Trump in Davos

11. Januar 2018 07:28; Akt: 11.01.2018 10:44 Print

Berset muss sich auf diese Rüpeleien gefasst machen

Bei Auslandsreisen ist der US-Präsident nicht gerade für seine feinfühlige Art bekannt. Auf diese Fauxpas muss sich Alain Berset in Davos gefasst machen.

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Berühmt-berüchtigt ist US-Präsident Donald Trumps Handschlag: Als einer der Ersten kommt Japans Premier Shinzo Abe im Februar 2017 in den Genuss: Trump lässt den Japaner gar nicht mehr von der Hand – ein Affront in Japan, wo die Begrüssung im Protokoll der Geschäftswelt einen hohen Stellenwert einnimmt. Im Gegenteil dazu wird der deutschen Kanzlerin Angela Merkel die Ehre eines präsidialen Händedrucks im Weissen Haus gar nicht zuteil. Erst bitten Fotografen im März beim Pressetermin um einen Handschlag, dann fragt Merkel sogar selbst danach. Später behauptet Trump, er habe die Bitten nicht gehört. Während er sich europäischen Kollegen gegenüber distanziert verhält, hat Trump in von Scheichs und Despoten regierten Ländern weniger Probleme. Beim Besuch in Saudiarabien im Mai 2017 wagt er gar ein Tänzchen mit Säbel ... ... und lässt sich zusammen mit König Salman (Mitte) und einer ominös leuchtenden Weltkugel ablichten. Doch schon bei der nächsten Station seiner ersten Auslandsreise als US-Präsident ... ... unterläuft ihm ein Fauxpas. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem legen er und First Lady Melania am 23. Mai 2017 nicht nur einen Kranz nieder. Trump verewigt sich auch im Gästebuch. Sein Eintrag sorgt für Kritik, denn dort steht nur: «Es ist eine Ehre, mit all meinen Freunden hier zu sein – so fantastisch + werde nie vergessen.» Das schreibe man, «wenn man oben auf der Zugspitze steht und die Landschaft bewundert», sagte Mosche Zimmermann von der Hebräischen Universität in Jerusalem daraufhin laut «Handelsblatt». Sein Image als Rüpel festigt Trump am Nato-Gipfel in Brüssel am 25. Mai. Bei der Aufstellung für ein Gruppenfoto drängt er sich nach vorn und schiebt dafür den montenegrinischen Premierminister Dusko Markovic rüde beiseite, um ... ... neben Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg (3. v. l., 1. Reihe) Aufstellung zu nehmen. Markovic (Mitte) nimmt es augenscheinlich mit Humor. Noch am gleichen Tag macht der Händedruck zwischen Trump und dem französischen Präsidenten Schlagzeilen. Emmanuel Macron liefert sich einen wahren Handschlag-Kampf mit dem US-Präsidenten und bietet ihm Paroli. Trumps Verhältnis zu seinen europäischen Amtskollegen manifestiert sich auch am G7-Gipfel in Taormina am 26. Mai – er blickt demonstrativ in eine andere Richtung. Als Einziger bekennt sich Trump an dem Treffen nicht zum Pariser Klimaabkommen, später erklären die USA den Austritt aus dem Klimavertrag. Zum französischen Nationalfeiertag besucht Trump Paris – und macht Première Dame Brigitte Macron ein eher unpassendes Kompliment: «Sie sind in so guter Form», lobt er sie und wendet sich dann an Emmanuel Macron: «Sie ist in so guter physischer Verfassung.» Anerkennend fügt er an: «Wunderschön.» In Frankreich und anderswo sorgen die Äusserungen für Irritation. Ausserdem ergreift Trump in Paris die Gelegenheit und zahlt Macron seinen harten Handgriff vom Mai heim: Vor dem Invalidendom zieht er den französischen Präsidenten an sich heran und lässt dessen Hand fast nicht mehr los. Eine weitere Unart Trumps: Mit dem Finger auf andere Leute zeigen, wie hier auf Kanadas Premier Justin Trudeau im Oktober 2017. Das gelte als unanständig, weil der Einsatz des Zeigefingers an eine Waffe erinnere, sagt Stilexperte Didi Lorrilard. «Das wirkt bedrohlich» und ist «das Paradebeispiel schlechten Benehmens». Im November 2017 verweigert Trump dem japanischen Kaiserpaar die angemessene Begrüssung: Statt einer tiefen Verbeugung, wie sie sein Vorgänger Barack Obama noch vollführte, reicht der US-Präsident Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko lediglich die Hand – immerhin mit gesenktem Kopf. Für Häme sorgt beim gleichen Japan-Besuch Trumps Ungeduld beim Füttern von Koi-Karpfen zusammen mit Premier Shinzo Abe. Nachdem er zunächst Krümel für Krümel ins Wasser wirft, leert er kurz darauf die ganze Packung aus. Was in der Berichterstattung aber zunächst untergeht: Abe hatte seine Packung zuvor ebenfalls ausgeleert. Am 12. November ist der US-Präsident überfordert von der traditionellen «Asean-Begrüssung» am Gipfel mit asiatischen Staatschefs in der philippinischen Hauptstadt Manila. Zugegeben, kein Fauxpas, eher eine motorische Störung Trumps, der von sich behauptet, ein «Genie» zu sein.

