Crowdfunding

14. November 2017 13:40; Akt: 14.11.2017 14:29 Print

71'000 Dollar für den Mittelfinger gegen Trump

Juli Briskman zeigte dem US-Präsidenten den Mittelfinger. Die alleinerziehende Mutter wurde deswegen fristlos entlassen. Das hat viele Sympathisanten auf den Plan gerufen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Juli Briskman hat sich viele Feinde gemacht, seit ein Foto von ihr Schlagzeilen machte: Sie zeigte dem Fahrzeugtross des US-Präsidenten den Mittelfinger, als dieser an ihr vorbeifuhr. Seither wünschen ihr viele Social-Media-User alles Schlechte dieser Welt.

Doch die Protestgeste brachte ihr auch eine Menge Unterstützer und Bewunderer ein: Sie richteten die Crowdfunding-Seite «Thank you Juli Briskman» ein, die bis dato über 71'000 Dollar für Briskman eingenommen hat.

Denn die Folgen für die 50-jährige, alleinerziehende Mutter zweier Teenager waren schwerwiegend: Nachdem sie das Foto, das ein Pressefotograf geschossen hatte, auf Facebook stellte, entliess sie ihr Arbeitgeber – die staatsnahe Firma Akima – fristlos. «Dies, obwohl ich die Geste in meiner Freizeit machte», so Briskman. Aus ihrem Facebook-Profil sei auch nicht ersichtlich geworden, für wen sie arbeitete, sodass man sie mit der Firma gar nicht hätte in Verbindung bringen können.

«F***ing Libtard A**hole»

«Sie sagten zu mir: ‹Sie können nicht solche unanständige Gesten auf Ihren Social-Media-Kanälen haben. Darum trennen wir uns von Ihnen›», sagte Briskman. Stossend findet sie, dass der Direktor von Akima sich wenige Monate zuvor auf Facebook selbst im Ton vergriffen hatte, als er jemanden als «F***ing Libtard A**hole» (in etwa: Sch*** liberales A****loch)» bezeichnete.

Das aber sei ohne Konsequenzen geblieben, der Post des Akima-Direktors, der sich auf Facebook auch als solcher ausgab, wurde später klammheimlich gelöscht.

Klage gegen Firma geplant

Briskman will das Unternehmen nun verklagen, der gelöschte Facebook-Post des Direktors dürfte ihre Argumentation in einem möglichen Rechtsstreit stärken. Akima hat sich bislang nicht mehr zu dem Fall geäussert.

Was hatte Briskman getrieben, dem Präsidenten der USA den Mittelfinger zu zeigen? Der «Washington Times» sagte die 50-Jährige, die sich nicht als politische Aktivistin sieht: «Er fuhr an mir vorbei und mein Blut begann zu kochen. Kinder von illegal Eingewanderten werden ausgeschafft, Obamacare wird abgeschafft und in Puerto Rico hat nur ein Drittel der Bevölkerung Strom. Aber Trump hat Zeit, um wieder zu seinem verdammten Golfplatz zu fahren.»

Die Geste sei ihre einzige Möglichkeit gewesen, in diesem Moment ihre Meinung und ihr Missfallen an der Politik des US-Präsidenten zu äussern.

(gux)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dor is am 14.11.2017 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenzen

    Die Welt ist leider ungerecht und wird es immer bleiben. Ich kann ihren Frust gut nachvollziehen. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist, dass sie das Foto auf ihrem Facebook-Account veröffentlicht hat. Heutzutage sollte man sich doch im Klaren sein, dass dies Konsequenzen vielfältiger Art nach sich ziehen kann.

    einklappen einklappen
  • Ahnungslose am 14.11.2017 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soso

    Ok, Ähnlichkeiten wie in der Türkei mit Erdogan. Wer dagegen ist muss schweigen.

    einklappen einklappen
  • ichnervegernebünzlisrechteundkonservativ am 14.11.2017 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinns Idee

    Muss ich auch machen. Ich fahre mal nach Bern zeige diesen Rückgrat losen Lappenverein den Finger und hoffe auf ein Crowdfunding das mir Kohle gibt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 15.11.2017 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte die Frau auch entlassen...

    ...jeden der keine Selbstbeherrschung hat. 71'000 $ ist aber eine verrückte Strafe, das geht nur in Amerika.

  • No Trump am 14.11.2017 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Ich hoffe das sie gewinnt gegen die Firma. Die USA haben auch Menschen die denken können und weiter sehen als nur bis zum Brett vor ihrer Nase.

  • Marco am 14.11.2017 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entlassung war rechtswidrig

    Das wird für den Arbeitgeber noch teuer. In den USA gibt es keine Gesetze gegen üble Nachrede, das läuft bei denen alles unter das 1st Amendment, also freie Meinungsäusserung. Wer also eine Person entlässt, nur weil diese ihre (legale) Meinung öffentlich kundgetan hat, der hat ganz klar rechtswidrig gehandelt.

    • Tim am 14.11.2017 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marco

      Falsch. Checken Sie die US amerikanischen Arbeitsgesetze, die sehr liberal sind: Entlassungen warum auch immer sind jederzeit möglich. Sie müsste aufgrund Diskriminierung klagen, was sie nicht kann. Fazit: geschieht ihr ganz recht. Hätte sie das bei Obama gemacht hätten alle gejubelt: weisse Rassistin zurecht entlassen.

    • Rpedu am 14.11.2017 18:11 Report Diesen Beitrag melden

      Marco

      Geh mal auf die homepage des Unternehmens und schau mal, wieviele offene Jobs für den Staat gelistet sind. Wenn Du dann noch den Status von Dutzenden Stellen als "Secret"oder Top Secret" definiert siehst, ist klar, dass eine Zahlung, egal in welcher Höhe, für diese Firma der einzig akzeptable Weg ist, sich nicht das Wasser abzugraben. Die Angst lukrative Auftäge vom Staat zu verlieren gewichtet höher, als eine Strafe für eine ungerechtfertigte Emtlassung.

    • Rüedu am 14.11.2017 22:52 Report Diesen Beitrag melden

      Marco

      Eine Firma, die hochsensible Jobs in der Administration und Diensten auf Stufe "Secret" und "Top Secret" besetzt, darf und muss Loyalität von seinen Mitarbeitern erwarten. Nicht nur der Firma gegenüber, sondern auch gegenüber dem politischen System der USA und seiner Methoden. Da wird lieber eine saftige Strafe und Abfindung in Kauf genommen, als mit einem neuen "Snowden" in die Schlagzeile zu geraten und den Ruf der Firma nachhaltig zu schädigen. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Kündigung nachvollziehbar.

    einklappen einklappen
  • Bruce21 am 14.11.2017 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OK

    Finde ich ganz richtig so

  • mine am 14.11.2017 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Zufall

    Sie war zufällig da als die Wagen durchfuhren. Zufälligerweise war dann auch noch jemand da der das Foto machte. Alles zufällig. Danach ist diese Person ihr nachgerannt und hat ihr das Foto gegeben damit sie es auf ihrem Facebookprofil posten kann. Alles zufällig. Danach wurde sie entlassen und verklagt jetzt die Firma. Auch bekommt sie 71000 CHF Spendengelder. Zufälle gibts!

    • Lugano-Jürg am 14.11.2017 17:52 Report Diesen Beitrag melden

      Deskcam hat zwar jeder heute, aber ...

      ... es sind schon viel Zusammenhänge da, die mich auch etwas zweifeln lassen, wobei ich mich über die Geste für Trump freue. Na ja, ich gönne ihr auch die Spenden.....

    einklappen einklappen