EKG-Funktion

10. Oktober 2018 09:50; Akt: 10.10.2018 09:50 Print

Bezahlt die Krankenkasse jetzt meine Apple Watch?

Die Apple Watch kann künftig EKGs aufzeichnen. Ob das wirklich sinnvoll ist, erklärt Thomas Wolber, Facharzt für Kardiologie am Universitätsspital Zürich.

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Neue Funktionen und ein aufgefrischtes Design: Die komplett überarbeitete Watch könnte Kunden anlocken, die der Apple-Uhr bisher skeptisch gegenüber standen. Es war der 9. September 2014, als Apple-Boss Tim Cook die erste Watch vorstellte. Im Rückblick wirkt die damalige Uhr eher wie eine Spielerei. Das hat sich über die Jahre aber geändert. Die Gerätekategorie ist gereift und erwachsener geworden. Und mit der Watch Series 4 hat Apple nun auch das Äussere des Gadgets erstmals radikal erneuert. So gibt es ein grösseres Display und ein schlankeres Gehäuse. Die spannendsten Neuerungen stecken aber im Innern. So hat Apple für die neue Uhr eine EKG-Funktion angekündigt. Die Hardware ist in allen Modellen der Series 4 verbaut. Die notwendige Software wird zuerst in den USA freigeschaltet, sollte dann aber auch in anderen Ländern folgen. Ausserdem gibt es einen Fall-Sensor, der bei Stürzen Alarm schlägt. Die grösste Schwachstelle bleibt dagegen auch bei der Series 4 die Batterie. Im Test zeigte die Lade­anzeige nach einem Zwölf-Stunden-Tag mit aktivierten Benachrichtigungen, vereinzelten SMS-Antworten und einem 30-minütigen Workout noch um die 44 Prozent. Tägliches Aufladen ist also weiterhin nötig. Dennoch ist die Series 4 die bisher durchdachteste Watch von Apple. Die Preise für die Watch starten bei 449 Franken. Die neue Watch ist allerdings nicht das erste Wearable mit EKG-Funktion, erklärt Thomas Wolber, Facharzt für Kardiologie am Universitätsspital Zürich. Am Markt gäbe es bereits Produkte mit der Technologie. So etwa von Hersteller Alivecor. Das Modell Kardia Band bietet den Nutzern – wie in Zukunft die Apple Watch – innert von 30 Sekunden ein EKG an. Hat man oder möchte man keine Uhr tragen, gibt es das Modell Kardiamobile. Das Gerät bietet ebenfalls ein 1-Kanal-EKG an. Die Daten werden aufs iPhone übertragen. Es kann zum Beispiel auf die Rückseite des Smartphones oder Tablets geklebt werden. So hat man es ebenfalls immer dabei. Ebenfalls bereits erhältlich ist das Modell ME90 von Hersteller Beurer. Laut Thomas Wolber biete dieses Gerät eine bessere Aufzeichnungsqualität, ... ... da damit auch direkt eine Messung am Brustkorb möglich sei. Bei allen gezeigten Modellen inklusive Apple Watch sei eine dauerhafte Überwachung des Herzrhythmus aber nicht möglich. Hierfür werden spezielle Langzeit-EKG Geräte verwendet, so Wolber.

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Thomas Wolber, wie schätzen Sie den Nutzen der EKG-App in der neuen Apple Watch ein?
Eingebaut ist ein 1-Kanal-EKG. Durch Berühren des Gehäuses mit der anderen Hand ist es möglich, ein EKG-Signal zwischen beiden Armen abzuleiten. Die EKG-Funktion der Apple Watch ist keine revolutionäre neue Erfindung, sondern eine Integration bestehender Technologie in eine Smartwatch. Der Nutzen für Patienten ergibt sich daraus, dass kein zusätzliches Gerät mitgeführt werden muss, wobei die bereits am Markt befindlichen Geräte ebenfalls klein, leicht und einfach zu bedienen sind. Mit den Geräten können EKG-Aufzeichnungen von jeweils 30 Sekunden durchgeführt werden. Für die dauerhafte Überwachung des Herzrhythmus' werden spezielle Langzeit-EKG-Geräte genutzt, die es auch für den Consumerbereich in Kombination mit mobilen Endgeräten gibt.

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Was kann der Patient oder der Arzt aus dem Watch-EKG erkennen?
Aus einem 1-Kanal-EKG wie dem der Apple Watch lässt sich die Herzfrequenz bestimmen, also ob ein zu rascher oder zu langsamer Herzschlag vorliegt. Zudem können gewisse Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern, das mit einer unregelmässigen Herzaktivität verbunden ist, erkannt werden. Auch Extraschläge lassen sich recht einfach feststellen. Die eingebaute Diagnosefunktion ist erfahrungsgemäss nicht sehr verlässlich, da das EKG häufig Störsignale (Bewegungsartefakte) enthält. Ein erfahrener Arzt kann jedoch oft zwischen Störsignalen und Herzrhythmusstörungen gut unterscheiden. Die eingebaute Diagnosefunktion gibt meist nur an, ob alles in Ordnung ist oder nicht. Darauf sollte man sich als Patient jedoch nicht verlassen.

