«Schadet der Musikvielfalt»

05. Januar 2018 11:52; Akt: 05.01.2018 11:52 Print

Will dieser Radiosender Geld für Plays?

Eigentlich sollte die Qualität der Musik darüber entscheiden, ob ein Song im Radio gespielt wird. Ein Schweizer Sender verlangt nun angeblich Geld dafür.

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Auf Facebook kursiert derzeit ein E-Mail des DAB-Radios Smash in Olten, aus dem hervorgeht, dass der Sender Geld verlangt, damit Songs von unbekannten Künstlern ins Programm aufgenommen und gespielt werden. Genau genommen sind es 180 Franken pro Titel, nächstes Jahr steigt der Betrag auf 250. Die Begründung des Senders im Mail: «Da bei uns täglich sehr viele Songs eingereicht werden [...], ist es uns nicht mehr möglich, diesen Dienst kostenlos zur Verfügung zu stellen.»

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Geld für Plays am Radio – ist das sinnvoll?

Musikmanager Simon den Otter, der unter anderem mit Manillio und Ira May arbeitet, hat dieses Mail ebenfalls bekommen. Seine Musik-Agentur Hertzhaft vertritt auch Newcomer wie die Zürcher Indie-Rock-Band The Birthday Girls. Damit Radio Smash einen Track der Band spielt, hätte den Otter zahlen müssen. Er ist entrüstet darüber. «Geld von Künstlern für Airplay zu verlangen, ist absoluter Schwachsinn und hat nichts mehr mit redaktioneller Arbeit zu tun», sagt er zu 20 Minuten. Besonders sauer stösst ihm auf, dass Radio Smash ausgerechnet von Newcomern Geld verlangt, die besonders auf Präsenz im Radio angewiesen sind.

Radio-1-Musikchef glaubte an einen Scherz

Dani Wüthrich, Musikchef von Radio 1, dachte erst, das Mail sei ein Witz. «Schweizer Musiker können ja schon so kaum mehr von ihrem Schaffen leben. Wenn sie nun auch noch für Radioplays zahlen müssen, dann ist es so, als würden sie sich ihren eigenen Lohn berappen», sagt er. Und er fügt an: «Ein solches Vorgehen ist schon fast frech. Wird ein Song im Radio gespielt, dann bekommt der Künstler wenige Rappen bis Franken von der Suisa. Bei so einer Praxis bleibt unter dem Strich fast gar nichts mehr für den Künstler», erklärt er weiter.

«Ob ein Song bei Radio 1 gespielt wird oder nicht, hängt von der Qualität ab», sagt Wüthrich. Ausserdem: «Einen Song mit Geld einbuchen zu können, würde unsere musikalische DNA komplett verwässern. Aus diesem Grund suchen wir unsere Musik noch immer gern selbst aus.»

Baba Shrimps: «Würden das Geld eher in einen Youtube-Clip investieren»

Bei der Suisa, die die Urheberrechte von Musikschaffenden verwaltet, hört man zum ersten Mal von solch einer Praxis eines Schweizer Radiosenders. «Illegal ist das Vorgehen nicht, solange ein Teil der generierten Einnahmen an die Suisa und damit an die Urheber von Musik abgeführt wird», sagt Giorgio Tebaldi, Sprecher der Suisa. Er findet aber, dass es der Musikvielfalt schade, wenn nur noch bezahlte Titel am Radio gespielt würden.

Die Schweizer Band Baba Shrimps ist nicht mehr an einem Punkt, wo sie für Radio-Airplay bezahlen müsste, die Sender spielen ihre Tracks mit Handkuss. Ausserdem waren sie noch nie mit so einer Situation konfrontiert, sagt Sänger Adrian Kübler. «Wir hätten das Geld aber wohl eher in ein Video investiert, dieses auf Youtube gestellt und so potenziell mehr Reichweite generiert», erklärt er. Aber: «Für einen Musiker ist es noch immer ein grosser Traum, am Radio gespielt zu werden. Mit diesem Traum wollen ganz viele Kohle machen», fügt Kübler lachend an.

Radio Smash: «Unser Mail-Account wurde gehackt»

Zum Zeitpunkt, als das besagte Mail bei Musikern und Managern landete, waren die Verantwortlichen des Senders für 20 Minuten nicht erreichbar. Nun, im neuen Jahr, nahm Andreas Peter, Geschäftsführer von Radio Smash, Stellung zur Nachricht.

«Unser Mail-Account wurde gehackt, bei der Nachricht handelt es sich um Spam», erklärt er. Selbstverständlich spiele Radio Smash Musik, auch die von Newcomern, gratis. «Aber nur dann, wenn die Qualität unseren Ansprüchen genügt», gibt Peter zu bedenken.

(lme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ivo Hollenstein am 05.01.2018 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Schelm wer sich was böses denkt

    Beim einen oder anderen privaten Radiosender frage ich mich manchmal schon, ob da nicht der eine oder andere Deal mit dem Interpreten geschlossen wurde, so viel wie deren Lieder dort laufen aber was weiss ich schon.

  • Michi am 05.01.2018 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    Das ist doch genau das was die No-Billag-Fans wollen! Jeder Sender soll selber schauen wie er zu Geld kommt.

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  • Chris am 05.01.2018 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht alles ist wie es scheint

    Von einem Radiosender der Geld nimmt für plays höre ich das erste mal. Ich weiss jedoch, dass es in den 90ern Firmen gab, die für eine fünfstellige Summe garantieren konnten, dass ein Titel in die Charts kommt. Und da diese Songs dann automatisch gespielt wurden von den Radiosendern, kam das im Prinzip auf das selbe raus. Ob das heute in Zeiten von mp3 und streaming noch funktioniert und gemacht wird, keine Ahnung. Ich arbeite schon seit längerem nicht mehr für diese Branche.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul am 06.01.2018 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und ..

    .... und ? Das ist seit dem ersten Musikvideo welches jemals auf MTV ausgestrahlt wurde, so. Nichts ist Umsonst.

  • Midas Rex am 06.01.2018 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Tanz um...

    Cooler Trend. Erhalte ich in Restaurants auch bald Geld, wenn ich die Menus bestelle, die etwas weiter unten auf der Speisekarte stehen (vom Koch als Promoter)? Ich verspreche dann ganz anständig und mit zufriedenem Lächeln zu essen!

  • RFK am 05.01.2018 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sehr gut geschrieben

    "...sind es 180 Franken pro Titel, nächstes Jahr steigt der Betrag auf 250..." bis ende 2017 180.- ab 2018 (wir befinden uns bereits in diesem "nächsten" Jahr) 250.-

  • Jacka am 05.01.2018 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In USA, GB, etc.....

    ist dieses System seit x Jahrzehnten im Einsatz. Wir sind es uns eben nicht gewohnt, da hintenrum geschmiert wird. Warum werden dann täglich immer dieselben Liedchen gespielt und dies bis zum letzten Nerv?

  • Well Done am 05.01.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Guter PR Schachzug und alle fallen rein!

    Radio Smash? Das kennen selbst Brancheninsider nicht. Also ist das wohl einfach eine gute, kostenlose Plattform um für das Radio Smash Werbung zu machen. Das ist wohl alles.