Privatsphäre gefährdet

07. Dezember 2017 16:08; Akt: 07.12.2017 16:08 Print

Schweizer entwickelt Spionage-Tool für alle

Ein Schweizer IT-Crack stellt ein kostenloses Tool bereit, mit dem man andere ausspionieren kann. Damit will er auf mögliche Gefahren aufmerksam machen.

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Der Vater sitzt abends zu Hause am Computer und surft heimlich auf Porno-Seiten. Seine Frau informiert sich über die Behandlung einer Infektion im Genitalbereich. Beim Zmorge dann fragende Blicke des Sohnes – er konnte die gesamte Internetnutzung seiner Eltern nachvollziehen.

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Ein solcher Verlust der Privatsphäre ist unangenehm, selbst wenn man eigentlich nichts zu verbergen hat. Dass die Gefahr jedoch nicht nur von Hackern aus fernen Ländern ausgeht, sondern auch von Personen, die dasselbe WLAN nutzen oder Zugriff auf den eigenen PC haben, ist selten ein Thema.

Ein schützenswertes Gut

Um aufzuzeigen, dass die Bedrohung manchmal näher ist, als man denkt, hat der Programmierer Ruben Unteregger das Tool Minary.io entwickelt. Mit diesem können Computer, die sich im selben Netzwerk befinden, überwacht und kontrolliert werden. Minary soll die Nutzer dafür sensibilisieren, dass es auch mit relativ wenig Fachwissen möglich ist, an private Informationen anderer zu gelangen.

Mit dem Tool kann beispielsweise die gesamte Internetnutzung eines Kindes überwacht werden, wenn es dieselbe WLAN-Verbindung nutzt. Vielleicht erfährt ein Ehemann mithilfe des Tools aber auch, dass seine heimlich geplante Traumreise zum Hochzeitstag von seiner Frau bereits entdeckt worden ist.

Bekannt durch Bundestrojaner

Der IT-Experte hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Anwendungen programmiert, um nachlässige PC-Nutzer aufzurütteln. 2008 hatte Unteregger einige Bekanntheit erreicht, als er den Quellcode für den sogenannten Bundestrojaner veröffentlichte – eine Art Abhörsoftware für Skype.

Interessierte können Minary kostenlos herunterladen und anschliessend in einer Umgebung ausprobieren, in der sie dazu berechtigt sind – etwa im Heimnetzwerk. Die Gefahr, dass sein Programm missbraucht werden könnte, schätzt Unteregger dabei als geringer ein als seinen Nutzen: «Bei Kriminellen oder in bestimmten Kreisen sind solche Tools sowieso schon lange bekannt.»

Tipps für Schutz in der digitalen Welt

Minary soll dagegen normale Internet-Nutzer ansprechen. «Das Projekt zeigt auf, mit wie wenig Kenntnis die Privatsphäre abhanden kommen kann, indem es dem normalen Internet-Nutzer ein Werkzeug aushändigt, wie es auch die Profis nutzen.» Denn ein Bruch der Privatsphäre geschehe meist versteckt: «Oft merkt man nicht, dass man überwacht wird.»

Unteregger möchte nicht nur das Bewusstsein fördern, sondern gibt auch konkrete Tipps, wie man die eigene Datensicherheit verbessert (einige davon gibt es in der Box). Denn «man kann und sollte etwas tun», um sich in der digitalen Welt zu schützen.

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AlmFranzl am 07.12.2017 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wer sich im Internet aufhält muss sich nicht wunde

    Die gesamte Internetnutzung wird heute schon vom Provider gespeichert. Das bedeutet, jeder der Zugang beim Provider hat kennt die Datennutzung. Das ist sozusagen jeder der die Daten will. Internet Nutzung ist gefährlich. Es gibt unzählige nicht gewollte Sicherheitlöcher sowie gewollte. Wer sich schützen will vor Kriminalität muss den Stecker ziehen. Jede Art von Netzwerk kann missbraucht werden. Der Staat hat sich illegale Trojaner aus Italien mit Steuergeldern in Millionen Höhe besorgt. Komischerweise ohne Konsequenzen. Das ist ein grober Angriff auf die Rechtstaatlichkeit.

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  • Melines am 07.12.2017 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Tool für Nichts

    Spionage-Tool hin oder her - man sollte sich mittlerweile bewusst sein, dass das Internet alle Daten speichert! Das Tool ist gut gemeint, jedoch nicht unbedingt nötig. Durch genügendes Fachwissen, können alle Schritte im Internet nachvollzogen werden.

  • DerDjiok am 07.12.2017 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    dass ich nicht lache

    und für die Ueberwachung des Netzwerktraffiks im eigenen Netzwerk braucht dieser "Crack" also ein Tool, von dem er behauptet, dass er es selber entwickelt hat. Ist heute 1. April oder was?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • C. E. C. D am 07.12.2017 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt's schon lange

    Das gibt es schon si lange.. Nichts neues. Cain & Abel ist so ein Beispiel.

  • Till Sitter am 07.12.2017 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Aufregung

    Keine Ahmun warum sich so viele aufregen. Sonst heisst es doch immer " wer nichts zu verbergen hat ... "

    • Ruhe Störer am 07.12.2017 18:47 Report Diesen Beitrag melden

      Wer nichts macht, machts falsch

      Nein, heisst es nicht. Wer fahrlässig seinen Zugang nicht sichert, öffnet Hackern, Spammern, Virenverbreitern und Kinderporno-Anbietern die Möglichkeit, über diese ungesicherte Infrastruktur kriminell zu werden. Dann können Sie ebensogut Kriminellen ein Zimmer Ihrer Wohnung zur Verfügung stellen und nachher behaupten, Sie hätten ja nicht gewusst, was die machen.

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  • Eine Frau am 07.12.2017 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Meine 5 Cent

    Was der Vater in der Geschichte macht ist 1. ganz normal 2. gesund 3. völlig in Ordnung. Daran wird der Sohn keinen Anstoss nehmen. Die Mutter hingegen hat wohl fremdgepimpert und das dürfte den Sohn durchaus verstören.

  • DerDjiok am 07.12.2017 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    dass ich nicht lache

    und für die Ueberwachung des Netzwerktraffiks im eigenen Netzwerk braucht dieser "Crack" also ein Tool, von dem er behauptet, dass er es selber entwickelt hat. Ist heute 1. April oder was?

    • Duplo am 07.12.2017 17:41 Report Diesen Beitrag melden

      Der Crack nicht...

      ...das Tool wurde aber für einem DAU entwickelt.

    • DAU-User am 07.12.2017 18:23 Report Diesen Beitrag melden

      das tool ist einfach eine Sammlung

      wenn man sich das Repo anschaut, wird klar was es macht. Zuerst wird per arp-spoofing beim Opfer der Gateway auf den L-Host gelegt, dann wird per sslstrip das TLS ("https") deaktiviert und via http proxy dafür gesorgt, dass der Traffic danach weiter ins Netz geleitet wird. Dazu dann noch ein paar spezifische Tools, damit man nicht einfach nur einen unformatierten tcpdump hat. Insofern schon etwas fies, wenn die zu erreichende Webseite kein TLS vorschreibt und das grüne Schlösschen heimlich verschwindet - denke mit https anywhere und blockieren von unverschl. sollte sicher sein

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  • Melines am 07.12.2017 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Tool für Nichts

    Spionage-Tool hin oder her - man sollte sich mittlerweile bewusst sein, dass das Internet alle Daten speichert! Das Tool ist gut gemeint, jedoch nicht unbedingt nötig. Durch genügendes Fachwissen, können alle Schritte im Internet nachvollzogen werden.