Lungenkrebs

06. Dezember 2017 02:55; Akt: 06.12.2017 21:11 Print

Rockmusiker Johnny Hallyday ist tot

Seine unverkennbare Reibeisenstimme ist verstummt: Johnny Hallyday ist im Alter von 74 Jahren verstorben. Er litt an Lungenkrebs.

Gestorben: Frankreich trauert um Musikikone Hallyday. Video: Tamedia/AFP
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Altrocker Johnny Hallyday gehört zu Frankreich wie der Eiffelturm oder das Baguette. Während die Rock-Ikone mehr als 100 Millionen Platten verkaufte, war er vielen Franzosen peinlich, mit seiner Selbstdarstellung und seinem Jugendwahn. Nun ist das Urgestein im Alter von 74 Jahren gestorben.

Die Franzosen liebten ihn. Und wer liebt, verzeiht: Steuerflucht, Alkohol, Drogen. Hallyday wurde während drei Generationen von Franzosen angehimmelt und gefeiert. Schweissüberströmt mit Goldkettchen, Sonnenbrille und Gitarre hatte er den Rock auf Französisch interpretiert. Seine Mega-Stadion-Konzerte sind legendär.

Johnny Hallyday ist tot

Hallyday war ein Phänomen. Auf der Liste der Musikikonen steht er ganz oben, gleich neben Edith Piaf. «Noir c'est noir» (Schwarz ist Schwarz), «Cheveux longs idées courtes» (Lange Haare, kurze Ideen), «Ma gueule» (Meine Fresse) – so heissen einige von Hallydays bekanntesten Songs.

Seine Ausflüge in die deutsche Sprache wie «Ja der Elefant» von 1961 und «Lass die Leute doch reden» von 1965 sind dagegen in Vergessenheit geraten. In dieser Zeit absolvierte er seinen Militärdienst in einer französischen Kaserne im badischen Offenburg.

Er liebte es bombastisch

Hallyday liebte es bombastisch: Seine aufwändigen Konzerte mit spektakulären Bühnen, Riesenleinwänden und Feuerwerk waren spektakulär. Noch in diesem Sommer tourte er mit den beiden anderen Chanson-Grössen Jacques Dutronc und Eddy Mitchell unter dem Titel «Vieille Canailles» (Alte Halunken) durch Frankreich, Belgien und die Schweiz. In diesen französischsprachigen Ländern hatte Hallyday die meisten Fans.

Geboren wurde er am 15. Juni 1943 als Jean-Philippe Smet in Paris als Sohn eines belgischen Varieté-Künstlers und eines französischen Models. Der Vater verliess die Familie, als Hallyday acht Monate alt war. Nach der Trennung seiner Eltern kümmerte sich eine Tante um den Jungen. Er interessierte sich früh für den aus den USA kommenden Rock'n'Roll und trat mit Elvis-Presley-Songs auf.

Mit erst 17 Jahren war Johnny Hallyday einer der ersten, der Rock'n'Roll in Frankreich bekannt machte. Im Jahr 1960 brachte Hallyday seine erste Platte mit dem Dalida-Cover «T'aimer follement» auf den Markt. Drei Jahre später spielte er bei einem Freiluftkonzert in Paris vor 150'000 Zuhörern. Für Frankreichs Jugend stieg er zum Idol auf; im konservativen Frankreich der De-Gaulle-Ära verkörperte er den wilden Rock'n'Roll.

Neues Lebensgefühl

Hallyday war in Frankreich, was in Amerika in den 70er Jahren die Beatles und Presley: Die Verkörperung eines neuen Lebensgefühls, des Drangs nach Freiheit. Hallyday hat sich wie ein Chamäleon den verschiedenen Trends angepasst und sie in seine Musik integriert: Dem Rock'n Roll folgten Country, Psychedelisches, Techno oder Hip-Hop.

Er arbeitete mit grossen Pop-Stars wie Jon Bon Jovi und Patrick Bruel zusammen. Mit Songs wie «Quelque chose de Tennessee», «Oh, ma jolie Sarah» oder «Je t'aime» schwankt er zwischen Joe Cocker, Elvis Presley und Georges Brassens.

Fast 50 Studio-Alben nahm der Sänger im Laufe seiner Karriere auf, rund 40 seiner Platten wurden mit Gold ausgezeichnet. Er absolvierte rund 180 Tourneen und spielte auch in mehreren Kinofilmen mit.

«Alles ausprobiert»

Hallydays hagerem Gesicht waren die Exzesse seines Lebens anzusehen. Er habe «alles ausprobiert», sagte Hallyday einmal. Vier Ehefrauen und zahllose Affären hatte er. Seit 1996 war er dann mit der rund 30 Jahre jüngeren Laeticia verheiratet.

Mit mehr als 100 Millionen Alben hat sich der Rocker ein Vermögen ersungen. Während die Franzosen ihm seine Exzesse weitgehend nachsahen, verprellte Hallyday viele mit seiner Steuerflucht. 2006 liess er sich in einem Chalet im Schweizer Gstaad nieder, weitere Wohnsitze hatte er in Los Angeles und auf der Antillen-Insel Saint-Barthélémy.

Mehrere Scheidungen, Selbstmordversuch, Alkohol- und Drogenprobleme, Vorwurf der Vergewaltigung: Seine Beliebtheit hat dennoch nie Schaden genommen. Er veröffentlichte gar eine Autobiografie, in der er mit dem Pop-Business und alten Freunden abrechnet.

In den vergangenen Jahren sorgte der Rocker vor allem mit Gesundheitsproblemen für Schlagzeilen. Im Jahr 2009 überstand er einen Darmkrebs und ein künstliches Koma, in das er nach einer Bandscheiben-Operation versetzt werden musste. Nun ist er einem Lungenkrebs erlegen.

«In jedem Franzosen steckt etwas von Hallyday»

In jedem Franzosen stecke etwas von Hallyday, würdigte der französische Präsident Emmanuel Macron den Rockstar. «Er hat einen Teil von Amerika in unser nationales Pantheon gebracht.» Hallyday hatte über Jahrzehnte hinweg Stadien gefüllt. Er galt als der französische Elvis Presley.

Macrons Büro erklärte, der Präsident habe nach der Nachricht mit Hallydays Familie gesprochen. Der Star hatte seit längerer Zeit an Lungenkrebs gelitten und wiederholt gesagt, Angst um seine Gesundheit zu haben.

Neben Macron war Celine Dion unter den ersten Prominenten, die ihr Beileid bekundete. Bei Twitter schrieb sie, Hallyday sei ein Riese im Showbusiness und eine wahrhaftige Ikone gewesen.

(chk/mch/sda/ap/afp)