Können Aufgrund der Datenbasis konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden?
Die sinnvollste Handlungsempfehlung ist, das EKG einem Arzt zu zeigen. Insbesondere muss eindringlich davor gewarnt werden, aufgrund eines normalen oder vermeintlich normalen selbst erhobenen EKG-Befundes eine empfohlene Behandlung eigenständig zu modifizieren oder abzusetzen.

Wie beurteilen Sie die Wandlung solcher Wearables von Fitness hin zu Medizin?
Grundsätzlich ist die Entwicklung als positiv zu beurteilen und auch nicht aufzuhalten. Sie trägt zur Demokratisierung der Medizin bei. Das heisst konkret: Gesundheitsinformationen sind niederschwellig für viele Menschen verfügbar. So können potenziell gefährliche Erkrankungen wie das Vorhofflimmern eventuell früher erkannt werden. Die Interpretation der Daten muss aber unbedingt durch einen Arzt erfolgen. Potenzielle Nachteile sind unnötige Sorgen und Verunsicherung im Fall von falsch-positiven Befunden, und eventuell eine Steigerung der Gesundheitskosten durch Zunahme unnötiger Untersuchungen. Ein weiterer potenzieller Nachteil wäre eine verzögerte Abklärung von gefährlichen Beschwerden, wenn sich Patienten aufgrund eines normalen Apple-Watch-EKGs in trügerischer Sicherheit wiegen und nicht oder zu spät zum Arzt gehen.

Die EKG-Funktion wird zuerst in den USA lanciert. Was für Auswirkungen hat die FDA-Zulassung auf eine Einführung in der Schweiz?
Eine FDA-Zulassung hat meines Wissens keine direkte Auswirkung auf die Schweiz. Sämtliche in der Schweiz und in Europa erhältlichen EKGs für Endverbraucher sind CE-zertifiziert und für jedermann frei erhältlich. Dasselbe wird für die Apple Watch zutreffen.

Besteht eine Chance, dass die Krankenkasse für den Kauf meiner Apple Watch aufkommt?
Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist nicht zu erwarten. Der Nutzen elektronischer Apps und telemedizinischer Anwendungen ist derzeit Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte. Während für die Telemedizin insbesondere in abgelegenen Gegenden ein klarer Nutzen nachgewiesen werden konnte, ist das bei Apps und handybasierten medizinischen Anwendungen noch nicht der Fall.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Post it am 10.10.2018 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Anderer Vorschlag

    Also bevor die KK für Apple Watchs Geld ausgeben hoffe ich dass mal die Kosten für Brillen und Zähne wieder übernommen werden. Jeden Monat bezahlt man ein, aber meine Brille und den Zahnarzt bezahl ich trotzdem selber. Ein Witz.

  • jean am 10.10.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Würde glauben sagen zu müssen

    Ist das nun eine ernstgemeinte Frage???

  • Überwachung total am 10.10.2018 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Die nächste Apple Watch kann noch mehr

    Gemäss neuesten Nachrichten aus Russland soll die Apple Watch in zwei Jahren sogar Gedanken lesen können. Zudem bieten die Geheimdienste FBI und CIA dann eine kostengünstige Flatrate dafür an.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stöffel am 10.10.2018 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Kurz zusammengefasst:

    Ein Apple Watch Besitzer der die App benützt wird bereits als Patient bezeichnet!

  • Tobi am 10.10.2018 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein Marketingtrick

    Die EKG Funktion von Apple ist nur Marketing. Jede Smartwatch von bekannten Sportgerstellern hat momentan besser ausgerüstete Uhren am Markt. Da lohnt sich die iwatch nicht.

  • Duxx am 10.10.2018 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein - weitere Fragen?

    "Eine Kostenübernahme ist nicht zu erwarten." Dafür gibt wieder einmal eine schöne Werbeplattform für die A-Watch...

  • Martin am 10.10.2018 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohlstands Medizin!

    Das sollte man verbieten. Solche Gadgets erhöhen die Prämie. Alle müssen das finanzieren. Wer das solls selber zahlen!

  • Lukas P. am 10.10.2018 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Spitalgeld

    Auch die Spezialisten werden sich vom Analysemarkt nicht verdrängen lassen. Die Mehrkosten für Herzanalysen würden unendlich viel Geld der Krankenkassen ersparen. Logisch wendet sich hier jeder Arzt ab. Jedoch kann ein Computer lernen EKG's zu lesen... problemlos