Dauerkritik an Gubser/Mayer

07. März 2017 09:45; Akt: 07.03.2017 09:45 Print

Ist der Luzerner «Tatort» wirklich so schlecht?

von Yves Schott - Die Geschichten ändern sich, die Kritik bleibt: Praktisch jeder «Tatort» mit Stefan Gubser und Delia Mayer fällt in den deutschen Medien durch. Zu Recht?

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Ein Highlight war die Folge nicht. Aber auch kein Reinfall. In «Kriegssplitter» wurden die beiden «Tatort»-Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) in die Ausläufer des Tschetschenien-Konflikts verwickelt. Ein Politthriller am Sonntagabend: Kann man mal machen.

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Auf Gegenliebe stiess der Krimi aus Luzern in Deutschland nur bedingt. Nett ausgedrückt. Der «Spiegel» bemängelt «arg grobe Erzählschneisen» und «unglaubwürdige Situationen». Die «Süddeutsche Zeitung» stört sich an den «wie immer rätselhaften Kommissaren».

«Wie in Zeitlupe»

Die Kritik an Gubser und Mayer ist nicht neu. Die deutschen Medien lassen kaum je ein gutes Haar an den beiden Ermittlern. So beschrieb die «FAZ» nach der Episode «Freitod» im vergangenen September das Duo als «leisetreterisch» und «wie in Zeitlupe durch die Handlung geisternde Kommissare». Zur Folge «Es wird gerichtet» bescheinigte der «Stern» Gubser und Mayer einen «schwachen Auftritt» und resümierte: «An den Sherlock-Qualitäten von Ritschard und Flückiger kommen bei ihrem achten gemeinsamen Fall Zweifel auf.»

«Tatort»-Experte Joachim Schmitz von der «Neuen Osnabrücker Zeitung» in Deutschland hält fest, dass Luzern seiner Ansicht nach tatsächlich einen holprigen Start hingelegt habe. «Mittlerweile haben sich die beiden Kommissare aber gefunden und niveaumässig einen klaren Sprung nach oben gemacht.» Der Journalist attestiert ihnen «sehr wohl Potenzial».

SRF verteidigt Ermittler

Der zuständige SRF-Bereichsleiter Fiktion, Urs Fitze, erklärt auf Anfrage von 20 Minuten, die Kritik ziele mehr auf die Rolle denn auf die Besetzung: «Reto Flückiger und Liz Ritschard sind ein Team, das sich gern auf den Fall konzentriert und durch seine Arbeit überzeugt. Im Zwischenmenschlichen haben die beiden nicht ständige Reibung, sondern sie verstehen sich gut. Das wird dann wohl als ‹blass› beurteilt.»

Die Diskussion, in der stets an den zwei Protagonisten herumgenörgelt wird, ist laut «Tatort»-Kenner François Werner, der jede einzelne Folge mindestens einmal gesehen hat, deshalb nicht zielführend. «In Deutschland stört man sich wohl an etwas anderem: der Behäbigkeit der Fälle etwa.» Ein weiteres Problem sei ausserdem die Nach-Synchronisierung von Schweizerdeutsch auf Hochdeutsch – dadurch gehe einiges an Dynamik verloren, vermutet der Mannheimer.

Schmitz seinerseits wünscht sich in den Drehbüchern «mehr Konstanz»: «dass Geschichten, wie jetzt mit Flückiger und seiner Geliebten, horizontaler erzählt, also in einer nächsten Folge wieder aufgenommen werden».

«Platzierung war stiefmütterlich»

Kommt hinzu: Für die schwachen Quoten kann der Luzerner «Tatort» manchmal gar nichts dafür. «Teilweise war die Platzierung der Schweizer ‹Tatorte› im deutschen Fernsehprogramm etwas stiefmütterlich. Mehrfach kam es vor, dass eine Folge im September gezeigt wurde, als halb Deutschland noch in den Ferien war», gibt Schmitz zu bedenken.

«Tatort»-Kenner François Werner empfiehlt den Schweizern generell, auf Kritik aus Deutschland nicht allzu empfindlich zu reagieren. «Sie mag teilweise übertrieben und ungerechtfertigt sein – aber das ist sie bei deutschen Episoden auch.»

«NOZ»-Journalist Schmitz traut Luzern jedenfalls «eine weitere Steigerung durchaus» zu. «Das gesicherte Mittelfeld ist längst erreicht, um es in der Fussballsprache auszudrücken.» Nun gilt es, sich nach vorne zu orientieren. Ganz oben winkt die Champions League.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • solexli am 07.03.2017 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Tatort

    Nun ja ich sah den Tatort immer gerne. Allerdings in letzter Zeit, egal aus welchem Land, finde ich den Tatort sehr langweilig.

  • Ich und Du am 07.03.2017 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche sind nicht besser

    Ja also, wenn man den mit dem vorletzten vergleicht (Der mit den Laienspielern) dann war der absolut top. Da hab ich doch tatsächlich das erste mal einen Tatort abgeschaltet. Aber ehrlich, es gibt in letzte Zeit selten mehr einen Tatort der wirklich gut ist. Und das ewgie Flüchtling oder Einwandere Thema das hängt mir sowieso schon lange zum Hals raus.

  • Patrick am 07.03.2017 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stephan Gubser geht definitiv so nicht!

    Ja zu Recht. Meiner Meinung nach ist Stephan Gubser ein miserabler Schauspieler, zum Teil unerträglich wie er diese Rolle umsetzt. Langweilig, ohne Biss, zum abschalten und davonrennen. Schlaftablettenmässig hoch3. Sorry so gehts definitiv nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • humpty am 07.03.2017 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falscher titel

    die folge "es wird gerichtet" hiess "ihr werdet gerichtet" und war eine der besten tatort-folgen die ich je gesehen habe.

  • gloria derungs am 07.03.2017 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der pepp fehlt fast immer

    es gibt ein paar gute tatort-folgen, hüben wie drüben. aber geschätzte 80% ist schrott. schlechte drehbücher, doofe themen und immer dieses "private" der tatort ermittler. nehmt euch ein beispiel bei hitchkock, agathe cristie oder columbo. spannend und am schluss die auflösung genial. beim tatort meist banal.

  • D. Meier am 07.03.2017 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer besser

    Mir gefällts! Ich finde, dass die Folgen besser geworden sind. Und ich bin ein echter Krimifan ;-)

  • Rose am 07.03.2017 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War gut

    Ist ein Krimi wirklich schlecht, nur weil nicht im Minutentakt Leute umgebracht werden? Braucht es wirklich "jede Menge Tote". Ich mags lieber mit leiseren Tönen und etwas Kopfarbeit zum Mitdenken.

  • Eidgenosse am 07.03.2017 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schade finde ich,

    dass die Stadt Luzern kaum je zu sehen ist. Es soll ja auch etwas Werbung sein. Aber auch die letzte Folge fand in einem sehr düsteren Umfeld statt. Irgendwelche verlassenen Betonbauten, keine Leute zu sehen, ausser dem Polizei- oder Fluchtfahrzeug keine Auto auf der Strasse. Und eben, selten sieht man, dass der Krimi in Luzern gedreht wurde.