Björn Höcke

07. Dezember 2017 19:11; Akt: 07.12.2017 19:11 Print

Das brachte die DNA des AfD-Politikers an den Tag

von Ann Guenter - Die Aktivsten des «Zentrums für Politische Schönheit» haben die DNA ihres Nachbarn, dem Rechtsaussenpolitiker Björn Höcke, auswerten lassen.

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Die Aktivsten vom «Zentrum für Politische Schönheit» fragten: «Ist der oberste Brandstifter Deutschlands überhaupt Teil seines ‹lieben› deutschen Volkes? Gehört er zum ‹selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp› (Zitat Höcke)?» Sie lieferten Antworten mit Höckes DNA. Angefangen hatte alles am 22. November: Sein «kleines Bullerbü» nannte Björn Höcke in der NZZ einst sein holzvertäfeltes Wohnhaus in Bornhagen. Dieses ländliche Idyll störte Ende November dann allerdings ein Streifenwagen. Aus Sicherheitsgründen, hiess es. Und sie sind der Grund: Aktivisten des «Zentrums für Politische Schönheit» (ZPS), die seit zehn Monaten die Nachbarn von ... ... Rechtsaussen-AfDler Björn Höcke sind. Ihm haben die Aktivisten in unmittelbarer Nähe seines Hauses 24 Stelen hingestellt, ein Pendant zum Holocaust-Mahnmal in Berlin. «Sie sollen Höcke jeden Tag daran erinnern, dass dieses Denkmal tatsächlich für zivilisatorischen Fortschritt steht», sagt Jochen Schom vom ZPS zu 20 Minuten. In den letzten zehn Monaten beobachteten Höckes neue Nachbarn aber auch dessen Haus: Zwischen zwei und zehn Aktivisten sammelten in dieser Zeit «mehrere aufschlussreiche Dossiers» über den 45-Jährigen. Mit dem gesammelten Material wollen sie Höcke allenfalls unter Druck setzen, denn sie verlangen von ihm, dass «Höcke ein öffentliches Bekenntnis abgibt, dass der Holocaust stattgefunden hat und dass er stolz ist auf die Aufarbeitung, die Deutschland seit dem 2. Weltkrieg leistet». Das sei «widerwärtig und abstossend», schäumte Torben Braga, Pressesprecher des AfD-Landesverbands Thüringen, am Telefon mit 20 Minuten. Höcke werde rechtliche Schritte einleiten, zumal das «Stalking», dem er und seine Familie ausgesetzt seien, strafbar sei. Die Aktivisten kontern: «Wir haben weder Höckes Frau noch seine Kinder observiert noch Material über sie gesammelt.»

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Sie lassen nicht locker, die Aktivisten vom «Zentrum für Politische Schönheit» (ZPS): Nachdem sie undercover das Nachbarhaus des Rechtsaussen-AfD-Politikers Björn Höcke gemietet und ihm eine Kopie des Holocaust-Mahnmals von Berlin vors Haus gestellt haben, folgt nun ein weiterer Coup: Die aktivistischen neuen Nachbarn, die Höckes Haus seit Monaten observieren, behaupten, eine DNA-Probe des 45-Jährigen genommen und in ein «führendes DNA-Labor aus Österreich» geschickt zu haben.

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Das Resultat: «Die Datenbank-Suche mit allen 16 DNA-Markern hat vier Treffer ergeben, die allesamt der europäischen Population zuzuordnen sind. Der Treffer in der gemischten Bevölkerung Brasiliens kann als ausgewanderter Portugiese interpretiert werden. Somit wären zwei der Treffer ethnisch in Portugal anzusiedeln, einer in Frankreich und einer in Nordpolen.»

«Ausgewanderter Portugiese»

Damit, so schliessen die Aktivisten, sei Höcke «kein ‹Abstammungsdeutscher› (O-Ton Höcke). Er ist gemäss eigener Ideologie nicht einmal ‹blutdeutsch›. Höcke ist laut Testergebnissen ein ‹ausgewanderter Portugiese›.»

Der Schweizer-Deutsche Philipp Ruch, Leiter des ZPS, sagte: «Björn Höcke geriert sich als Abstammungsdeutscher und nimmt für sich deshalb in Anspruch, für die Deutschen sprechen zu dürfen.» Deswegen habe das ZPS beschlossen, die Abstammung Höckes zu überprüfen.

