Terror

27. März 2017 23:29; Akt: 27.03.2017 23:31 Print

London-Attentäter hatte «Interesse am Jihad»

Der IS hat die Attacke in London für sich reklamiert. Doch erste Ermittlungsergebnisse erzählen eine andere Geschichte.

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Starb an ihren Verletzungen im Spital: Die 31-jährige Andreea Cristea zusammen mit ihrem Freund Andrei Burnaz. Der Attentäter soll Terroristen kopiert haben: Vor dem Westminster in London werden Blumen hingelegt und der Opfer gedacht. (27. März 2017) Fast alle Verdächtigen sind wieder auf freiem Fuss: Bewaffnete Polizeibeamte patrouillieren in London. (25. März 2017) Die britische Polizei hat ein Foto des 52-jährigen Attentäters Adrian Russell Ajao veröffentlicht. Sie versucht herauszufinden, ob der Mann ganz allein handelte oder ob andere ihn ermutigten, unterstützten oder anleiteten. Es hätte der schönste Tag ihres Lebens werden sollen: Die 31-jährige Andreea Cristea stürzte in die Themse, als das Attentat in London geschah. Auf der Suche nach dem Motiv des Attentäters untersucht die britische Polizei grosse Mengen Material, das bei Razzien im ganzen Land beschlagnahmt worden ist. Londons Bürgermeister Sadiq Khan trauert um die Opfer und legt zu Ehren des getöteten Polizeibeamten Keith Palmer Blumen nieder. Der Tod des unbewaffneten Polizisten hat eine Welle der Solidarität ausgelöst. Zwei Tage nach der Bluttat sind für die Familie des Polizisten bereits mehr als 550'000 Pfund (gut 680'000 Franken) an Spenden zusammengekommen. Gedenkminute im britischen Parlament einen Tag nach dem Attentat. (23. März 2017) Der Name des Attentäters ist publik: Khalid Masood wird nach seiner Tat ärztlich behandelt. (22. März 2017) Die britischen Fahnen wehen am Donnerstag auf halbmast in London. Der Tag nach dem Attentat: Polizisten besprechen sich vor der Westminster-Brücke. Ein Polizist bringt Blumen für den niedergestochenen Berufskollegen mit. Die Trauer ist gross auf der Insel. Polizistinnen legen am Tatort Blumen für die Opfer nieder. (23. März 2017) Jeremy Corbyn, der Chef der Labour Party, gedenkt ebenfalls der Opfer. Eine klare Botschaft aus Indien: «Wir verurteilen die Attacke in London.» Die Normalität in Londons Innenstadt kehrt langsam wieder ein: Ein frisch vermähltes Ehepaar lässt sich von den Greueltaten an gleicher Stätte tags zuvor die Freude nicht nehmen. Sprach sein Beileid aus – und eine Warnung: Recep Tayyip Erdogan. «Vom internationalen Terrorismus inspiriert»: Mark Rowley, Chef der Antiterroreinheit, an einer Medienkonferenz vor der Scotland-Yard-Zentrale in London. (22. März 2017) Riesiges Polizeiaufgebot: Einsatzkräfte in Westminster nach dem Anschlag. (22. März 2017) Eine Stadt steht unter Schock: Polizeifahrzeuge vor dem Big Ben. Nach der Amokfahrt sind die Sicherheitsvorkehrungen in Londons Innenstadt verstärkt worden. London bei Nacht: Polizeiboote partrouillieren auf der Themse. Das Leben werde wie gewohnt weitergehen: Die britische Premierministerin spricht in London zu den Medien. (22. März 2017) Attacke auf das britische Parlament: Ein Auto überfuhr Menschen auf der Westminster Bridge und raste dann in die Umzäunung des Westminster-Palace. (22. März 2017) Die Londoner Polizei gibt nach der Tat eine Medienkonferenz unter freiem Himmel ab. Blick von einer Terrasse auf den Polizeieinsatz mitten in der grossen Metropole. Geschockte Passanten: Touristen und Einheimische werden nach den Vorgängen rund um das Parlamentsgebäude evakuiert. Nach der Amokfahrt herrschte Chaos auf der Westminster-Bridge. Im Riesenrad «London Eye» gegenüber dem Parlamentsgebäude sassen Personen während mehrerer Stunden fest. Verletzte Personen werden betreut. Polizisten begleiten Verwundete. Beamte sperren die Strasse zum Westminster-Palast ab. Das Parlamentsgebäude wurde gesperrt. Ein Rettungshelikopter steht bereit.

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Die Londoner Polizei sieht keinen Beweis für eine Verbindung des Attentäters von vergangener Woche mit Jihadistengruppen. Es sei kein Nachweis für eine Verbindung zum Islamischen Staat (IS) oder zu al-Qaida gefunden worden, erklärte Scotland Yard am Montag.

Es gebe auch keinen Beleg dafür, dass sich der mutmassliche Islamist Khalid Masood im Gefängnis radikalisiert habe. Masood habe aber eindeutig ein «Interesse am Jihad» gehabt, hiess es weiter.

Masood hatte am Mittwoch auf der Westminster-Brücke in London mit seinem Auto Fussgänger angefahren und dabei eine 43-jährige Britin und einen 54-jährigen US-Touristen getötet. Anschliessend erstach er einen 48-jährigen Polizisten vor dem Parlament, bevor er selbst von der Polizei erschossen wurde. Ein bei dem Anschlag schwer verletzter 75-Jähriger starb am Donnerstag im Krankenhaus.

Erster IS-Anschlag in Grossbritannien

Der so genannte Islamische Staat (IS) hatte den Anschlag, bei dem auch mehr als 50 Menschen verletzt wurden, für sich beansprucht. Die sunnitischen Fanatiker hatten Masood als einen ihrer ««Soldaten» bezeichnet. Es war der erste Anschlag in Grossbritannien, den der IS für sich in Anspruch nahm.

Unterdessen verurteilte die Mutter des Attentäters den Anschlag mit deutlichen Worten. «Seit ich erfahren habe, dass mein Sohn dafür verantwortlich war, habe ich viele Tränen für die Menschen vergossen, die in diesen entsetzlichen Vorfall verwickelt wurden», teilte sie heute mit.

Sie sei zutiefst schockiert, traurig und wie betäubt, hiess es weiter von der Mutter von Khalid Masood. «Ich möchte absolut deutlich machen, damit es keine Zweifel geben kann, dass ich weder seine Tat billige, noch den Glauben unterstütze, der ihn dazu gebracht hat, diese Gräueltat zu begehen.»

(sep)