Sexuelle Belästigung

12. Oktober 2017 05:45; Akt: 16.10.2017 06:45 Print

Kommt es zur Anklage gegen Harvey Weinstein?

Ein New Yorker Staatsanwalt gerät unter Druck, weil er nicht gegen Harvey Weinstein wegen sexueller Übergriffe ermittelt hat, obwohl ihm Beweise vorlagen.

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«Weshalb ziehen wir den Präsidenten nicht zur Rechenschaft?»: Drei weitere Frauen werfen Trump vor, sie belästigt zu haben. (11. Dezember 2017) Rückzug: Al Franken (M.) vor seiner Ankündigung im Capitol von Washington. (7. Dezember 2017) Klage am Hals: Die Schlilnge um Harvey Weinstein wird immer enger. (22. Februar 2015) «Es widerspiegelt genau, wer du warst»: Moderator John Oliver (links) legt sich öffentlich mit Dustin Hoffman an. Dem Schauspieler wird sexuelle Belästigung vorgeworfen. Konsequenzen: Demokrat John Conyers tritt zurück. (4. November 2017) Ein ehemaliger Staatsanwalt soll die Anschuldigungen gegen ihn überprüfen: Stardirigent James Levine. (Archivbild) Soll angeblich Ferien im Tessin machen: Der US-Produzent Harvey Weinstein, dem über 50 Frauen vorwerfen, er habe sie sexuell belästigt. (Archiv) «Wir können dieses Verhalten nicht tolerieren, und wir werden es nicht tolerieren»: Paul Ryan, Vorsitzender des Repräsentantenhauses. (28. November 2017) «Today» war gestern: Der entlassene Moderator Matt Lauer auf einem Bild von April 2016. Die britische Schauspielerin Kadian Noble hat Harvey Weinstein der sexuellen Nötigung angeklagt. Er habe zudem gegen Gesetze gegen Sexhandel (zu Deutsch: «sex trafficking») verstossen. (Archiv) Soll Frauen während Wahlkampfauftritten belästigt haben: Al Franken anlässlich einer Pressekonferenz in Washington. (27. November 2017) Angestellte sollen Grenzen überschritten haben: Ein Handy mit einer App von Massage Envy an einer Wellness-Messe in New York. «Unsere gesamte Gesellschaft ist an Sexismus erkrankt»: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. (25. November 2017) Erzählt von ihren eigenen Erfahrungen mit Diskriminierung und Belästigung: Natalie Portman am Vulture-Festival in Hollywood. (19. November 2017) Rechnet mit Harvey Weinstein ab: Uma Thurman, hier bei den Filmfestspielen in Cannes. (18. Mai 2017) Wegen Vergewaltigung zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe verurteilt: Robinho im Trikot von AC Milan. (Archiv) Er sei über die Vergewaltigungs-Anschuldigung «schockiert und traurig»: Nick Carter von den Backstreet Boys an den 52. Country Music Awards in Las Vegas. (2. April 2017) Sie sei damals 18 und noch Jungfrau gewesen. Nick Carter war 22 Jahre alt, schreibt Sängerin Melissa Schuman auf ihrem Blog. (10. Dezember 2003) Gehört zu den Missbrauchs-Opfern von Larry Nassar: Turn-Olympiasiegerin Gabrielle Douglas. Wurde von Harvey Weinstein begrapscht: Ambra Battilana Gutierrez. Nicola Werdenigg, eine ehemalige Skirennfahrerin, hat über schockierende Zustände im österreichischen Skisport der 70er-Jahre berichtet: Ein Bild der Skirennfahrerin (undatierte Aufnahme). Bild: Facebook/Nicola Werdenigg Auch den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton holen Missbrauchsvorwürfe ein: Bill Clinton bei einer Rede im Jahr 2016. Foto: John Locher (Keystone) «Ich habe mich zeitweise taktlos verhalten und übernehme dafür die Verantwortung»: Charlie Rose. (Archivbild) Der französische Chansonnier, Fotograf und Schauspieler Serge Gainsbourg (1928–1991) und seine zukünftige Frau Jane Birkin am 26. Mai 1971. Stellt sich auf die Seite von Weinstein und Spacey: Der britische Sänger Morrissey bei einem Auftritt in Kalifornien. (Archiv) «In den letzten 50 Jahren hatte ich sexuelle Beziehungen zu etwa 50 sehr attraktiven Frauen», schreibt ein Richter am Obersten Gericht von Ohio demonstrativ auf Facebook: Bill O'Neill. (Archiv) Es soll eine «Reihe von Beschwerden» geben: Die Teilnehmer des UNO-Klimagipfels in Bonn. (15. November 2017) Auch er ist mit Vorwürfen konfrontiert: Sylvester Stallone während einer Pressekonferenz für den Film «Creed». (6. November 2015) «Unangemessenes Verhalten»: Das Old Vic Theater in London hat 20 Vorwürfe gegen seinen früheren künstlerischen Leiter Kevin Spacey gemeldet. Will nicht mit Filmproduzent Bret Rattner an das Set: «Wonder Woman»-Darstellerin Gal Gadot. (25. Mai 2017) Fünf Frauen haben Vorwürfe gegen den US-Republikaner erhoben: Roy Moore. (Archivbild) Sitzt wegen Besitzes von Kinderpornografie im Gefängnis: Der ehemalige Arzt der US-Kunstturn-Nationalmannschaft Larry Nassar bei einer Anhörung in Michigan. (17. Februar 2017) Beschuldigt Nassar, sie sexuell missbraucht zu haben: Die 23-jährige US-Turnerin und Goldmedaillen-Gewinnerin Aly Raisman. Unter den vielen Demonstranten waren auch die Schauspielerin Frances Fisher und die afroamerikanische Aktivistin Tarana Burke, deren «#MeToo»-Slogan («Ich auch») von der US-Schauspielerin Alyssa Milano aufgegriffen und verbreitet worden war: Frauen mit «#MeToo»-T-Shirts und Postern über den Hollywood Boulevard und am Dolby Theatre vorbei, wo seit 2002 