Wer steckt dahinter?

11. Januar 2018 20:43; Akt: 11.01.2018 20:43 Print

Mysteriöse Angriffe auf Russlands Stützpunkte

von Ann Guenter - Mörser und mit Sprengsätzen bestückte Drohnen: Eine Serie von Angriffen auf seine Stützpunkte in Syrien macht Russland das Leben schwer. Niemand weiss, wer dahintersteckt.

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Erst ein Mörserangriff in der Neujahrsnacht, der zwei russische Soldaten das Leben kostete. Dann, diesen Montag, ein ganzer Drohnenschwarm – zwölf mit Sprengsätzen bestückte Flugkörper –, der die wichtigste russische Militärbasis Hamaimim in Syrien ins Visier nahm.

Neben diesem Luftwaffenstützpunkt im Nordwesten der Provinz Latakia warfen drei Drohnen Sprengsätze auf die weiter südlich gelegene Marinebasis Tartus sowie auf eine russische Basis in der Provinz Homs. All diese Angriffe – zusammengenommen die schwersten seit dem Beginn des russischen Militäreinsatzes in Syrien – passierten in den letzten zwei Wochen.

Sperrholz und Klebeband

Moskau will den Ball flach halten: Die Drohnen seien teils abgeschossen, teils gezielt zur Landung gebracht worden. Es habe weder Verletzte noch materielle Schäden gegeben.

Als Lieferant der Waffen an syrische Regierungsgegner komme nur ein «Land mit hohen technologischen Möglichkeiten der Satelliten-Navigation» in Frage, teilte das Aussenministerium mit. Die zur Verfügung gestellten Fotos zeigen indes eher simple selbstgebaute Flugapparate aus Sperrholz und Klebeband. Die Drohnen seien mehr als 50 Kilometer von den Stützpunkten entfernt gestartet worden, hiess es.

Jets nicht zerstört, aber beschädigt

Auch beim Mörserangriff in der Neujahrsnacht bemüht sich der Kreml um Schadensbegrenzung: Er wies einen Bericht des unabhängigen «Kommersant» zurück, dass mindestens sieben russische Kampfflugzeuge beim Beschuss der Basis zerstört worden seien – vier taktische Bomber vom Typ Suchoj SU-24, zwei Kampfjets vom Typ SU-35c sowie ein Transportflugzeug vom Typ Antonow An-72. Es handle sich um «Fake News», hiess es.

Fotos eines russischen Journalisten legen aber nahe, dass zumindest ein Teil der Flugzeuge getroffen und bis zur Flugunfähigkeit beschädigt wurde (siehe Bildstrecke).

Die grosse – und bislang unbeantwortete – Frage: Wer steckt hinter den Angriffen? Ungewöhnlicherweise hat sich bislang dazu niemand bekannt, was wilde Spekulationen auslöste.

  • Der Kreml verdächtigt wohl die USA, wenn er hinter den selbstgebauten Drohnen ein «Land mit hohen technologischen Möglichkeiten der Satellitennavigation» vermutet. Die USA wiesen umgehend darauf hin, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) solche Drohnen schon lange in Syrien und im Irak einsetze. Allerdings: Die Positionen des IS liegen Hunderte Kilometer vom russischen Stützpunkt entfernt. Zudem benutzt der IS meist Drohnen mit einer Reichweite von ein bis zwei Kilometern – weit unter den von Moskau angegebenen 50 Kilometern.

  • Die Drohnen auf den Stützpunkt Hamaimim wurden laut einem Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums aus einem Dorf der Provinz Idlib gestartet. Hier sind moderate, teils von den USA unterstützte Rebellen-Gruppierungen tätig.

  • Eine weitere Theorie: Der Aggressor soll eine Gruppe unzufriedener Alawiten sein – die religiöse Minderheit, zu der auch der syrische Machthaber Bashar al-Assad zählt. Das ist insofern plausibel, als in der Provinz Idlib, aus der die Drohnen starteten, mehrheitlich Alawiten wohnen. Zudem hatte sich nach den Angriffen eine Gruppe namens Free Alawite Movement gemeldet. Sie warnte regimefreundliche Alawiten davor, Assad weiter zu unterstützen. Zum Angriff bekannte sich die Gruppe aber nicht explizit.
    Allerdings zweifeln viele Alawiten die Existenz dieser Gruppe an. Sie spekulierten gemäss «Washington Post», dass «ausländische Nachrichtendienste» unter den Assad-Unterstützern Zwietracht säen wollten.

