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Lieber Phil Geld

10. Oktober 2017 10:38; Akt: 10.10.2017 10:38 Print

Muss ich ein schludriges Zeugnis akzeptieren?

Alexander (29) hat von seinem Arbeitgeber ein unvollständiges und schludrig abgefasstes Arbeitszeugnis erhalten. Kann er auf ein besseres Zeugnis beharren?

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Der Arbeitnehmer hat das Recht, eine Änderung des Zeugnisses zu verlangen. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld
Ich habe meine Arbeitsstelle gekündigt. Mein Arbeitgeber hat mir zwar ein Arbeitszeugnis ausgestellt, leider ist dieses voller Schreibfehler, unvollständig und inhaltlich nicht ganz korrekt. Es macht einen ziemlich schludrigen Eindruck. Was kann ich tun? Mein Chef weigert sich, ein neues Arbeitszeugnis auszustellen.

Lieber Alexander

Als Konsequenz der Fürsorgepflicht statuiert Art. 330a OR die Pflicht des Arbeitgebers, dem Arbeitnehmer auf dessen Verlangen ein Zeugnis auszustellen.

Das Arbeitszeugnis hat über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses als auch über die Funktion, die Leistung und das Verhalten des Arbeitnehmers Auskunft zu geben. Die im Zeugnis enthaltenen Angaben müssen richtig und objektiv der Wahrheit entsprechen. Weiter hat das Arbeitszeugnis vollständig zu sein. Dies impliziert, dass das Arbeitszeugnis alle wesentlichen Tatsachen und Bewertungen enthalten muss, die für eine Gesamtbeurteilung des Arbeitnehmers von Bedeutung sind.

Ist der Arbeitnehmer mit dem ihm ausgestellten Arbeitszeugnis nicht einverstanden, weil es nicht der Wahrheit entspricht oder unvollständig ist, so hat er das Recht, eine Änderung des Zeugnisses zu verlangen. Grundsätzlich ist es ratsam, zunächst einen eigenen Zeugnisvorschlag dem Arbeitgeber zu unterbreiten. Weigert sich der Arbeitgeber, das Arbeitszeugnis zu ändern, hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit, seinen Anspruch auf ein vollständiges oder inhaltlich richtiges Arbeitszeugnis beim Arbeitsgericht einzuklagen. Der Anspruch verjährt gemäss Art. 127 OR zehn Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Stellt der Arbeitgeber innert nützlicher Frist kein oder ein nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechendes Zeugnis aus, so haftet er dem Arbeitnehmer – sowie unter Umständen auch gegenüber Dritten – für den daraus entstandenen Schaden nach Art. 97ff. OR. Ein Schaden kann beispielsweise in der Erschwerung der Stellensuche für den Arbeitnehmer liegen.

Lieber Alexander: Nach dem Gesagten musst du dir von deinem Arbeitgeber keinesfalls ein schludriges und unvollständiges Zeugnis gefallen lassen. Fordere ihn auf, dass er sich für das Ausstellen deines Arbeitszeugnisses Zeit nimmt. Ausreden von wegen er hätte keine Zeit sind nicht haltbar. Weigert er sich dennoch, kannst du deinen Anspruch beim Arbeitsgericht durchsetzen.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(phd/20 Minuten)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jeremy am 10.10.2017 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenes Arbeitszeugnis verfassen...

    ... und den Chef unterschreiben lassen. Das habe ich so gemacht. Das sparte dem Chef für ihn anstrengende Arbeit und ich bekomme das was mir zusteht.

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  • Guziol am 10.10.2017 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange

    Wie lange darf der Chef haben um ein Zwischenzeugniss zu erstellen ?

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  • james no am 10.10.2017 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    einfach stehen lassen

    Bleib beim Vostellungsgespräch neutral gegenüber den alten Arbeitgeber. Ein Zwischenzeugnis mit X-Rechtschreibfehlern oder mit Zeugnisausleitung wie z.B Mit freundlichen Grüssen(selber erlebt) würde ich stehen lassen. So ein Zeugnis sagt schon viel über die Arbeitsweise bzw. die Kompetenz des ehemaligen Arbeitgeber aus ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arbeitgeber am 12.10.2017 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Unwahr

    Zeugnisse beachte ich nicht mehr. Da diese oft gelogen werden müssen, da ja nichts schlechtes stehen darf! Wird ja wohl ien Grund für die Kündigung haben

    • Angestellter am 12.10.2017 18:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Arbeitgeber

      Ich übernehme gerne für Sie die Korrekturarbeiten Ihrer "Arbeitszeugnisse".

