Bitcoin, Auftragsmörder, Nerds

20. März 2017 16:37; Akt: 20.03.2017 16:37 Print

So realistisch war der Darknet-«Tatort»

Borowski sucht im neuesten Fall im dunklen Netz nach einem Auftragskiller. IT-Sicherheitsexperte Marc Ruef erklärt, wie glaubwürdig die Darstellung ist.

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Herr Ruef, Sie haben sich die «Tatort»-Folge «Borowski und das dunkle Netz» angesehen. Ihr erster Eindruck?
Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es sehr schwierig ist, ein technisch komplexes Thema wie Cybercrime einem fachfremden Publikum schmackhaft zu machen. Deshalb war ich umso mehr erstaunt, dass man hier überdurchschnittlich gute Arbeit geleistet hat. Die Folge hat mir eigentlich auf ganzer Linie gefallen, ein Kompliment an die Macher.

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Im Film geht es um das Darknet und Cyberkriminalität. Wie realistisch werden diese Themen dargestellt?
Die technischen Hintergründe wurden gut illustriert. Das Vorgehen der Täter und die Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden entsprechen dem Stand der Dinge. Abgesehen von technischen Aspekten wurde aber auch den subkulturellen Eigenschaften mit einer hohen Liebe zum Detail Rechnung getragen. Es gab eine Menge Insider-Witze, die vielen Zuschauern verborgen geblieben sein dürften. Beispielsweise der Hinweis, dass man für die Cybercrime-Ermittlungen zu wenig Budget hat.

Kann man einem Täter, der sich im Darknet versteckt, überhaupt auf die Spur kommen?
Das Ziel ist, dass man im Darknet nicht einfach so identifiziert werden kann. Der Täter machte aber einen Fehler, eines der Videos auf seiner Website durch direkte Zugriffe erreichbar zu machen. Dadurch kann eine Deanonymisierung stattfinden, was ein üblicher Fehler in diesem Kontext ist. Schliesslich passieren solche Fehler über kurz oder lang. Entweder aus Unwissen oder aus Nachlässigkeit. Diesen einen Fehler müssen die Ermittlungsbehörden finden, eventuell muss man ständig am Puls der Aktivitäten dabei sein, um bei seinem Eintreten sofort zugreifen zu können.

Ein verstecktes Muster auf einer vom Laserdrucker ausgedruckten Seite führt schliesslich zur Lösung des Falles. Ist dies möglich?
Diese sogenannten Machine Identification Codes existieren tatsächlich und werden von handelsüblichen Druckern angebracht. Diese individuellen Signaturen bestehen normalerweise aus kleinen gelben Punkten, die man mit blossem Auge nicht identifizieren kann. Wie die Codierung genau durchgeführt wird, wird von den Drucker-Herstellern geheim gehalten.

Ist das Darknet wirklich ein Hort für kriminelle Aktivitäten?
Ein Grossteil der Aktivitäten im Darknet hat einen kommerziellen Hintergrund. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Marktplätze und Angebote, die die Grenze zum Illegalen überschreiten: Drogen, Waffen, Falschgeld, verbotene Pornografie. Man darf aber nicht vergessen, und das wurde durch die beiden Spezialisten im «Tatort» ebenfalls festgehalten, dass durch Mechanismen wie Tor (ein Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten) eine unzensierte Kommunikation möglich wird. Das nutzen auch Whistleblower, Journalisten oder Dissidenten.

Auftragsmord als Dienstleistung im Darknet, existiert das tatsächlich?
Ja, es gibt verschiedene Angebote, bei denen man Leute für Geld umbringen, vergewaltigen oder verprügeln lassen kann. Viele davon lassen sich als Provokationen oder betrügerische Angebote entlarven. Es zeigt sich aber, dass dennoch auch echte Morde in Auftrag gegeben lassen werden können. Zum Beispiel hat das FBI einen sehr spannenden Chat-Mitschnitt veröffentlicht, der die Verhandlungen für einen solchen Auftragsmord aufzeigt.