die Oscar-Trophäen verliehen werden. (12. November 2017) Verbreitet ein Erlebnis über sexuelle Nötigung auf Twitter: Pitch-Perfect-Star Rebel Wilson. Fühlte sich von Brett Ratner blossgestellt: Schauspielerin Ellen Page. Die US-Torhüterin Hope Solo sagt, Sepp Blatter habe ihr bei der Verleihung des Ballon d'Or im Januar 2013 an den Po gefasst: Solo und Blatter (rechts) verleihen Abby Wambach ihre Auszeichnung im Kongresshaus Zürich. (7. Januar 2013) «Diese Geschichten sind wahr»: US-Comedian Louis C. K. hat vor mehreren Frauen masturbiert. (15. September 2017) Eine Schauspielerin wirft Steven Seagal sexuelle Belästigung vor – er soll bei einem Vorsprechen seine Hose geöffnet haben: Der 65-Jährige an einer Pressekonferenz. (Archiv) Wartete angeblich im durchsichtigen Négligé auf ihren Leibwächter: Popstar Mariah Carey. Laut einem Freund Haims gab Sheen dem Jungen Gras zu rauchen und hatte Sex mit ihm: Charlie Sheen (hinten Mitte) mit Corey Haim (l.) und Kerri Green auf einem Promotion-Bild zum Film «Lucas» von 1986. (20th Century Fox Film) Wurde angeblich von einem Produzenten bedrängt: Schauspielerin Jane Seymour hier im Bett mit Roger Moore in einer Szene von «Leben und sterben lassen». Beurlaubung in gegenseitigem Einverständnis: Der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan wird vorerst nicht mehr an der britischen Oxford-Universität unterrichten. Sex im Auto als Geheimnis: Gleich zwei Frauen sagen, es sei dazu gekommen; die eine sagt, es sei «sehr bruta gewesen. Auch weitere Frauen werfen Tariq Ramadan sexuelle Brutalität vor. (Archivbild) Jetzt distanziert sich auch der Schweizer Uhrenhersteller IWC von US-Schauspieler Kevin Spacey. Netflix hat sich bereits von ihm getrennt, ebenso seine Agentur und seine Sprecherin. Soll einen Mann sexuell belästigt haben, als dieser 15-jährig war, und am Set der TV-Serie «House of Cards» männliche Angestellte angefasst haben: Kevin Spacey reagierte auf den Vorwurf mit dem Bekenntnis, dass er schwul sei. (Archivbild) Kristina Cohen sagt aus, dass sie vor drei Jahren vom britischen Schauspieler Ed Westwick zum Sex gezwungen worden sei. (Archivbild) Wenige Tage nach seinem Rücktritt im Zuge der Affäre um sexuelle Übergriffe von britischen Politikern ist der Regionalminister aus Wales, Carl Sargeant, tot aufgefunden worden. Der prominente österreichische Grünen-Politiker Peter Pilz ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Auch er soll eine Frau sexuell belästigt haben – als sie 17 Jahre alt war: Dustin Hoffman hat wegen des Vorfalls um Entschuldigung gebeten. (Archivbild) Zu Oralsex gezwungen oder masturbiert: Sechs Frauen werfen Brett Ratner vor, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. (Archivbild) Der ehemalige Kongressabgeordnete Anthony Weiner tritt seine Haftstrafe wegen Sexting an. (6. November 2017) Fordert eine Kultur des Respekts: Theresa May hat weitere Massnahmen präsentiert, nachdem Fälle von sexuellen Übergriffen britischer Parlamentarier bekannt geworden sind. Zwei Frauen warfen ihm sexuelle Belästigung vor: Der Chefredaktor des renommierten Radiosenders NPR, Michael Oreskes, trat daraufhin zurück. (Archivbild) Der konservative britische Verteidigungspolitiker Michael Fallon musste Anfang November wegen ähnlicher Vorwürfe zurücktreten. (Archivbild) Der britische Labour-Politiker Clive Lewis soll eine Frau unsittlich berührt haben. Er bestreitet den Vorwurf. (Archivbild) Der Druck auf den britischen Kabinettschef Damian Green nimmt zu: Auf seinem Computer im Parlament soll sich pornografisches Material befunden haben. (Archivbild) Die New Yorker Staatsanwaltschaft fordert zahlreiche Dokumente bei TWC an: Harvey Weinstein. (Archivbild) «Ich hätte nicht mit ihm verheiratet sein wollen»: Matt Damon soll nur davon gewusst haben, dass Weinstein ein Womanizer war. (23. Oktober 2017) «Da war mehr dran als an normalen Gerüchten»: Quentin Tarantino (l.) wusste nach eigenen Angaben von einigen Übergriffen von Harvey Weinstein (r.) auf Frauen – und tat nichts. (19. Oktober 2017) Tritt aus dem Verwaltungsrat seiner Produktionsfirma zurück: Harvey Weinstein. (Archivbild) Keine weitere Zusammenarbeit mit TWC geplant: Channing Tatum. (Archivbild) Als sie ihn abblitzen liess, sei er «aufgebracht» gewesen: «Game of Thrones»-Star Lena Headey. (Archivbild) Sagt, er habe in sie eindringen wollen: Die britische Schauspielerin Lysette Anthony ist die fünfte Frau, die Harvey Weinstein Vergewaltigung vorwirft. (Archivbild) Wirft Weinstein Vergewaltigung und Bezos Mitwisserschaft vor: US-Schauspielerin Rose McGowan. (Archivbild) Schauspielerin Rose McGowan soll von Weinstein gar Schweigegeld erhalten haben. Hat eine «schlechte Erfahrung» mit Harvey Weinstein gemacht: Schauspielerin Angelina Jolie. (Archivbild) Weinstein habe sie angefasst und wollte sie massieren: Gwyneth Paltrow. (Archivbild) Schauspielerin Ashley Judd gehört zu den Frauen, die gegen Weinstein Vorwürfe erheben. Der Filmproduzent war bereits mehrfach Gast am Zurich Film Festival, hier 2013.

