UNO-Kulturorganisation

12. Oktober 2017 14:52; Akt: 12.10.2017 20:24 Print

Nach den USA verlässt auch Israel die Unesco

Die Unesco vertrete in zunehmendem Masse anti-israelische Positionen. So begründet die USA ihren Austritt aus der UNO-Kulturorganisation. Jetzt zieht Israel nach.

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Verabschieden sich aus der Unesco: Donald Trump und Benjamin Netanjahu schütteln Hände. (22. Mai 2017) (Bild: Keystone/Alex Brandon/AP)

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Die USA und Israel ziehen sich aus der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Unesco, zurück. Beide Länder werfen der Unesco eine israelfeindliche Haltung vor. Das Aussenministerium in Washington begründete den Schritt am Donnerstag unter anderem damit, dass die Unesco eine «grundlegende Reform» brauche und zunehmend anti-israelische Positionen vertrete.

Der Schritt sei der Regierung nicht leicht gefallen, erklärte Sprecherin Heather Nauert. Man störe sich aber an der israelfeindlichen Haltung der Unesco und an Zahlungsrückständen innerhalb der Organisation. Der Austritt soll nach ihren Angaben am 31. Dezember 2018 wirksam werden. Die USA wollten danach jedoch einen Beobachterstatus behalten.

Die Unesc-Generaldirektorin Irina Bokowa sei formell über die Entscheidung der US-Regierung unterrichtet worden. Bokowa bezeichnete den Schritt in einer ersten Reaktion als bedauerlich. Der Austritt sei für «die Familie der Vereinten Nationen» und für den Multilateralismus ein Verlust.

«Absurdes Theater»

Wenig später kündigte auch Israel seinen Austritt aus der Unesco an. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu habe das Aussenministerium angewiesen, den Austritt Israels an der Seite der USA vorzubereiten, hiess es in einer am Donnerstag in Jerusalem veröffentlichten Erklärung von Netanjahus Büro. Der Regierungschef begrüsste demnach die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die Unesco zu verlassen.

«Dies ist eine mutige und moralische Entscheidung, weil die Unesco ein absurdes Theater geworden ist und weil sie, anstatt Geschichte zu bewahren, diese verzerrt», hiess es in der Erklärung.

Schatten des Nahostkonflikts

Die Arbeit der Unesco stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Schatten von Streit vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts. Nach der Aufnahme Palästinas in die Organisation hatten die USA 2011 ihre Zahlungen an die Unesco gestoppt - dabei wären sie eigentlich der grösste Beitragszahler. Im Sommer sorgte die Entscheidung, die Altstadt von Hebron zum palästinensischen Weltkulturerbe zu erklären, für Empörung in Israel.

Die Unesco vor allem für die Listen des Weltkulturerbes bekannt. Doch die Organisation mit 2100 Mitarbeitern und einem dreistelligen Millionen-Etat ist in vielen weiteren Feldern aktiv - von Bildung über Biosphärenreservate bis Gleichberechtigung. Ihr Auftrag ist es, das wechselseitige Verständnis zwischen den Nationen zu fördern.

1984 waren die USA schon einmal aus der Organisation ausgetreten. Als Gründe gaben sie damals die anti-westliche Politisierung und ein ineffizientes Management an. Erst 2003 kehrten die USA zurück.

(mch)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • myname am 12.10.2017 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bildungslücke?

    An diejenigen unter euch die des Lesens & Verstehens nicht mächtig sind: Die USA haben unter Obama beschlossen keine Beiträge mehr zu bezahlen. Eine verständliche Kurzfassung für die Leser mit Verständnisschwäche: Trump (ausnahmsweise) nix Schuld

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  • Büezer am 12.10.2017 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Merke

    Alle schimpfen über Trump, aber in diesem Fall wurden seit2011 keine Zahlungen mehr betätigt. Da sprach noch niemand über Präsi Trump. Und von diesen Geldverschlingenden Weltorganisationen müssen wir uns auch nicht blenden lassen.

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  • CountryTec am 12.10.2017 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kultur und Bildung?

    Nee - da passt Trump wirklich nicht. Ob das alle Amerikaner so sehen bezweifle ich stark.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr T am 13.10.2017 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Top

    Wer braucht schon Internationale Abkommen und Organisationen wenn man ein riesen Armeebudget hat!

  • Gentleman am 12.10.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genauso unnötig wie UNO!

    Der Ohridsee in Mazedonien könnte die gesamte Bevölkerung in der Seebene inkl. der umliegenden Dörfer mit Wasser versorgen ( ca. 100-150 Tausend Einwohner) aber dank dieser Organisation sind Alle!! von Trinkwassermangel betroffen weil diese es zum Weltkulturerbe erklärt hat!

  • JonSnow am 12.10.2017 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kakistokratie / Kleptokratie

    Kultur, Wissenschaft und Bildung sind in Trumpistan halt nicht gefragt. Toll, so hat Trump endlich wieder was erreicht indem er etwas lange Beständiges zerstört hat. USA, Israel und Westsahara sind nicht in der Unesco. Passt schon irgendwie

  • Spatz am 12.10.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UESCO für nix

    Eine Organisation, die so viele Beiträge von so vielen Ländern erhalt, müsste eigentlich auch in der Pflicht sein, ein Weltkulturerbe zu schützen und erhalten, siehe Palmyra.

    • Weltbürger am 13.10.2017 10:27 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber den Spatz in der Hand

      Sehen Sie es einmal anders herum. Welche Stätten würde es ohne die UNESCO heute vielleicht nicht mehr geben? Wenn die UNESCO Kriege verhindern oder beenden könnte, wäre das natürlich toll. Aber solange Menschen die Politik eines Trump und Co. verteidigen, wird das so schnell nichts werden.

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  • Röby K. am 12.10.2017 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na ja , überrascht niemanden?

    Es ist schade das die Politik und der Hass oder auch nur Wut keine Achtung und würde kennt. Was schön und einmalig ist sollte Geschütz werden egal im welchem Land und von welchem Glaube. Aber eben es geht nur um Wut und Hass auch bei anderen Völker und Ländern.