Design-Experte

12. Oktober 2017 05:50; Akt: 12.10.2017 07:23 Print

«Die 10er-Note könnte aus den 60er-Jahren sein»

von Dominic Benz - Das neue 10er-Nötli ist da. Ein Design-Experte sagt, warum die Banknote keinen Aha-Effekt auslöst und altbacken wirkt.

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Die neue 10er-Note kommt bei Design-Experten nicht so gut an. «Gegenüber der alten Note ist es gestalterisch eher ein Rückschritt», sagt Rudolf Barmettler, Professor an der Zürich Hochschule der Künste für die Fachrichtung visuelle Kommunikation. Das neue Nötli stellte am Mittwoch Fritz Zurbruegg, Vizepraesident des Direktoriums der SNB, vor. Auf der Rückseite ist ein Uhrwerk abgebildet, «eines der weltweit bekanntesten Schweizer Qualitätsprodukte», wie Fritz Zurbrügg, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei der Präsentation erklärte. Ebenfalls zu sehen ist ein Eisenbahntunnel, der laut Zurbrügg für die Schweizer Ingenieurskunst stehen soll. Auf der Rückseite ist ein Uhrwerk abgebildet, «eines der weltweit bekanntesten Schweizer Qualitätsprodukte», wie Fritz Zurbrügg, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei der Präsentation erklärte. Ebenfalls zu sehen ist ein Eisenbahntunnel, der laut Zurbrügg für die Schweizer Ingenieurskunst stehen soll. In Umlauf kommen die neuen 10er-Noten am 18. Oktober. Die SNB zieht die alten Noten kontinuierlich aus dem Verkehr. Erst wenn alle Noten der neuen Serie im Umlauf sind, wird die Notenbank einen Rückruf der alten Geldscheine ankündigen. Laut der BLS zeigt der Tunnel auf der Note den Lötschberg-Basistunnel. Das Format der neuen 10er-Note ändert sich: Die neuen Geldscheine sind kleiner und dadurch handlicher. Gestaltet hat die neue Note Manuela Pfrunder. 74 Prozent der befragten 20-Minuten-Lesern gefällt die Note sehr gut. Acht Prozent finden dagegen, es habe zu viele Elemente auf der Note.

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Herr Barmettler*, wie gefällt Ihnen das neue 10er-Nötli?
Rudolf Barmettler:
Gegenüber der alten Note ist es gestalterisch eher ein Rückschritt.

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Wieso das?
Das Thema ist ja Zeit. Dabei fehlt mir die Aktualität. Der visualisierte Zeitbegriff ist alles andere als aktuell. Die Sujets wie etwa der Tunnel wirken wie aus dem 19. Jahrhundert. Der Zeitbegriff wird hier romantisiert und die Vergangenheit verklärt. Gestalterisch könnte die Note auch aus den 60er-Jahren stammen.

Wie meinen Sie das?
Unter «Zeit» verstehen wir heute anderes als früher: Die Leute beklagen sich über fehlende Zeit und sagen, dass Zeit Geld ist. So wären «Zeit als Wirtschaftsfaktor», «Zeit und Digitalisierung» oder «die Zeitarbeit» aktuelle Themen gewesen, die man hätte aufgreifen können, wenn man die Chance hat, eine Banknote zu entwerfen. Aber diese Chance hat man vertan. Besonders merkwürdig: Die Sujets und die gestalterische Umsetzung werden der Papiertechnik und die Sicherheitsstandards der Note, die weltweit führend sind und für Innovation stehen, überhaupt nicht gerecht. Diese zwei Dimensionen driften auseinander.

Sollte eine Banknote nicht zeitlos sein?
Sie kann durchaus zeitlos sein, aber doch nicht rückwärtsorientiert wie das neue Nötli. Eine Banknote muss Visionäres enthalten. Gerade in der Schweiz, wo im öffentlichen Raum so viel Wert auf Design gelegt wird, ist das geradezu bizarr, dass das nicht eingelöst wurde.