    • der unangenehme am 15.10.2017 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arbeitgeber

      nicht selten Vorgesetzte, die um ihre Position fürchten, wegen motivierter und wissbegierigen Mitarbeitern, die zwar keine Führungsposition wollen, sondern einfach gute Arbeit leisten. Und unqualifiziertes Geschwafel wie ihres hab Ich schon oft gehört, in Firmen mit zweifelhaftem bis grauenhaftem Ruf.

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  • Peter am 11.10.2017 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    was vergessen

    Es darf nichts negatives im Zeugnis stehen. Zeugnisse müssen immer positiv geschrieben sein. deshalb lese ich die Zeugnisse gar nicht mehr. Ist eh alles gelogen.

  • Wartende Arbeitnehmerin am 11.10.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Miese Arbeitgeber

    Ich warte seit Juli 2016 auf ein Zwischenzeugnis. Arbeitgeber: Aerzte mit Privatpraxis in bekanntester Privatklinik in Zürich. Ich warte. Mein Anwalt auch.

  • Arbeitgeber am 11.10.2017 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zeugniss

    kein Problem es gibt ein top Arbeitszeugnis ausgestellt da ja nach gesetzt wohlwollend...aber wen Dan eine Referenz angefragt wird uiui....dann kommt die Wahrheit ans licht

    • Arbeitnehmer am 11.10.2017 18:48 Report Diesen Beitrag melden

      @ Arbeitgeber

      Es geht darum, dass das Arbeitszeugnis nicht vollständig und vor allem voller Schreibfehler ist. Aber damit kennen Sie sich offenbar aus...

    • Die Welt der Arbeiter am 11.10.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arbeitgeber

      Eben,genau das macht einem sehr stutzig.Warum stellt ein AG ein vielleicht so super Zeugnis und dann wenns darauf ankommt,macht er/sie die Mitarbeitern schlecht.Das darf echt nicht sein.Es macht auch keinen guten Eindruck für die Firma 1.weil es widersprüchlich ist gegenüber ihren Zeugnisausteller. 2.Eine Firma mit einen guten Image würde,wegen einen Groll gegenüber einen Mitarbeiter, ihm die Zukunft doch nicht vermiesen auf Grund von Fehlern etc..Und 3. wenn der Mitarbeiter auf Grund von bsp. zu häufiges krank werden,zu oft fehlen oder noch andere Gründe,würde ich vorsichtig die Sätze auswählen.Also,ich will nicht der Grund sein wenn ein Ex MA seine Zukunft verbaut wegen Misverständnisse, Unstimmigkeiten usw..Man muss trotzdem ein Ausgleich suchen bzw. finden.Es kommt auch immer darauf an,wie oder was der Fragensteller für Fragen stellt. Sowie ein AN nicht schlechtes über die damaligen AG nennen darf.Denn dann wird man auch eh stutzig und diesen Grund wird später auch vielleicht dann nachgehackt,was genau da passierte.Diplomatisch und Souverän denken,sprechen und handeln so find ich immer am Besten.Aber eben jeder hat man vielleicht einen schlechten Tag und man erwischt einen die genau was nicht tun sollte doch tut..Das ist bitter und traurig und hoffentlich tuts dann auch einem hinterher leid.

    • Yvette am 12.10.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

      Schreibfehler?

      Ein Arbeitszeugnis soll vollständig, wohlwollend und trotzdem aussagekräftig sein. Kein Problem, wenn jemand 5-10 Jahre im gleichen Betrieb gearbeitet hat. Wer bitte behält eine "Flasche" jahrelang. Wenn ein Zeugnis nach 2-10 Monaten ausgestellt werden muss: war wohl eine Fehlbesetzung. Trotzdem sollte das Zeugnis o.K. sein. Fehler beiderseits. Vielleicht dank der heutigen Situation.

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  • Motzki am 11.10.2017 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verjährungsfrist

    Die Verjährungsfrist für Forderungen aus dem Arbeitsverhältnis beträgt nicht zehn, sondern fünf Jahre: vergl. Art. 128 Ziff. 3 Obligationenrecht.

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