Nordkorea

07. Dezember 2017 12:25; Akt: 07.12.2017 18:37 Print

Krieg ist «feststehender Fakt»

Statt um «ob» gehe es nur noch um «wann»: In Nordkorea ist man sich zumindest in Teilen der Regierung sicher, dass ein Krieg unausweichlich sei.

Bildstrecke im Grossformat »
Während sein Aussenministerium martialische Töne von sich gibt, besucht Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un eine Kartoffelmehl-Fabrik in der Ryanggang-do Provinz im Norden des Landes. Die Samjiyong-Fabrik wurde eben erst gebaut. Zuvor war Kim in der Nachbarprovinz Chagang-do unterwegs und inspizierte eine Reifenfabrik. Er dankte dort angeblich den Arbeitern dafür, dass sie einen riesigen Transporter fertiggestellt hatten, der eine neue Interkontinentalrakete zur Startrampe fuhr. Nordkorea feierte seinen jüngsten Raketentest mit einer Militärparade am 1. Dezember in Pyongyang. Auf dem Banner steht: «Wir feiern den erfolgreichen Test einer Hwasong-15, die der ganzen Welt Nordkoreas Macht und Grossartigkeit gezeigt hat.» Kim selbst blieb den Propaganda-Feierlichkeiten fern. Ranghohe Vertreter aus Militär, Partei und Regierung waren aber vertreten. Der Vize-Vorsitzende des Zentralkomitees der Partei der Arbeit, Pak Kwang-ho, sagte in einer Ansprache, die USA seien vom Erstarken von Nordkoreas nuklearer Kraft «erschüttert» worden und könnten versuchen, ... ... provokative Schritte zu unternehmen. Er wiederholte Kims Warnung, dass Nordkorea mit den «härtesten Gegenmassnahmen der Geschichte» reagieren werde. Begründet wird die jüngste scharfe Rhetorik aus Nordkorea unter anderem mit der so gross wie nie zuvor angelegten Luftwaffenübung der Vereinigten Staaten mit Südkorea. Bei dem Manöver mit Hunderten Kriegsflugzeugen setzten die USA am Mittwoch auch B-1-Bomber ein. Die Luftwaffenübungen werden in Nordkorea als Vorbereitung für eine Invasion verstanden. An der Operation «Vigilant Ace» nehmen nach Angaben der US-Luftwaffe 12'000 Mitglieder der US-Armee, eine ungenannte Anzahl südkoreanischer Soldaten sowie mehr als 230 Militärflugzeuge auf acht südkoreanischen und US-Stützpunkten teil. Auch US-Tarnkappen-Jäger des Typs F-22 und sowie der Tarnkappen-Mehrzweckjet F-35 kamen zum Einsatz. Das Militärmanöver «Vigilant Ace» sei von defensiver Natur, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums. Die Luftwaffe trainiere aber auch für verschiedene Kriegsszenarien, darunter simulierte Präzisionsschläge gegen nordkoreanische Atomanlagen. Nicht nur in Nordkorea wird das jährlich stattfindende Grossmanöver kritisch gesehen, auch in Seoul gingen Leute dagegen auf die Strasse und protestierten vor der US-Botschaft. Vor dem Hintergrund der steigenden Spannungen um Nordkorea ist erstmals seit sieben Jahren ein ranghoher UNO-Vertreter ins Land gereist: UNO-Untergeneralsekretär Jeffrey Feltman traf am Dienstag in Pyongyang ein, wo er von einem Vertreter des nordkoreanischen Aussenministeriums begrüsst wurde. Letzte Woche hat der US-Bundesstaat Hawaii erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges wieder Sirenen getestet, die vor einem atomaren Angriff warnen sollen. Hintergrund ist eine mögliche Bedrohung durch Nordkorea. Der Amerikaner ... ... Thomas Hanes vernahm die ungewohnten Töne gelassen: «Ich dachte, wenn das eine nukleare Attacke ist, kann ich nichts dagegen machen. Also chille ich.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Krieg auf der Koreanischen Halbinsel ist aus Sicht Nordkoreas angeblich nur noch eine Frage der Zeit. Es sei keine Frage, ob der Krieg komme. «Die offene Frage ist: Wann wird der Krieg ausbrechen?», sagte ein Sprecher des nordkoreanischen Aussenministeriums.

Die gemeinsamen südkoreanisch/US-amerikanischen Militärmanöver und die Drohungen der USA mit einem Präventivschlag würden unausweichlich zum Krieg führen. Besonders kritisiert Nordkorea die «kriegerischen Bemerkungen» von US-Regierungsvertretern.

So habe CIA-Direktor Mike Pompeo Nordkorea provoziert, als er die Führung des Landes «frech kritisiert» habe. Der Ausbruch eines Kriegs auf der Koreanischen Halbinsel sei dadurch zum «feststehenden Fakt» geworden.

«Wünschen uns keinen Krieg, aber verstecken uns nicht»

«Wir wünschen uns keinen Krieg, verstecken uns aber auch nicht davor. Und sollten die USA unsere Geduld falsch einschätzen, werden wir die USA die Konsequenzen tragen lassen», sagte der Sprecher zudem.

CIA-Direktor Pompeo hatte am Wochenende gesagt, aus Sicht der US-Geheimdienste wisse Machthaber Kim Jong-un nicht, wie dürftig seine Lage im Inland und international sei.

Geschwächte Wirtschaft: Nordkorea leidet unter den internationalen Sanktionen. Video: Tamedia/AFP

Nordkorea sieht Vorbereitung für eine Invasion

Nordkorea testete unter Verletzung von US-Resolutionen Raketen und Atomwaffen, zuletzt eine neue Interkontinentalrakete. Am Montag starteten die USA und Südkorea ein gross angelegtes Militärmanöver in der Region.

Pyongyang versteht diese Zurschaustellung der amerikanischen Militärmacht und die Luftwaffenübungen auf der Koreanischen Halbinsel als Vorbereitung für eine Invasion. So gelten die B-1-Bomber nach nordkoreanischem Verständnis als «nuklear-strategische» Flieger. Die Langstreckenbomber wurden aber Mitte der 1990er-Jahre für den konventionellen Einsatz umgebaut.

UNO-Vertreter in Pyongyang

Wegen des Atom- und Raketenprogramms Nordkoreas hatte sich US-Präsident Donald Trump einen monatelangen verbalen Schlagabtausch mit der Führung in Pyongyang geliefert.

Heute, Donnerstag, traf sich ein führender UNO-Diplomat in Pyongyang mit dem nordkoreanischen Aussenminister Ri Yong-ho. Über den Inhalt des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

Schon am Tag zuvor hatte sich Jeffrey Feltman, der UNO-Untergeneralsekretär für politische Angelegenheiten, mit Ris Stellvertreter getroffen. In den Staatsmedien hiess es dazu, sie hätten über Themen von beiderseitigem Interesse gesprochen.

(ap)