«Stranger Things»

30. Oktober 2017 19:08; Akt: 30.10.2017 20:02 Print

Wie gut ist Staffel 2? Wir liefern die Antwort

von Schimun Krausz - Grösseres Budget, grösserer Cast – für die zweite Staffel des Netflix-Hits haben die Macher rangeklotzt. Und büssen dafür ein bisschen von der Seele der Serie ein.

Der finale Trailer zu Staffel zwei von «Stranger Things». (Video: Netflix)
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Mit ihrer Mischung aus Old-School-Horror, 80er-Nostalgie und einer rührenden Geschichte über Freundschaft begeisterte die erste Staffel von «Stranger Things» vergangenes Jahr sowohl die Kritiker als auch das Publikum. Nur eineinhalb Monate nach dem Start bestellte Netflix bereits eine zweite Season. Und die ist seit Freitag beim Streaming-Giganten verfügbar.

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Die Serienschöpfer Matt und Ross Duffer (beide 33) standen vor der schwierigen Aufgabe, das wohlig schaurige und augenblicklich heimelige Feeling der ersten Staffel beizubehalten und dennoch Neues zu bieten – und sie haben sie nur teilweise bewältigt. Warum, das verraten wir gleich hier unten, sprechen zunächst aber eine Spoiler-Warnung (!!!) für alle aus, die mit der zweiten Staffel noch nicht durch sind.


Eine der ersten Szenen von Staffel zwei. (Video: Netflix)

Die Fortsetzung

Die neue Season spielt zwar knapp ein Jahr nach der ersten, knüpft aber trotzdem nahtlos daran an. Mike (Finn Wolfhard) und Nancy (Natalia Dyer) trauern Eleven (Millie Bobby Brown) und Barb (Shannon Purser) nach. Polizeichef Hopper (David Harbour) hält – wie mit der US-Regierung ausgemacht – die Geschehnisse von Staffel eins zähneknirschend unter Verschluss. Und Will (Noah Schnapp) und seine Mutter Joyce (Winona Rider) versuchen, Wills Entführung in die Upside Down genannte Unterwelt zu verarbeiten.

Die Fortsetzung der Geschichten der Protagonisten zieht einen sofort wieder in seinen Bann, weil man die Figuren liebgewonnen hat und ihre Entwicklung glaubwürdig gehandhabt wird. Keine Selbstverständlichkeit bei einem Plot, der sich um Übernatürliches dreht.

Die Ausnahmeleistungen

Fast alle Darsteller überzeugen in puncto Glaubwürdigkeit (mit Ausnahme der Chicago-Punks, dazu gleich mehr), wobei die Darbietungen von Noah «Will» Schnapp und Millie Bobby «Eleven» Brown besonders erwähnt werden müssen. Was die beiden 13-Jährigen an Schauspielkunst und emotionaler Bandbreite auffahren, ist beeindruckend – es lässt sich nur erahnen, wozu die beiden mit wachsender Erfahrung imstande sein werden.


Der Comic-Con-Trailer vom Juli. (Video: Netflix)

Die Trennung

Eleven war während beinahe der ganzen ersten Staffel an der Seite von Mike, Dustin (Gaten Matarazzo) und Lucas (Caleb McLaughlin) und wirbelte deren Freundschaft ordentlich auf. Season zwei verbringt sie von Hopper vor der Regierung versteckt in einer Hütte. Die Interaktion mit den Kids fehlt nicht nur ihr, sondern auch dem Zuschauer. Ihr Ausflug nach Chicago in Folge sieben (von insgesamt neun) birgt dann die Chance, Elevens Story mehr Gewicht zu verleihen.

Stattdessen schliesst sie sich kurzzeitig einer Gruppe von aufmüpfigen Randständigen an, die wirken, als hätte man ein paar edgy Models für eine Fashion-Kampagne in edgy Klamotten gesteckt und die Haare edgy gestylt. Die Duffer Brothers verteidigen diese Episode und behaupten, dass das Finale ohne sie nicht funktioniert hätte (was höchstens teilweise stimmt). Vielmehr dient die Einführung der wie Eleven psychisch begabten Gangleaderin Eight (Linnea Berthelsen) wohl als Grundlage für einen möglichen Staffel-drei-Plot.

Die Neuen

Denselben fahlen Beigeschmack hinterlassen die an sich sehr interessanten Stiefgeschwister Max (Sadie Sink) und Billy (Dacre Montgomery), die neu nach Hawkins gezogen sind. Sie ist ein Tomboy, er ein psychotischer Narzisst, und es wird stets angedeutet, dass ein tragisches Schicksal die beiden aneinanderbindet. Doch ausgearbeitet wurde dieses nicht. Noch nicht. Das sparen sich die Duffers wahrscheinlich für die (bereits versehentlich angekündigte) dritte Season auf.

Die Bedrohung

Das gilt wohl auch für die neue Gefahr, die aus der Upside-Down-Parallelwelt droht. Staffel zwei beginnt damit, dass ein (nur in ebendiesem Upside Down sichtbarer) Sturm über Hawkins aufzieht. Und sie endet damit, dass dieser Sturm über Hawkins aufgezogen ist. Was er bedeutet und wie er über die Kleinstadt hereinbricht, wird noch nicht gezeigt.

