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Lieber Phil Geld

26. Juli 2015 19:54; Akt: 26.07.2015 19:54 Print

Wieso bezahlt die Unfallversicherung nicht?

Dani (21) verletzte sich bei der Landung nach einem Salto. Die Unfallversicherung will nicht zahlen – was nun?

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Die Unfallversicherung bezahlt nur dann, wenn ein ungewöhnlicher äusserer Faktor zur Verletzung geführt hat. (Symbolbild: Keystone)

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Lieber Phil Geld
Letzte Woche habe ich mich beim Versuch eines Saltos aus gut einem Meter Höhe verletzt. Die Landung verlief leider nicht plangemäss, sodass ich mir eine Verletzung am Knie zugezogen habe. Als wäre der Unfall nicht schon Niederlage genug, weigert sich nun auch noch die Unfallversicherung zu zahlen. Wie kann das sein? Bei meinem Kollegen, der im Winter beim Skifahren gestürzt ist und sich an der Schulter verletzt hat, hat die Unfallversicherung die Kosten übernommen. Was kann ich tun?

Lieber Dani

Lehnt die Unfallversicherung eine Leistung ab, kannst du grundsätzlich eine Verfügung verlangen, gegen die du dann Einsprache erheben kannst. In deinem Fall würde sich das aber nicht lohnen, denn die Unfallversicherung muss nicht zahlen.

Unter dem Begriff Unfall versteht man aus rechtlicher Sicht jede plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper (siehe Art. 4 des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts). Die Einwirkung muss einmalig und unvorhersehbar sein. Eine Verletzung, die schleichend entsteht, wird nicht als Unfall, sondern als eine Krankheit betrachtet. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beschwerden plötzlich oder allmählich auftreten. Entscheidend ist vielmehr, ob es sich um eine ungewöhnliche äussere Einwirkung handelt. Praktisch immer als Unfall gelten Verletzungen, die man sich bei einem Sturz oder Zusammenstoss zuzieht. Denn laut Bundesgericht stört beides den natürlichen Bewegungslauf «programmwidrig», womit die Voraussetzung der Ungewöhnlichkeit gegeben ist.

Bei dir fehlt es am ungewöhnlichen äusseren Faktor, der zur Verletzung geführt hat. Darum liegt kein Unfall im rechtlichen Sinne vor. Bei deiner Verletzung handelt es sich vielmehr um eine für das Turnen typische Verletzung, die mit dem Verletzungsrisiko des Turnens einhergeht. Wärst du beispielsweise wegen einer verrutschten Matte unsanft gelandet und hättest dir dabei eine Verletzung zugezogen, so würden die Kosten durch die Unfallversicherung gedeckt.

Obwohl die Verletzung rechtlich gesehen nicht als Unfall gilt und die Kosten nicht von der Unfallversicherung übernommen werden, können allfällige Arzt- und Heilungskosten über die Krankenkasse abgewickelt werden. Im Unterschied zur Unfallversicherung verlangt die Krankenkasse allerdings über Franchise und Selbstbehalt eine Kostenbeteiligung des Patienten. Weiter bezahlt die Kasse weder Taggelder für den kurzfristigen Arbeitsausfall noch Renten im Invaliditätsfall.

Im Übrigen gilt, dass auch die Unfallversicherung ihre Patienten zur Kasse bitten kann. So kann die Unfallversicherung auch bei Unfällen nach sogenannten «Wagnissen» (siehe Art. 50 der Verordnung über die Unfallversicherung) ihre Leistungen um die Hälfte kürzen, in besonders gravierenden Fällen sogar völlig verweigern. Gemäss Gesetz sind Wagnisse Handlungen, mit denen sich der Versicherte einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne dabei die Möglichkeit zu haben, Vorkehrungen zu treffen, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken. Darunter fallen beispielsweise Motocross- und Autorennen.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lara lü. am 26.07.2015 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "versicherungsbetrug"

    hallo dani.. ich bin eine rechtsschaffende eidgenossin und ehrlich. jedoch ist unser system nicht immer fair. deshalb mein tipp: sag nächstes mal, du seist eine treppe rumtergefallen.. problem erledigt ;)

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  • Besserwisser am 26.07.2015 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm

    Nicht ganz korrekt lieber Phil.. UVV Art. 9 (Ausnahmen ohne äusseren Faktor). Zudem verfügt die Unfallversicherung immer direkt. Im KVG kann eine Verfügung verlangt werden. Im UVG wird IMMER direkt verfügt.

