Kinostarts der Woche

10. Oktober 2018 21:37; Akt: 10.10.2018 21:37 Print

Eine Nacht, die alles andere als normal wird

von Mohan Mani - «Bad Times at the El Royale» ist ein stilvoller Thriller mit Tarantino-Touch – zu sehen ab diesem Donnerstag im Kino.

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Blick in ein Sixties-Hotelzimmer: Ein Mann tritt ein und schaltet das Radio ein. Dann verschiebt er die Möbel und öffnet den Fussboden, um eine Tasche zu verstecken. Zehn Jahre später treffen mehrere Fremde am Lake Tahoe im gleichen, mittlerweile heruntergekommenen Hotel El Royale aufeinander. Jeder Gast hat irgendein dunkles Geheimnis. Und Konfrontationen scheinen vorprogrammiert.

Handverlesene Rollenbesetzung

Bis zum feurigen Finale nimmt sich der «Cabin in the Woods»-Macher Drew Goddard viel, nein, sehr viel Zeit. Die 140-minütige Thriller-Story erzählt er nicht linear, sondern mit zahlreichen Rückblenden, die oft genug im dümmsten Moment erscheinen und den Handlungsfluss so massiv behindern. Diese Art des Erzählens hat ein Quentin Tarantino (zuletzt mit «The Hateful Eight») deutlich besser im Griff. Anderseits könnte die Rollenbesetzung mit Jeff Bridges (als Geistlicher), «Mad Men»-Star Jon Hamm (als Handelsvertreter), «50 Shades of Grey»-Beauty Dakota Johnson (als Hippie-Girl) und Chris Hemsworth (als Frauenheld) nicht besser sein. Und über weite Strecken hinweg hat man an ihrem Zusammenspiel die grösste Freude, wobei Lewis Pullman (als Concierge) und Cynthia Erivo (als Sängerin) das handverlesene Besetzungsensemble vervollständigen.

Viel Style vor Story

Wie schon im ähnlich verschachtelten Thriller «Identity» aus dem Jahr 2003 erweist sich auch hier eine Absteige als heimlicher Hauptdarsteller, die sich diesmal just auf der Grenzlinie zwischen den US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien befindet. Wer auf stilvolle Sets, eine atmosphärische Bildsprache und überraschende Story-Wendungen steht, der kriegt hier das volle Programm – auch wenn sich der Krimi-Plot rückblickend locker in 90 Minuten abhandeln liesse.

Ab Donnerstag ebenfalls im Kino: «Fahrenheit 11/9» von und mit Michael Moore

Man mag seinen selbstverliebt-satirischen Dokumentarfilmstil in (Mach-) Werken wie «Bowling for Columbine» bis «Sicko» lieben oder hassen – doch es gelingt Michael Moore mit seinem provokativ-unterhaltsamen Stil immer wieder, die breite Masse selbst für schwierige Themen zu interessieren. «Fahrenheit 11/9» beginnt mit der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten im Jahr 2016, um wenig später auf einen Wasserskandal in Moores Heimatstadt Flint (Michigan) zu fokussieren. Spätestens dort kriegt auch Trumps Vorgänger Barack Obama ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Moore nimmt kein Blatt vor den Mund

Anhand einer Schulschiesserei in Parkland (Florida) oder einem Lehrerstreik in West Viriginia deckt Moore weitere gesellschaftliche Missstände im heutigen Amerika auf. Der «dicke Linke» setzt sich einmal mehr in Szene, zeigt seine (ultra-liberale) Weltsicht und nimmt kein Blatt vor den Mund, sodass einem mehrmals das Lachen im Hals stecken bleibt. Nur schon daran könnte sich so manch bieder-brave Schweizer Dokumentarfilmer eine dicke Scheibe abschneiden.