Man habe «da schon rein optisch Zweifel» gehabt, teilte das ZPS weiter mit. Jetzt, wo man wisse, wie «die Migrationsbewegungen von Höckes Vorfahren der letzten 2000 Jahre» aussehen würden, sei der als Portugiese, Pole und Franzose Geoutete «für den völkischen Rassismus in Deutschland nicht länger redeberechtigt».

Der Müll aus dem Höcke-Haus

Die Frage, ob der «oberste Brandstifter Deutschlands überhaupt Teil seines ‹lieben› deutschen Volkes» sei und ob er «zum ‹selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp› (Zitat Höcke)» gehöre – die Aktivisten wollen dies mit ihrem neusten Streich offensichtlich beantwortet haben.

Auf Nachfrage, woher sie das Genmaterial des AfD-Politikers hätten, sagten sie, dass sie darüber keine Auskunft geben würden, man dies aber leicht erraten könne. Wir tippen daher auf den Müll aus dem Höcke-Haus.

Doch wie wussten die Aktivisten, dass sie Höckes DNA und nicht jene einer anderen Person in das Labor einschickten? «Er ist der einzige Mann im Haus», hiess es, und trage ergo das entsprechende Chromosom. Im Wissen um genetische Grundsätzlichkeiten und die Bedeutung bleibt dennoch die Möglichkeit, dass sie die DNA eines männliches Gastes untersuchen liessen. Dem wollte eine ZPS-Sprecherin nachgehen und sich wieder melden. Wir werden die Antwort gerne nachliefern.

Einmal mehr juristisch problematisch

Der DNA-Jux mag manchen zum Lächeln bringen, den Aktivisten könnte das Lachen vergehen: Wie bereits mit der Observierung des Höcke-Hauses bewegen sie sich auf justiziabel dünnem Eis. Um seine genetische Herkunft herauszufinden, kann zwar privat jeder einen DNA-Test durchführen lassen. Doch ein DNA-Test ohne Einwilligung ist zumindest im Zusammenhang mit einer unklaren Vaterschaft ordnungswidrig.

Höcke oder die AfD, hiess es beim ZPS, hätten auf die DNA-Nachricht noch nicht reagiert. Die Reaktionen dürften ähnlich ausfallen wie am 22. November, als das Mahnmal vor Höckes Haus enthüllt und sich die ihn observierenden Nachbarn zu erkennen gegeben hatten. «Widerwärtig und abstossend», sei dies, hatte Torben Braga, Pressesprecher des AfD-Landesverbands Thüringen, am Telefon mit 20 Minuten damals gesagt. «Das sind Stasimethoden, und da reagieren wir in den neuen deutschen Bundesländern allergisch drauf.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Scientist am 07.12.2017 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Weg

    Bin absolut nicht auf einer Linie mit Höcke aber die Testung der DNA ohne Einwilligung der Person ist ein schwerer Verstoss gegen Persönlichkeits und Datenschutzrechte.

    einklappen einklappen
  • Karl3 am 07.12.2017 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    Bei einem linken Politiker würden alle über Stalking berichten...

    einklappen einklappen
  • Maler50 am 07.12.2017 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so nicht!

    Das Vorgehen dieses Vereins ist völlig daneben. Es spielt keine Rolle was man vom AfD-Politikers hält,so geht es nicht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Soia am 08.12.2017 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Herkunft

    Es würde mich auch meine eigene Herkunft interressieren. So gratis eine Bescheinigung zu erhalten, wäre doch gut. Er soll doch zufrieden sein. Allerdings wünschte ich mir nicht, dass das in die Zeitung kommt.

  • zürcher am 08.12.2017 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Kein Respekt den Respektlosen! Keine Toleranz für die Intoleranten!

  • Bernd Höcker am 08.12.2017 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Volksverdummung

    Wutbürger aufhetzen ist das gesamte Programm von Höcke. Sonst hat er nichts zu bieten.

  • Vater am 08.12.2017 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    DNA / DNS

    Wenn ich als Mann die DNA meines Kukukkindes nehme komme ich an die Kasse.

  • James am 08.12.2017 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    Was hat seine DNA mit seiner Meinung und seinen Argumenten zu tun? Linke sind schon recht eingeschränkt oftmals.