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Nach den Vorwürfen wegen sexueller Belästigung bis hin zu Vergewaltigung gegen Harvey Weinstein beschäftigt der Filmproduzent nun auch Strafverfolger.

New Yorks Staatsanwalt Cyrus Vance geriet unter Druck, weil sein Büro Weinstein nach Ermittlungen vor zwei Jahren nicht angeklagt hatte. Vance beschuldigte seinerseits die New Yorker Polizei, nicht ausreichend Beweismittel für diesen Schritt geliefert zu haben. Ob im Rahmen der neuen Vorwürfe erneut Ermittlungen gegen Weinstein aufgenommen werden, war am Mittwochabend unklar.

Anzügliche Konversationen

Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang vor allem eine Tonaufnahme der verdeckten Ermittlungen von 2015. Bei denen ist Weinstein beim Versuch zu hören, das Model Ambra Battilana Gutierrez in sein Hotelzimmer zu locken, nachdem er tags zuvor mutmasslich ihren Busen begrapscht hatte. «Warum hast Du gestern meine Brust angefasst?», fragt Gutierrez. «Oh bitte, es tut mir leid, komm' einfach rein. Ich bin das gewohnt», sagt Weinstein. «Du bist das gewohnt?», fragt das damals 22-jährige Model. «Ja, komm' rein», sagt Weinstein.

Öffentlich gemacht hatte die Tonaufnahme das Magazin «New Yorker». Darin behaupten die italienische Schauspielerin und Regisseurin Asia Argento sowie zwei weitere Frauen, dass Weinstein an ihnen Oralsex verübt oder sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Insgesamt hätten 13 Frauen behauptet, zwischen den 1990er Jahren und 2015 von ihm sexuell belästigt oder Opfer eines Übergriffs geworden zu sein. Frühere Vorsitzende und Kollegen in Weinsteins Unternehmen beschrieben zudem, dass sie Zeuge seiner sexuellen Annäherungsversuche geworden seien oder davon gewusst hätten.

Weitere Vorwürfe

Immer mehr prominente Schauspieler bezogen Stellung, nachdem Ashley Judd, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow und Heather Graham ähnliche Vorwürfe gegen Weinstein erhoben hatten. Die aus London stammende Schauspielerin Cara Delevingne beschrieb auf Instagram einen Vorfall mit Weinstein, bei dem sie sich «machtlos» gefühlt habe, als er sie in sein Zimmer einlud und versucht habe, sie auf den Mund zu küssen.

Neben zahlreichen Filmgrössen wie Leonardo DiCaprio distanzierten sich auch ranghohe Demokraten wie Hillary Clinton und Barack Obama, die Wahlkampf-Spenden von Weinstein erhalten hatten, vom 65-Jährigen. Zudem trennte sich Ehefrau Georgina Chapman von Weinstein. «Ich unterstütze ihre Entscheidung», teilte Weinstein mit. Er habe eine Therapie begonnen und könne die Beziehungen vielleicht wieder aufbauen, wenn es ihm «viel besser» gehe. Er übernahm die Verantwortung für das «viele Leid», das seine Familie über die vergangene Woche erfahren habe.

(chk/sda)