplosionen im Gesundheitswesen... Diese Umsätze und Gewinne stehen in keinem Verhältnis zu den eigentlichen Aufwänden wie Forschung/ Produktion und Material. Hier sollte man ansetzten, und diese exorbitante Gier von ein paar wenigen Profiteuren unterbinden. Stattdessen wird applaudiert.

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  • g.m. am 19.10.2017 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bizarr

    Findet es eigentlich sonst niemand befremdend, dass über die Behandlung von schwerst kranken Menschen dauernd im Wirtschaftsjargon gesprochen wird? Als wäre bei der Therapie von Krebskranken die Entwicklung der Roche Aktie das primäre Thema - und nicht etwa ... die Therapie der Krebskranken?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tetsuya am 20.10.2017 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GlobaliGierung

    Geld regiert die Welt.... Mehr muss man dazu nicht sagen

  • mensch am 19.10.2017 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na ja

    Einfach himmeltraurig. Darum hat niemand Interesse an gesunden Menschen.

  • the Nightwitch am 19.10.2017 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheit ...

    bald nur noch für Reiche?

  • Leoc am 19.10.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin mit dem Titel nicht zufrieden

    So müsste es richtig heißen: Profit und Geldgier treibt die Pharma an.

  • Supermario am 19.10.2017 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Roche ist in der Nordwestschweiz wohl einer der grössten Arbeitgeber und Steuerzahler. Bei einem Anteil von max. 8% Medikamente an den gesamten Gesundheitskosten ergibt sich wohl nur marginal Einsparpotenzial diesbezüglich. Roche macht nur wenige Prozente ihres Umsatzes in der Schweiz, verbucht aber 100% vom Gewinn hierzulande. NB An der Börse hatten Aktionäre diese Jahr an den meisten anderen Unternehmen deutlich mehr Freude, als bei Roche! Stolz auf ein gesundes Schweizer Unternehmen wäre meines Erachtens eher angebracht, als die ewige Mäkelei, welche ohnehin nichts bringt.

    • Mel S am 19.10.2017 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Supermario

      Endlich bringts mal jemand auf den Punkt. Alle reden mit und keiner versteht...

    • A. Wasesch am 20.10.2017 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Supermario danke

      Danke Endlich sagt einmal, warum die Pharmaindustrie so wichtig für die Schweiz ist. Nicht nur Steuern, auch die Baufirmen und Zulieferer Und eben: Medikamente sind im Gesundheitswesen der kleinste Teil!

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