Was spricht dafür, dass es das Darknet gibt?
Gesellschaftlich müssen wir uns einig werden, ob, was und wie viel überwacht und eingeschränkt werden soll. Wir sind erst am Anfang dieser Diskussion des digitalen Zeitalters, die vielleicht auch nie zu einem echten Ende kommen wird. Die Bedürfnisse nach Kontrolle und Sicherheit widersprechen den Bedürfnissen nach Freiheit und Kommunikationsmöglichkeit. Solange es die beiden Letztgenannten aber gibt, haben Systeme wie das Darknet ihre Daseinsberechtigung. Meines Erachtens ist das Einschränken von Kommunikation immer falsch.

Wie anonym ist man bei der Nutzung des Darknets tatsächlich?
Dies kommt auf die Aktivitäten und Vorkehrungen an. Mit genügend Aufwand und Disziplin ist die Deanonymisierung eines Täters sehr schwierig. Es gibt jedoch verschiedene technische Möglichkeiten, eine solche vorzunehmen. Dass die NSA dazu in der Lage ist, haben sie in der Vergangenheit mehrfach gezeigt. Die hiesigen Behörden können da in Bezug auf Budget und verfügbares Personal nicht mithalten.


Der Trailer zur «Tatort»-Folge «Borowski und das dunkle Netz»

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger B. am 20.03.2017 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtiges Thema

    Sehr guter und realistischer Tatort. Ob es bei Bevölkerung und Politik angekommen ist, bleibt fraglich. Das Tragisch daran ist, dass sowohl Politik wie auch Bevölkerung sich der Dimension und Möglichkeiten des Darknets nicht bewusst sind. Dies ist zuweilen auch bei einigen Polizeicorps (aus beruflicher Erfahrung) nicht angekommen. Was man nicht sieht, existiert nicht scheint ein weit verbreitetes Motto zu sein.

  • Totoderlebendig am 20.03.2017 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vor lauter Cyber

    vergessen sie noch die lebendigen Leichen, schaut doch mal nach, die Hotelangestellte liegt bestimmt noch auf dem Bett.

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  • Teflon am 20.03.2017 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Naja, Darknet ginge ja noch

    aber die Szene mit der Rückenverletzung, der abgetrennte Finger im Klo, die skurrilen Sexszenen und am Schluss der Kopf in der Tierfalle wären wohl eher das Thema für eine gesunde Reflektion???

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rolf grossenbacher am 21.03.2017 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Krimi

    für mich als Tatortfan war es wieder ein sehr spannender KRIMI

  • Propagandaminister am 20.03.2017 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Paranoiapropaganda

    Solche Filme machen die Internetuser paranoid. Am Ende vermuten sie hinter jedem Bild, das jemand von einem im Internet findet, einen Hack ihres Instagram, Facbook oder Whatsapp-Accounts.

  • Zürich 1986 am 20.03.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrektur  

    Ihr meint das Deepweb. Ins Deepweb hat jeder Zugang der sich einen entsprechenden Browser installiert. Das Darknet ist eine geschlossene Vernetzung zwischen bestimmten Rechnern, man erhält nur Zugang durch den Administrator des Netzwerks

  • jung andi am 20.03.2017 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    es gibt kein darknet punkt.

    an alle traumtänzer und baumumarmer und it- freaks- Dirk Müller im Tagesausblick vom 15.03.2017 - NSA-Enthüllungen durch Wikileaks.

    • Nueriskin am 20.03.2017 20:53 Report Diesen Beitrag melden

      Ach was

      Deep Web = Internetseite, die nicht über Suchmachinen auffindbar ist Dark Net = Selbe Definition mich illegalem Hintergrund Das existiert sehr wohl.

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  • A. Polanski am 20.03.2017 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr aktueller Film

    Gute Aufklärungsarbeit. Das macht den Bürger mündiger im neuen "Big Data" Zeitalter. In Sachen Privatsphäre versus Kriminalität versus Staatsverbrechen.