Zusätzliches Sinnesorgan

05. Dezember 2017 09:51; Akt: 05.12.2017 09:51 Print

Erster Cyborg der Welt kann Farben hören

von Stefan Wehrle - Neil Harbisson ist seit Geburt farbenblind. Deshalb liess er sich im Kopf eine Antenne implantieren. Wie es sich damit lebt, sagt er im Interview.

Neil Harbisson erzählt, wer er ist und was ihm seine Antenne bringt. (Video: 20M)
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20 Minuten: Herr Harbisson, Sie sehen sich selbst als Cyborg-Künstler. Warum haben Sie eine Antenne auf Ihrem Kopf?
Harbisson:
Damit kann ich Farben wahrnehmen, auch solche, die sich ausserhalb des sichtbaren Bereichs befinden – von Infrarot bis Ultraviolett. Ich kann auch eine Internetverbindung herstellen, mit der ich Farben von anderen Orten auf der Welt empfangen kann – oder von Satelliten für Farben aus dem All. Ich sehe dies als Kunst. Die Kunst, seine eigenen Sinne zu kreieren. Die Kunst, eigene Körperteile zu kreieren. Und die Kunst, seine Wahrnehmung der Realität selber zu gestalten. Deshalb bezeichne ich es als Cyborg-Kunst.

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Die Antenne ist mittlerweile fest mit Ihrem Knochen verwachsen. Wie kam es zur Operation und wer machte den Eingriff an Ihrem Kopf?
Ich ging zu einem Arzt und fragte ihn, ob er die Antenne in meinen Kopf implantieren würde. Er sagte zuerst Nein, denn ich musste meinen Vorschlag einem Ethik-Gremium vorstellen. Dieses entschied, eine Operation sei nicht ethisch, da es um das Hinzufügen eines Sinnes ging, über den Menschen nicht verfügen. Zudem war der Arzt besorgt, dass das Spital ein schlechtes Image bekommen könnte, wenn jemand mit einer Antenne im Kopf das Gebäude verlässt. Der Arzt war schliesslich aber bereit, den Eingriff anonym durchzuführen.

Was befindet sich alles in Ihrem Kopf und wie funktioniert dies genau?
Ich habe vier verschiedene Implantate. Eines ist ein Chip, der je nachdem, welches Licht auf die Antenne trifft, unterschiedlich vibriert. Dies höre ich dann und kann so Farben hören. Zwei weitere Implantate sorgen dafür, dass die Antenne hält. Das vierte Implantat ist ein Chip für Bluetooth, den ich für eine Verbindung zum Internet nutze.

Sie sind der erste Mensch mit der Fähigkeit, Farben zu hören. Wie schnell gewöhnt man sich an ein neues Sinnesorgan?
Wenn man ein neues Organ und einen neuen Sinn erhält, benötigt der Körper Zeit, sich daran zu gewöhnen. Mein Hirn brauchte fünf Monate, um sich darauf einzustellen. Zudem musste ich mich an das neue Körperteil gewöhnen. Es gibt auch ein Risiko, dass das Hirn den neuen Sinn oder der Körper die Antenne abweist.

Gibt es Situationen, in denen es hilft, Farben zu hören? Und wie wirkt sich Ihr neuer Sinn im Alltag aus?
Wenn man Infrarotstrahlen wahrnimmt, merkt man, wenn sich Bewegungssensoren in einem Raum befinden. In einem Laden oder in einer Bank kann ich beispielsweise sagen, ob der Alarm eingeschaltet ist. Wenn ich hingegen viele ultraviolette Strahlen höre, vermeide ich die Sonne oder streiche Sonnencreme ein. Alles hat eine Farbe und deshalb höre ich auch immer etwas. Beispielsweise gibt es Menschen, die gut aussehen, aber nicht so gut klingen – oder umgekehrt. Ich kann mir aber auch ein Bild von Picasso anhören.

Können Sie es empfehlen, ein Cyborg zu werden?
Ich würde den Menschen raten, ihre Sinne zu erweitern oder solche hinzuzufügen. Es gibt so viel im Leben, das wir nicht spüren. So erhält man eine umfassendere Wahrnehmung der Natur und der Realität. Im Dezember starten wir mit einer Stiftung in Barcelona Workshops, in denen Menschen lernen können, wie man seinem Körper ein zusätzliches Organ oder einen neuen Sinn hinzufügen kann.

Wie könnte es unsere Umgebung und unsere Umwelt beeinflussen, wenn mehr Menschen Cyborgs werden?
Ich denke, wir werden in Zukunft noch mehr davon sehen. Statt die Welt um uns herum zu verändern, sollten wir uns selbst verändern. Wenn beispielsweise alle Menschen in der Nacht sehen könnten, bräuchte man nicht so viel Energie, um nachts die Stadt künstlich zu beleuchten. Das wäre viel besser für unseren Planeten.

20 Minuten traf Neil Harbisson im Rahmen des Swiss Leadership Forum 2017 in Zürich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nirmi am 05.12.2017 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :)

    Sicherlich hilfreich für ihn, aber es gibt bestimmt andere Methoden, die verhindern, dass man wie ein Laternenfisch aussieht.

    einklappen einklappen
  • Maler50 am 05.12.2017 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schön aber

    Also bei Gesundheitlichen Gebrechen kann dies wirklich ein Segen sein aber für alle anderen ist es überflüssig!

  • andi wand am 05.12.2017 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Synästhetiker

    Farben hören können einige Menschen auch ohne Implantat.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • MELANI am 06.12.2017 23:42 Report Diesen Beitrag melden

    Datenklau

    Wenn er im Zug sitzt kann er so heimlich die Handybilder anderer Leute mit seinen Freunden Teilen.

  • Ihre Krankenkasse am 06.12.2017 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    E.T. will nach Hause telefonieren

    Hoffentlich hat er eine Firewall damit er nicht von Viren über den Bluetooth Chip verseucht wird.

  • Sehnsucht 6 7 am 05.12.2017 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ofen

    Haben die Ärzte die Antenne nicht zu tief ins Hirn gebohrt. Farben kann man auch so hören ohne Antenne oder ein Ofen Rauchen geht auch und ist billiger.

  • Guguus am 05.12.2017 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gääähn!

    Erinnert an Mein Onkel vom Mars. Nur der war bereits weiter konnte die Antennen einziehen!

  • Fennek am 05.12.2017 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Transdermales Implantat

    Man könnte sich auch einfach ein Smartphone auf die Stirn kleben und dann sagen man sei ein Cyborg. Das ist vermutlich einfach ein Transdermales Implantat mit Gewinde, an der es diese "Antenne" angeschraubt hat. Die Antenne hat Akku, Kamera, Bluetooth und einen Vibrationsalarm eingebaut. Der Schall wird über das Transdermale Implantat in den Schädel weitergeleitet.