Seit 10 Jahren verschollen

12. März 2017 10:39; Akt: 12.03.2017 10:39 Print

Kann Dealmaker Trump US-Agent befreien?

2007 wurde der CIA-Agent Robert Levinson im Iran verhaftet. Seine Familie hofft immer noch auf seine Freilassung – und setzt nun auf Trump.

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Der Fall Robert Levinson ist bis heute ein Mysterium: Unklar ist nicht nur, mit welchem Auftrag der US-Bürger vor zehn Jahren in den Iran reiste, sondern auch, was danach mit ihm passierte. Etliche andere US-Gefangene wurden seitdem von Teheran freigelassen. Doch von dem ehemaligen FBI-Agenten, der inoffiziell für die CIA gearbeitet haben soll, fehlt noch immer jede Spur. Seine Frau gibt sich zum Jahrestag der Festnahme trotzdem zuversichtlich.

«Wir denken, dass man unter allen möglichen Umständen zehn Jahre überleben kann. An den widrigsten Orten können Menschen überleben. Wir wissen, dass Bob am Leben ist», sagt Christine Levinson im Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Es sei sehr schwer für sie gewesen, dass der Iran in den vergangenen Jahren viele andere Amerikaner freigelassen habe, während das Schicksal ihres Mannes weiterhin vollkommen ungewiss sei. «Jetzt ist es an der Zeit, dass auch er zu seiner Familie zurückkehrt.»

Als Spion in den Irak gereist?

Am 9. März 2007 verschwand Levinson, nachdem er auf die iranische Insel Kisch gereist war. Washington beteuerte lange, der damals 58-Jährige habe sich privat dort aufgehalten. Im Dezember 2013 enthüllte die Nachrichtenagentur AP dann aber, dass Levinson vom Geheimdienst CIA geschickt worden war – allerdings von einer Abteilung, die gar nicht befugt gewesen sein soll, Spionageaktionen zu leiten. Zudem kam heraus, dass die Familie 2,5 Millionen Dollar von der CIA erhalten hatte, um Ermittlungen zu stoppen, in dessen Rahmen die Umstände des mysteriösen Einsatzes ans Licht gekommen wären.

Die einzigen Lebenszeichen von Levinson seit seinem Verschwinden waren Fotos und ein Video in den Jahren 2010 und 2011. Den Aufnahmen nach war er damals abgemagert und hatte lange Haare sowie einen Bart. Gekleidet war er in einen orangen Overall, der denen der Gefangenen im US-Gefängnis in Guantánamo glich. In dem Video, bei dem im Hintergrund ein in Afghanistan beliebtes paschtunisches Hochzeitslied zu hören war, beklagte sich Levinson über seinen schlechten Gesundheitszustand.

Familie gibt Hoffnung nicht auf

Der verschollene Agent hatte einst mit Diabetes und Bluthochdruck zu kämpfen. Die Familie geht jedoch davon aus, dass diese Probleme gerade wegen des Gewichtsverlusts nicht mehr gravierend sein dürften. «Über seine Gesundheit mache ich mir keine allzu grossen Sorgen», sagt der Sohn Dan Levinson. «Ich verstehe, dass viele Leute das Schlimmste befürchten, da es nun schon zehn Jahre sind. Aber wir glauben das nicht.»

Die US-Bundespolizei FBI hat für Hinweise, die zu einer sicheren Rückkehr des Amerikaners führen könnten, inzwischen eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Seit mehreren Jahren kursieren Gerüchte, denen zufolge sich Levinson in Teheran in einem Gefängnis der paramilitärischen Revolutionsgarden befinden könnte. Aus Kreisen der US-Regierung heisst es dagegen, dass er womöglich gar nicht mehr im Iran sei.

Briefe an Iran blieben unbeantwortet

Die iranischen Behörden zeigten sich in dem Fall bisher alles andere als kooperativ. Der frühere Präsident Mahmoud Ahmadinejad liess 2010 in einem AP-Interview zudem durchblicken, dass Teheran schon vor den späteren Veröffentlichungen von den Geheimdienst-Aktivitäten Levinsons gewusst haben könnte. «Wenn klar werden würde, was sein Ziel war, oder wenn er wirklich auf einer Mission gewesen sein sollte, dann wäre eine spezielle Unterstützung eventuell möglich», sagte Ahmadinejad in Bezug auf das Schicksal des Vermissten.

Die Familie schrieb nach eigenen Angaben Briefe sowohl an den derzeitigen gemässigten iranischen Präsidenten Hassan Rohani als auch an das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei – in beiden Fällen aber ohne Reaktion. In einem Bericht der UN-Arbeitsgruppe zu willkürlichen Inhaftierungen hiess es im Januar, Teheran trage im Fall Levinson die Verantwortung und müsse «ohne jede weitere Verzögerung» für Aufklärung sorgen. Eine diesbezügliche Anfrage der AP an die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen blieb jedoch ebenfalls unbeantwortet.

Jetzt soll Trump handeln

Die Angehörigen des Agenten setzen unterdessen ganz auf den neuen Mann im Weissen Haus. Donald Trump sei ein «Deal-Macher» sagt Sohn Dan, das könne nun auch seinem Vater zugutekommen. «Um ihn da rauszuholen, ist Verhandlungsgeschick gegenüber den Iranern gefragt», betont er. Deswegen sei der neue Präsident sehr gut geeignet, um hier eine Lösung herbeizuführen.

Trumps Pressesprecher Sean Spicer sagte, die US-Regierung stehe mit Levinsons Familie in Kontakt und setze alles daran, für dessen sichere Rückkehr aus dem Iran zu sorgen. Aus Kreisen des Weissen Hauses wurde bestätigt, dass es ein Telefongespräch zwischen Vertretern der Regierung und der Familie gegeben habe und dass die Sache in Washington hohe Priorität geniesse.

«Wir werden die Hoffnung niemals aufgeben», sagt Levinsons Tochter Stephanie Curry. «Wir werden nicht aufhören zu hoffen, dass er zu uns zurückkommt.»

(ap)