Donald Trump

20. März 2017 16:54; Akt: 21.03.2017 07:37 Print

«Demokraten haben Russland-Geschichte erfunden»

Das FBI weiss von keiner Abhöraktion gegen Donald Trump während des Wahlkampfs. Trotzdem nimmt die Regierung die Anschuldigung nicht zurück – um von Russland abzulenken?

FBI-Direktor James Comey entkräftet die Abhörvorwürfe des US-Präsidenten an seinen Amtsvorgänger. (20. März 2017) Video: Tamedia/AP
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FBI-Direktor James Comey hat erstmals öffentlich bestätigt, dass seine Behörde zu möglichen Kontakten zwischen Russland und Mitarbeitern von US-Präsident Donald Trump ermittelt. Diese Ermittlungen seien Teil einer umfassenderen Untersuchung zu der russischen Beeinflussung der US-Wahl im November 2016, sagte Comey am Montag zu Beginn einer Kongressanhörung zum vermuteten Einfluss des Kreml auf die Wahl und möglichen Verbindungen zu Trumps Wahlkampfteam. Die Ermittlungen gingen auch der Frage nach, ob Straftaten begangen worden seien, sagte Comey.

Vorwürfe des Präsidenten, sein Vorgänger Barack Obama habe ihn abhören lassen, entkräftete Comey bei der Anhörung des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses. «Ich habe keine Informationen, die diese Tweets stützen», sagte er zu Twitter-Nachrichten Trumps, in denen er Obama das Abhören seiner Telefone im Trump Tower vorgeworfen hatte.

Auch Republikaner widerspricht Trump

Ähnlich äusserte sich zuvor der republikanische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Devin Nunes. Eine Abhöraktion im Trump Tower habe es nicht gegeben, sagte Nunes. Andere Überwachungsmassnahmen gegen Trump und seine Vertrauten könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden, fügte der Republikaner hinzu.

Die Antwort aus dem Weissen Haus kam postwendend: Das Weisse Haus nehme die Abhörvorwürfe gegen Barack Obama nicht zurück, sagte Trumps Mediensprecher Sean Spicer. Die Aussagen Comeys hätten nichts an der Lage geändert.

James Comey entkräftet Trumps Vorwurf gegen Obama

Zu den Kontakten zwischen dem Trump-Team und dem Kreml sagte er, der Geheimdienstausschuss habe bislang keine Beweise gefunden, dass Vertreter von Wahlkampfteams mit russischen Agenten zusammengearbeitet hätten. Dieser Frage werde jedoch weiter nachgegangen.

Serie von Angriffen

Das FBI und der Auslandsgeheimdienst CIA haben sich überzeugt gezeigt, dass Russland hinter einer Serie von Angriffen auf Computer der Demokraten vor der Wahl am 8. November steckt. Die Regierung in Moskau hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Mike Rogers, Chef des Geheimdienstes NSA, sagte am Montag dem Ausschuss Repräsentantenhaus in Washington, die NSA stehe zu ihrem Bericht vom Januar. Demnach wollte Moskau die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, schwächen, aber nicht Trump in das Weisse Haus bringen.

Wer will wie ablenken?

Der ranghöchste Demokrat in dem Ausschuss, Adam Schiff, hatte zuvor seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass Comey den Fragen nach dem angeblichen Abhören des Trump Towers dauerhaft ein Ende bereiten werde. Die Demokraten im Geheimdienstausschuss würden sich teils darauf fokussieren, ob US-Bürger Russland beim Hackerangriff auf die Demokraten geholfen hätten.

Trump warf den Demokraten am Montag unmittelbar vor der Anhörung vor, sich die Anschuldigungen über Russland auszudenken. Sie hätten die Russland-Geschichte erfunden, um so eine Entschuldigung dafür zu haben, einen schrecklichen Wahlkampf betrieben zu haben, teilte der Präsident auf Twitter mit.