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Sollte Bundespräsident Alain Berset beim Weltwirtschaftsforum WEF in Davos tatsächlich Gespräche mit Donald Trump führen, kann er sich auf einen bis zur Schmerzgrenze gehenden Händedruck einstellen. Für den ist der US-Präsident bekannt. Dass der mächtigste Amerikaner damit die Oberhand behalten will, wird denn auch oft belächelt. Auch sonst verhält sich Donald Trump auf dem internationalen Parkett nicht immer salonfähig.

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(mlr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli am 11.01.2018 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenes Verhalten

    Hoffentlich verhalten sich diejenigen, die sonst so für Welt-Offenheit und Toleranz sind selber, auch so.

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  • D.S am 11.01.2018 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump in Davos

    Unglaublich wie sich gewisse Leute benehmen! Vorallem gewisse Politiker. Die sollten sich schämen! Trump hat ja nichts der CH gemacht. President Trump,hat doch ein Recht nach Davos zu kommen und die CH zu besuchen! Ich hoffe Berset greift durch.Ich schäme mich für die CH.In unserer CH Regierung,könnte man auch gewisse Bundesräte auswechseln!!!! Schlimm.

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  • eu und merkel sind schlimmer am 11.01.2018 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die welt braucht trumps

    der mann ist für sein volk.. unsere politiker beugen sich der eu. ich wünschte, unsere Politiker würden sich so um uns kümmern

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Die neusten Leser-Kommentare

  • giorgio1954 am 12.01.2018 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kriecher

    Gehe davon aus, dass, WENN Berset überhaupt Trump emfangen darf, Berset ihm dermassem flatiert (in den H... kriecht), dass es sogar Trump unwohl ist.

  • Conny am 12.01.2018 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krafttraining

    Trump scheint auf den Bildern eher als Tra... .. Sein Ego ist so dominant dass er sich nicht im Geringsten dem Land,in dem er Gast ist, anpasst. Viele solche Sachen machen ihn noch unsympatischer. Hoffe, dass Herr Berset noch ein Fitnesstudio besucht um Kraft in der Hand zu trainieren und so Trump die Hand so fest drückt bis dessen Finger blau werden.

  • Jazzco am 12.01.2018 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brettspiel

    Immer wenn ich Trump sehe muss ich an das Spiel "Lotti Karotti" denken....

  • Paul Portmann am 12.01.2018 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenstimme

    Bin kein Freund des WEF. Was ich aber gut finde ist, dass einer gegen eine schrankenlose Globalisierung zu Wort kommen wird. Präsident Trump versucht sei Land wieder zu Reindustrialisieren. Das hilft wieder viele Leute in Arbeit zu bringen. Er hat schon erreicht, dass Firmen wieder in den USA Produzieren. Was ist für die Gesellschaften wichtiger den Mittelstand zu erhalten oder globaler Welthandel ohne Schranken? Früher sind unsere linken auch für Arbeitsplätze gewesen. Heute für das Klima das sich schon immer gewandelt hat und für die Asylanten und Multikulti.

  • Gustav S. am 12.01.2018 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Trump, Trump, Trump......

    Extrem was in den Medien dauernd über Trump berichtet wird. Nun kommt noch sein Besuch in Davos dazu und dadurch wird der Medienbericht nochmals gesteigert. So hoffe ich, dass sich nach dem WEF alles wieder einigermassen normalisiert.