«Bedrohung zerstören»

07. Dezember 2017 11:42; Akt: 07.12.2017 13:05 Print

Verteidigungsminister will britische Jihadisten töten

Er ist neu, jung und schlägt radikale Töne an: Grossbritanniens Verteidigungsminister Gavin Williamson sagt, es sei «ganz einfach», einheimischen Terroristen das Handwerk zu legen.

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Erst Anfang November wurde Gavin Williamson zum britischen Verteidigungsminister ernannt. Nur wenige Wochen später findet er in der Diskussion um Jihad-Rückkehrer so angreiferische Worte, wie sie ein westeuropäischer Politiker nur selten äussert. Britische Staatsbürger, die für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpfen, sollen nach dem Willen Williamsons ausfindig gemacht und getötet werden, sagte der Minister in einem Zeitungsinterview.

«Es ist ganz einfach: Meiner Meinung nach kann ein toter Terrorist Grossbritannien keinen Schaden mehr zufügen», sagte der 41-Jährige gegenüber der Boulevardzeitung «Daily Mail» (Donnerstagsausgabe). «Wir sollten alles unternehmen, was wir können, um diese Bedrohung zu zerstören und auszulöschen.»

Keinen «sicheren Raum»

Schätzungen zufolge reisten 800 britische Staatsbürger in den Irak und nach Syrien, um sich dem IS anzuschliessen. 130 von ihnen sollen getötet worden, rund 400 bereits nach Grossbritannien zurückgekehrt sein.

Auch britische IS-Kämpfer, die in andere Länder geflohen seien, sollten ausfindig gemacht und getötet werden, sagte Williamson der Zeitung. Für sie dürfe es keinen «sicheren Raum» mehr geben, sie müssten «zur Strecke gebracht werden», sagte der Minister.

Minister mit Tarantel

Der bisher noch wenig bekannte Tory-Politiker ist ein Senkrechtstarter. Zwar zog der studierte Soziologe schon 2010 ins Parlament ein, war dort allerdings bis vor Kurzem Thereas Mays «Chief Whip». Er sorgte also bei den Konservativen dafür, dass sie bei Abstimmungen anwesend sind und im Sinne der Partei abstimmen. Weil diese Rolle keine Wortmeldungen im Parlament vorsieht, hatte Williamson nur wenig Gelegenheit sich öffentlich zu profilieren.

Bekanntheit erlangte er im Parlament vor allem mit seinem ungewöhnlichen Bürogspänli: einer Tarantel, die er in einer Glasbox auf seinem Schreibtisch hält. Das Spinnentier hört auf den Namen Kronos – nach dem griechischen Gott, der seinen eigenen Vater mittels Kastration entmachtete.


Viel Kritik aus eigenen Reihen

Mit Williamsons Berufung zum Nachfolger von Michael Fallon, der wegen Belästigungsvorwürfen zurücktrat, hatte deshalb niemand gerechnet. Auch, weil der neue Chef von Europas mächtigster Streitkraft keinerlei Erfahrung in militärischen Dingen hat. Vor seiner politischen Karriere war Williamson Chef einer Töpferfabrik. Der Entscheid sorgte bei vielen Konservativen für Entsetzen. «Es gibt Zeiten, in denen man ein Jobangebot besser ablehnt und erfahrenere und geeignetere Kollegen empfiehlt», twitterte etwa die Tory-Abgeordnete Sarah Wollaston.


Williamson wuchs in Scarborough an der Nordseeküste als Kind von Labour wählenden Eltern auf. Er ist mit einer Primarlehrerin verheiratet, hat zwei Töchter und gilt als tierlieb. So hält er nicht nur eine Spinne, sondern ist auch Mitglied der Welt-Eulen-Stiftung und hat ein Igelhaus im Garten.

Dass er in der Politik aber nicht als lieb gelten will, machte er jüngst an einer Sitzung der Konservativen klar: «Wir pflegen ein Vorgehen mit Karotte und Stock (dt. etwa Zuckerbrot und Peitsche)», sagte er. «Ich persönlich mag den Stock nicht wirklich, aber es ist erstaunlich, was man mit einer gewetzten Karotte erreichen kann.»

(kko/sda)