  • Wieder andere sagen, iranische Milizen, die auf Seiten des syrischen Regimes kämpfen, hätten die Drohnen geschickt. Dies, weil der Iran die russischen Bemühungen für einen Frieden in Syrien unterhöhlen wolle, da ein solcher den iranischen Interessen zuwiderlaufe.

    Gerade die Angriffe auf Hamaimim, das Herzstück der russischen Militäroperation in Syrien, dürften Moskau beunruhigen, schreibt «Al-Monitor»-Autor Maxim Suchkow. Der Stützpunkt galt zuvor praktisch als unangreifbar.

    Sicher ist, dass die andauernden Angriffe die Nachhaltigkeit des russischen Einsatzes in Syrien infrage zu stellen beginnen: «Die Angriffe demonstrieren, dass, wer auch immer sie befehligt, es weiterhin schafft, in Regime-Gebiet einzudringen und den Russen hohe Kosten zu verursachen», sagt Jennifer Cafarella vom Institute for the Study of War in der «Washington Post». Die Gewinne, die das Regime in Syrien für sich beansprucht, erscheinen so eher temporär.

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    Die beliebtesten Leser-Kommentare

    • hr.stfu am 11.01.2018 20:59 Report Diesen Beitrag melden

      Berichterstattung auf Wunsch der USA

      Also,was der Kreml,die Alawiten und "wiederum Andere" sagen ist sozusagen nicht sicher,aber was Jennifer Cafarella in der Washington Post sagt gilt als sicher.Soso.Wieder mal eine super Berichterstattung.

    • Death Parade am 12.01.2018 01:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      hm...

      tja welches grosse land wohl seine finger dabei hat

    • Mein Senf am 11.01.2018 21:04 Report Diesen Beitrag melden

      Lass es uns versuchen

      Wer könnte da wohl in Frage kommen. Wohl der grösste Agressor der Welt, geführt von einem Mann mit der schönsten Fönfrisur.

    Die neusten Leser-Kommentare

    • Stefanbasel am 12.01.2018 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kinderspielzeug

      also wenn das für den Russen hohe Technologie ist dann weiß ich auch nicht. solche bausätze kann man kaufen. Satelliten Navigation ist auch kein Hexenwerk. Ist ist jeder Drohne ab 300 CHF verbaut. man muss kein Genie sein um sowas zu bauen. etwas technisches Verständnis und man kann es. Sorry Russland mit solchen Aussagen von fortschrittlicher Technologie kann euch keiner mehr ernst nehmen.

      • Kopfschüttler am 12.01.2018 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

        @Stefanbasel

        50 Kilometer Reichweite? Bisschen weit für ne Drohne welche angeblich von Amateuren zusammengeschraubt wurde. Da waren Profis am Werk, die sich darauf verstehen eine effektive Drohne, billig aussehen zu lassen. Ist ebenfalls keine Kunst für ein professionellen Drohnenhersteller.

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    • Lexx Luthor am 12.01.2018 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ein Kapitel aus der Hölle

      Ist ja klar, dass der katastrophale Angriff auf das syrische Regime, der katastrophal misslungen ist, nicht einfach so aufhört. Der Frust und Verlust ist beispielsweise für Israel und dessen Verbündeten USA ein grosses Debakel. Nachdem Syrien nun in Schutt und Asche liegt, geht die Kriegsmaschine für Eretz Israel (Grossreich Israel) nun wieder auf das alte Endziel los: Iran, zweitgrösstes Erdölland des Planeten. Netanyahu scheinen die etwa 45'000 Juden, die im Iran leben, nicht zu kümmern. Ist Netanyahu Antisemit?

    • Morlem am 12.01.2018 04:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Deja vue

      Irgendwie erinnert mich das an die Zeit der Russen in Afghanistan.

    • allright am 12.01.2018 03:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      kann nicht mehr vor Lachen

      So viel zur Glaubwürdigkeit der russischen Nachrichten. Drohnen zur Landung gebracht und keine Schäden angerichtet ... unglaublich ...

    • Waldfux am 12.01.2018 01:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      1,2 oder 3

      Soso, moderate Rebellen, die mit der unterstützung der USA? Oder doch Alawiten die ihren Assad stürzen wollten? Wir dürfen wählen was wir glauben wollen.