Ist das Thema Zeit sonst gut umgesetzt?
Etwas so Abstraktes wie Zeit mit Bildern darzustellen, ist nicht leicht. Auf der neuen Note wurde dies mittels Metaphern bewältigt, was nicht einfach zu verstehen ist. Ich finde es auf der neuen Note nicht sehr gelungen. Bei den Händen mit Dirigentenstab werden sich die Leute fragen: Was hat das jetzt mit Zeit zu tun? Tunnel und Erde könnten auch für das Thema Mobilität stehen. Die Sujets lassen zu viel Spielraum für Interpretationen. Das kann auch Absicht der Gestaltung sein. Doch deren Funktion besteht nicht darin, dass jeder Betrachtende was anderes sieht und versteht.

Was stört Sie noch?
Mir fehlt das Narrative. Die Note erzählt keine Geschichte. Diese muss sich der Betrachter selber zusammenreimen. Dann ist es auch eine Frage der Komposition und der Grössenverhältnissen der Bilder. Bei der jetzigen Note sind alle Sujets fast gleich gross. Das ergibt keinen Ablauf und damit auch keine Spannung, keine Dramaturgie. So hätte man bei der neuen Note die Hände mit dem Dirigentenstab oder die Erdkugel stärker ins Zentrum stellen können. Doch die Bildelemente stehen lose nebeneinander und haben keine Abfolge. Das wirkt beliebig, was bei der alten 10er-Note nicht der Fall war.

Was finden Sie denn gut?
Die Kombination der Komplementärarben Gelb und Blau finde ich gelungen. Dieser Farbeffekt ist mutig.


*Rudolf Barmettler ist Professor lehrt an der Zürich Hochschule der Künste in der Fachrichtung für visuelle Kommunikation.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pascal am 12.10.2017 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine 10er Note

    muss keine Geschichte erzählen oder dramatisch sein. Sie muss einfach 10 Stutz Wert sein.

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  • Experte am 12.10.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    neue 10er

    Ich weiss gar nicht was dieser Herr hat. Ich finde die neue 10er Note hübsch. Mit dem Gotthardbasistunnel wurde gerade eine wichtiger Zeitgewinn eröffnet

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  • Toniker am 12.10.2017 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir gefällts!

    Wir Schweizer haben eh immer was auszusetzen, also was solls - mir gefällts! In ein Paar Jahren haben wir uns daran gewöhnt und niemanden interessiert das Design mehr. Freut euch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Clara Morgenstern am 16.10.2017 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache der Senf dazu

    Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Die vielen Visionen der Möchtegernmodernen gefallen mir auch nicht alle.

  • Glasnost am 13.10.2017 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Zeitloses Design

    Dieser sog. Desingspezialist weiss wohl nicht, dass Design zeitlos sein soll für Banknoten. Modernes Design wird ganz schnell langweilig und wirkt in ein, zwei Jahren veraltet. Ausserdem ist nicht alles schlechtes Design, bloss weil es nicht dem eigenen Geschmack entspricht.

  • Franziska am 13.10.2017 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön

    Ich finde die neue 10er Note (und die ganze Serie) sehr gelungen! Kräftige Farben, und die Sicherheitsmerkmale sind nicht nur zweckmässig, sondern auch schön. Schriftart, Thema, Darstellung, Aussagekraft... und endlich keine Köpfe mehr! Das kleinere Format ist viel praktischer. Danke :)

  • Max am 12.10.2017 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschön!

    Liebe Schweizer! Bin Österreicher und lebe schon 10 Jahre hier. Die neuen Banknotem sind einfach wunderschön! Durch die leuchtenden Farben ist es auch ein so fröhliches Geld. Ich bezahle sehr gerne damit!

  • Marc Beaver am 12.10.2017 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...mir gefällt sie...

    Zum Glück sind Meinungen wie Nasen...jeder hat Eine. Ich finde das neue Design jedenfalls gut gelungen.