Monoton wie ein Tastentelefon

18. Oktober 2017 05:44; Akt: 18.10.2017 05:44 Print

Ist Joel eigentlich ein Roboter?

von Yves Schott - Seine Sätze klingen eintönig und emotionslos – schon fast einschläfernd. Ist Bachelor Joel Herger so ein Langweiler? Der Grund liegt viel tiefer.

Joels Sätze wirken abgedroschen: Das hat einen guten Grund (Video: 3+/Tamedia).
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Die Kulisse ist zweifellos stattlich – die erste Nacht der Rosen, 21 Frauen in galanten Abendkleidern, die Stimmung angespannt. Wer fliegt raus, wer darf bleiben? Dann endlich kommt er, der Bachelor.

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Doch viele Ladys dürften ihren Ohren nicht trauen, als Joel Herger seinen Mund aufmacht. «Jetzt schon Entscheidungen zu treffen, obwohl ich nicht die Möglichkeit hatte, euch besser kennen zu lernen, ist mega hart.» Eine hoch emotionale Aussage – runtergeleiert, als müsste der 34-Jährige gerade das Verhältnis von Theologie und Philosophie anhand von Luther und Aristoteles erklären.

Als Laie hat es Joel schwierig

PR-Profi Ferris Bühler ist nicht überrascht. Bachelor Joel schlüpfe hier in die Rolle eines Moderators, den es aber so eigentlich nicht gebe: «Da ist es logisch, dass er als Laie einen extrem schwierigen Standpunkt hat, denn er muss die Namen aller Kandidatinnen wie auch ihre Charaktereigenschaften kennen.» Und das schon in der ersten Folge.

Weiter gehts im Theater der einsilbigen Einfachheiten. Joel, als er anhand der Fotos seiner Bewerberinnen entscheiden muss, wen er nach Hause schicken will:
- «Es gab schon einfachere Situationen in meinem Leben.»
- «Eine der Ladys finde ich sehr anziehend. Ich bin gespannt, ob sich dieses Gefühl in Zukunft noch verstärken wird.»
- «Gefühle sind kein Spiel. Deshalb werde ich mir meine Entscheidung nicht leicht machen.»
Wie ein mit Valium vollgepumpter Roboter brummt der Schwyzer seine Sätze aus dem Off runter – monoton und mechanisch.

«Jeder Fünfjährige ist glaubwürdiger»

Für Bühler steht fest, dass diese Situation gestellt ist: «Die Emotionen des Bachelors sind hier kaum echt. Jedes Samichlaus-Sprüchli eines fünfjährigen Kindergärtlers ist glaubwürdiger, weil Joel alles nachreden muss, was ihm vorgegeben wird.» Ein klarer Widerspruch zur Behauptung von 3+-Chef Dominik Kaiser, der 20 Minuten erklärte, in der Show sei nichts gescriptet!

Auch für Joels unnatürlich ungelenkes Auftreten in der Nacht der Rosen hat der PR-Experte eine Erklärung. Formulierungen wie «Die erste Rose geht an eine Frau, die mit mir auf Augenhöhe ist» oder «Mein erster Eindruck von dir war umwerfend, der zweite hat das nur noch bestätigt» gibt er hölzern und zaudernd von sich. Joel spricht mindestens so steif, wie er sich in seinem Anzug bewegt.

Logisch, dass die Transfrau nicht gleich rausfliegt

«Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Regie ein Wörtchen bei der Wahl, wer rausfliegt und wer bleiben kann, mitredet», meint Bühler dazu. «Es liegt auf der Hand, dass man die Transfrau nicht in der ersten Nacht rausschmeisst. Joel muss also Fremdentscheidungen mittragen und verkaufen, was für einen Laien sehr schwierig ist.»

Noch ein Unterschied zu Kaiser also, der beteuerte, der Bachelor könne in diesem Bereich völlig autonom entscheiden. «All diese Faktoren haben damit zu tun, dass der Bachelor dann nicht natürlich spricht», so Bühler.

3+ macht eigentlich alles richtig

Für ihn ist das Verhalten von 3+ im Übrigen völlig nachvollziehbar: «Schliesslich soll die Sendung möglichst gute Quoten erzielen, sie ist ein Unterhaltungsformat. Wenn ‹Der Bachelor› zu einer seriösen Datingshow verkommen würde, wäre das der Tod dieser Sendung.» Stimmt, gewisse Situationen zu inszenieren, ist eigentlich überhaupt kein Problem. Nur dazu stehen dürfte man.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eichi am 18.10.2017 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So what?

    Vielen Dank für den endlich mal sehr ehrlichen Bericht. Trotzdem ändert es nichts an der Tatsache, dass die Sendung absolut unterirdisch, von jeglichem Niveau befreit, peinlich und doof ist!

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  • Stöff am 18.10.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Ist doch klar, wenn man alles auswendig lernen muss und ein schlechter Auswendiglerner ist. Auch mit einem Knopf im Ohr, ist das Nachplappern nicht Jedermanns Sache. Und wer glaubt, dass hier etwas echt ist, ist einfach nur naiv.

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  • Roger am 18.10.2017 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer schaut so was?

    Wer schaut so was? ... reine Zeitverschwendung, aber wenn wir dann die 28 Stunden Arbeitswoche haben, haben wir ja genügend Zeit für solches Zeugs ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruti Ma am 18.10.2017 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besseres dreh buch

    Also der Drehbuch autor war schon in den Emotionalen phase aber der Coach für de Bechlor ist ein wenig eingerostet. Macht eine weni realistischer. Das ist zu abgelesen. Und warum hört man seine Stimme aber er bewegt sein Mund nicht. Mehr Professionalität bitte

  • Elch.Test am 18.10.2017 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Sprecher aus dem Off ...

    ... oder wie mühsam es ist, einen in Deutsch verfassten und so gelernten Text in Dialekt wiederzugeben. Da sind Wörter und Satzstellungen zu hören, welche es in unserem Sprachgebrauch gar nicht gibt! Darum

  • Beobachter 73 am 18.10.2017 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nu..en Roulette

    Und das Nu..en Roulette dreht sich weiter... .

  • Susi am 18.10.2017 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Voll daneben...

    Warum hat man überhaupt eine Transe als Kandidatin eingeladen? Immerhin wusste 3+ ja um die Pläne vom Bachelor, langristig eine Familie gründen zu wollen. Warum laden sie nicht auch noch Lesben als Kandidatinnen ein, um dem neuen Genderwahn Rechnung zu tragen?

  • Mario M. am 18.10.2017 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Oh Mann, oh Mann!

    Was für eine Freak-Show (...). Ich kann nur hoffen, dass keiner meiner Kinder sich sowas mal später antun werden.