Eine weitere Theorie der Ablenkung kommt von Seiten der «New York Times»: In einem Artikel, der die bizarre Entstehungsgeschichte des Abhörvorwurfs gegen Obama nachzeichnet, mutmassen die Autoren, dass Trump sich solcher Attacken bedient, um von der FBI-Untersuchung gegen sein Wahlkampfteam wegen möglicher Russland-Kontakte abzulenken. Auch beim «Atlantic» werden ähnliche Vermutungen angestellt: Trump wolle mit den Vorwürfen die Untersuchung gegen ihn politisieren und als von Demokraten gesteuert porträtieren.

Laufende Ermittlungen

Ginge es nach Trump sollte der Kongress und das FBI lieber die undichten Stellen und Leaks der letzten Wochen untersuchen. Trump kopiert gar die Vorwürfe gegen ihn und münzt sie auf Hillary Clinton um: Die Bundespolizei solle zu Kontakten zwischen Russland und dem Team seiner demokratischen Rivalin ermitteln. Wie zu den Obama-Vorwürfen lieferte er für diese Anschuldigungen keine Belege. Die US-Geheimdienste haben bislang nicht öffentlich davon gesprochen, dass es die Möglichkeit von Verbindungen zwischen Clinton und Moskau gegeben haben könnte.

Normalerweise äussert sich das FBI nicht öffentlich über laufende Ermittlungen. Comey hat bei der Anhörung jedoch laut eigenen Angaben wegen des immensen öffentlichen Interesses die Erlaubnis des Justizministeriums.

(mch/sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna Anna am 20.03.2017 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorwurf gegen Obama

    Dieser Trump erweist diesem Amerika einen Bärendienst. Er kann nur verlieren.

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  • marko 32 am 20.03.2017 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump

    Trump seine Reaktion möchte ich jetzt sehen

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  • Christian am 20.03.2017 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Mal abwarten.

    Wunderbar... Wie geht es jetzt nun weiter? Ich bin da mal sehr gespannt. Es heisst: "Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!" Die Ohrfeige wird so laut klatschen, einfach mal abwarten. Lustig:)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Amrein am 20.04.2017 06:15 Report Diesen Beitrag melden

    Druck der Medien

    Es wird so lange Druck durch die Medien gemacht bis Trump irgendwann nachgibt. Und alles nur weil er sein Amerika liebt. Finde es einfach nur beschämend. So etwas nenn ich nicht Demokratie. Schade Schade.

  • Chnoblibrot am 21.03.2017 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Busenfreund?

    Trump und Glarner scheinen aus dem gleichen Holz geschnitzt zu sein.(ciasso)

  • Nikolaus7 am 21.03.2017 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Trump: "Sucht Euch einen anderen ...

    ... für das Amt." Das wird er vermutlich in seiner grenzenlosen Egomanie irgendwann, bald sagen. Ich denke Trump glaubt selbst tatsächlich, was er so alles von sich gibt. Er ist dem Goldlöffel im Mund groß geworden und hatte wohl niemals Widerspruch. Nicht während seiner Erziehung, nicht während seiner Ausbildung, und später schon gar nicht. Wenn einer von klein auf lernt, dass alles was er sagt einfach stimmt, weil er es sagt, dann wird man genau so ein Trump. Und wenn dann einer widerspricht,... dann wird der kleine Donald eben zornig, weil das kennt er noch nicht. Und bald wird er trotzig.

  • Ernst am 21.03.2017 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtigstellung

    Comey hat gesagt, dass Obama die Abhörung nicht angeordnet hat. Nocht dass er nicht abgehört wurde.

  • Willi Zbinden am 21.03.2017 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann Paranoia schmerzhaft sein?

    Ich denke Trump würde jetzt besser seine Arbeit machen. Es kommt mir vor als wäre er Paranoid. Mit seinen Manipulationen gegenüber anderen Ländern wird er sowieso nicht weit kommen.