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  • Fred am 26.07.2015 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe es nicht?

    Sorry, aber ich sehe den Unterschied zwischen dem Skiunfall und dem Turnunfall nicht! Oder hätte er zusätzlich noch stürzen müssen, dass es als Unfall gilt? Ich habe mir seinerzeit aber das Kreuzband beim Skifahren auch gerissen ohne dass Ich gestürzt bin.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicolas Rüttimann am 27.07.2015 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Unfall

    Er wusste das man sich beim Salto verletzen kann, also warum tut er es dann und dann verlangt er auch noch das die Unfallversicherung zahlt???

  • Noname am 27.07.2015 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte halt nicht immer Erlich sein

    Das nechste mal lieber sagen das man gestürtzt ist.:) Man sagt doch nicht wie es würklich war!!

  • Turnkollege am 27.07.2015 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Turnunfall

    Meines Wissens muss jeder Turner bei der Turnerhilfskasse versichert sein.

  • Lersein aun SH am 27.07.2015 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Kalkulation herbei gefühlter Unfall

    Das war kein gewöhnlicher Turnunfall!!!!! Wenn man immer zum Extremen greifen muss man damit rechen dass etwas passiert und das ist kalkulierbares !!!! Risiko. Also wird nicht bezahlt.!!

    • Anmerker am 27.07.2015 11:09 Report Diesen Beitrag melden

      Anmerkung

      Bei der jährlichen Anzahl an Skiunfällen müsste man dann aber auch fairerweise sagen, dass Skifahren nicht gedeckt werden sollte, weil es ebenso relativ eine riskante Sportart ist. Mal davon abgesehen, geht jeder der irgendeiner Sportart nachgeht ein überhöhtes Risiko ein. Es wäre allerdings fair, wenn bei Extremsportarten ein höherer Selbstbehalt o.ä. besteht, da es doch ein nochmals erhöhtes Risiko darstellt.

    • Chris am 27.07.2015 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      Fussball

      Auch Fussballspielen müsste dann verboten werden, oder gibts bei euch nicht nach jedem Firma-/Grümpeltournier 1-x leute mit Krücken? ;) Am ende ist jegliche art von Sport bei dem man höchstleistungen erzielen will ein erhöhtes risiko, da man an seine Grenzen gehen möchte.

    • toni am 27.07.2015 13:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Nein definitiv nicht, wir gehen als Firma seit 5 oder 6 Jahren jedes Jahr an 2 verschiedene Grümpelturniere, bisher ohne einen einzigen Unfall! Ist auch nicht gross erstaunlich, das ist nun wirklich Plausch und dort verletzt man sich in der Regel eher selten. Privat gehe ich selbst seit 25 Jahre an diverse Grümpelturniere und hatte bisher eine einzige kleinere Verletzung, auch bei Teamkollegen hat es bis auf eine Ausnahme auch noch keine Unfälle gegeben! An einem Grümpelturnier geht man NIE an seine Grenzen!

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  • Josi am 27.07.2015 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UVG oder KVG

    Nach meinem Wissen muss die UVG immer zahlen. Sogar wenn ich verletzt wurde wenn ICH eine Schlägerei angefangen habe aber....die UVG muss kein Taggeld oder ähnliches bezahlen bei eigen verschulden. Bitte um Belehrung, falls ich falsch liege. Was auch nicht jeder weiss...wenn man sich beim Essen die Zähne ausbeisst oder verletzt geht dass meistens nicht unter Unfall sonder unter Krankheit. Warum? Weil meistens auf den Packungen daraf hingewiesen wird, dass es Bestandteile hat die nicht ganz bei der Produktion entfernt werden konnten.

    • marcino am 27.07.2015 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      UV-Kürzung

      Richtig, wenn du eine Schlägerei hattest kann die UV Dir das Taggeld kürzen, ausser du hast zu diesem Zeitpunkt für Angehörige zu sorgen, dann können die UV nur um 50% kürzen.

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