Dazwischen bekämpfen die Protagonisten eine Horde kleiner und ziemlich ungruseliger Demogorgons – ein schlechter Scherz im Vergleich zum Horror-Demogorgon aus Staffel eins. Die wahre Bedrohung geht vom spinnenartigen Schattenmonster aus, das aber meist nur angedeutet wird – wohl ebenfalls, um Stoff für die nächste Staffel zu haben.

Das Fazit

Nach dem durchschlagenden Erfolg hat Netflix den Duffer Brothers sehr wahrscheinlich einen ganzen Budget-Batzen mehr zur Verfügung gestellt. Dieser wurde in neue Locations, neue Figuren und neue alte Songs investiert – in zu viele: Ja, das «Ghostbusters»-Theme, der «Scarface»-Stampfer «Push It to the Limit» und die Teenie-Hymne «Waiting for a Girl Like You» von Foreigner sind witzig, aber nehmen dem in den Hintergrund gerückten, fabelhaften Score von Kyle Dixon und Michael Stein den Platz weg und verbreiten ein unnötiges «Weisch na, wie geil s damals gsi isch?»-Gefühl.

Neu und mehr ist eben nicht immer besser. Staffel eins von «Stranger Things» war wie das phänomenale Debütalbum einer neuen Band, die alle Zeit der Welt hatte, um mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln ihre Vision einer Platte umzusetzen. Staffel zwei krankt am aufgeblasenen Budget und der Aufgabe, die Grundlage für weitere Seasons zu schaffen.

Sie ist trotzdem gut und unterhaltsam geworden. Aber den Kultcharakter der ersten erreicht sie zu keinem Zeitpunkt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ralph D am 30.10.2017 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Was will man denn mehr?

    Meiner Meinung nach standen die Duffer Gebrüder nach der sensationellen ersten Staffel und dem ganzen Hype um die Serie vor einer ziemlichen Mamutaufgabe. Für mich haben sie diese mit bravour gemeistert. Man musste neue Impulse setzen und doch hat für mich die zweite Staffel nichts an frische verloren. Die Entwicklung der Charakteren ist ebenfalls geglückt, was auch nicht selbstverständlich ist. Auch wenn die zweite Staffel nicht besser als die erste sein mag, so ist sie auch nicht markant schlechter, was gemäss dem Erwartungsdruck schon eine sehr gute Leistung ist.

  • Nr. 2 am 30.10.2017 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    besser als 1

    Ich fand sie viel besser als die Erste, weil die Geschichte dichter wurde. Staffel 1 war im Prinzip nach 3 Folgen durch und wurde etwas arg in die Länge gezogen - Staffel 2 war abwechslungsreicher.

  • se am 30.10.2017 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Serie is der Hammer

    muss sagen das der 2 Teil mir auch besser gefallen hat wie der 1ste.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Naomi Ruta am 31.10.2017 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2. Staffel war der Hammer (2)

    Ich will auch noch anfügen, dass die Episode mit Eleven und ihrer Schwester sich zwar ein wenig fehl am Platz angefühlt hat aber dennoch wichtig war. Eight (aka Kali) hat ihr beigebracht wie sie ihre Kräfte besser und effizienter nutzen kann und ich denke kaum das Eleven es am Ende geschafft hätte das Tor zu schließen ohne dieses Training. Und klar die Demodogs waren nicht so gruselig wie der Demogorgon aber die hauptsächliche Gefahr ging auch nicht von denen aus sondern vom Mindflayer und wie er von Will besitzt ergriffen hat und das fand ich schon etwas unheimlich.

  • Naomi Ruta am 31.10.2017 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2. Staffel war der Hammer

    Ganz ehrlich, ich fand die 2. Staffel besser als die Erste. Bei der ersten hatte ich etwas Mühe am Anfang und diese Staffel fand ich schon ab Episode 1 total spannend und hatte diesen Drang weiter schauen zu müssen. Und im Gegensatz zum Kritiker fand ich es cool, haben sie solch bekannte Songs gebraucht. Das hat einem noch ein grösseres Gefühl der Nostalgie gegeben und das waren halt die Songs die 1984 rauskamen resp. angesagt waren. Schade wurde Dustins und Steves Bromance hier nicht angesprochen. Das war einer meiner lieblingsmomente der ganzen Staffel.

  • Pifan73 am 31.10.2017 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Fazit: Super Fortsetzung Super Jungdarsteller Super Story Wer es anders sieht, hat zu viele schlechte Filme gesehen und diese als cool empfunden, nicht wahr Schimun Krausz ;-)

  • Philipp am 31.10.2017 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel CGI doch weiterhin mega

    Vor allem die Musik und die Leistung der jungen Schauspieler sind einsame spitze. Das ganze erinnert auch ein wenig an "Super 8"

  • elruuko am 31.10.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nostalgie 80er

    Bitte noch Gremlins theme song hinzufügen. im staffel 2 folge 3 :)