Julian Assange

19. Mai 2017 17:48; Akt: 19.05.2017 19:49 Print

«Der richtige Krieg fängt gerade erst an»

Julian Assange ist überraschend vor die Botschaft getreten. Die Worte des Wikileaks-Gründers klingen nicht versöhnlich.

Jahrelang in der ecuadorianischen Botschaft in London gefangen: Julian Assange. (Video: Tamedia/AFP)
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Wikileaks-Gründer Julian Assange hat die Einstellung der schwedischen Ermittlungen gegen ihn als wichtigen Etappenerfolg gefeiert. «Es ist ein wichtiger Sieg für mich und für das UN-Menschenrechtssystem», sagte er am Freitag in einer Rede vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London. Aber damit sei sein Kampf gegen die Justiz noch nicht ausgestanden. «Der richtige Krieg fängt gerade erst an», sagte Assange und fügte an. «Ich kann weder vergeben noch vergessen».

Assange kündigte an, dass seine Anwälte mit den britischen Ermittlern Kontakt aufnehmen würden, um die weiteren Optionen zu besprechen. Denn neben den nun fallengelassenen Vorwürfen von Sexualstraftaten droht ihm auch durch die britische Polizei eine Festnahme, weil er seine Bewährungsauflagen missachtet hatte.

Assange befürchtet, dass er dann an die USA ausgeliefert und dort angeklagt werden könnte, weil er mit Wikileaks geheime US-Dokumente veröffentlicht hatte. In seiner Rede sagte Assange, er sei gerne dazu bereit, mit dem US-Justizministerium über die Vorwürfe zu sprechen.

US-Justizministerium äussert sich nicht

Über einen möglichen Auslieferungsantrag der US-Regierung ist aber nichts bekannt. Das US-Justizministerium wollte sich zum Fall Assange nicht äussern. «Derzeit kommentieren wir das nicht», sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Die schwedischen Staatsanwälte erläuterten, die Entscheidung hänge nicht mit einer möglichen Strafverfolgung des Wikileaks-Gründers durch die US-Behörden zusammen. «Die Entscheidung, die heute getroffen wurde, hat nichts mit möglichen Aktionen der US-Regierung zu tun», so Anklägerin Ny.

Auch die britische Regierung wollte nicht sagen, ob bereits ein Auslieferungsantrag für Assange vorliegt. Falls Assange die ecuadorianische Botschaft in London verlassen sollte, seien die Polizei und andere Strafverfolgungsbehörden zuständig.

Ecuador für freies Geleit

Ecuador forderte am Freitag freies Geleit, damit Assange die Botschaft verlassen kann. «Der europäische Haftbefehl gilt nicht länger», erklärte Aussenminister Guillaume Long am Freitag in Quito. London müsse Assange nun eine sichere Passage garantieren.

Der Wikileaks-Gründer hatte sich ursprünglich 2010 der britischen Polizei in London gestellt, war später aber auf Kaution entlassen worden. 2012 flüchtete er in die ecuadorianische Botschaft in London, weil er eine Auslieferung an die schwedische Justiz befürchtete.

Assange erscheint auf Botschaftsbalkon

Juristisches Tauziehen

Seit fünf Jahren hatte Julian Assange keinen Fuss vor sein Botschaftsexil in London gesetzt. Nach der Ankündigung, dass Schweden nicht mehr gegen ihn ermittelt, schaute am Freitag erst einmal nur die Botschaftskatze aus dem Fenster. Jahrelang hatten sich schwedische Staatsanwälte ein juristisches Tauziehen mit Assanges Anwälten geliefert.

In Schweden soll der Australier 2010 eine Frau vergewaltigt haben. Weitere Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Assange sind bereits verjährt. Der beteuerte seine Unschuld und versuchte immer wieder, eine Aufhebung des Haftbefehls zu erreichen.

Nach fast sieben Jahren geht es am Freitagmorgen plötzlich Schlag auf Schlag: Die schwedischen Behörden verkünden, die Ermittlungen gegen den 45-Jährigen seien beendet. Der Verdacht gegen ihn sei zwar nicht aus der Welt, macht Anklägerin Marianne Ny am Freitag klar. Doch ohne dass Assange sich in Schweden einem Prozess stellt, treten die Staatsanwälte in dem Fall auf der Stelle: «Wir sehen keine Möglichkeiten, die Ermittlungen weiter voranzutreiben.»

«Ernsthaft? Oh mein Gott», freut sich Assange nach Angaben seines Anwalts. Dazu twittert er ein Bild von sich, auf dem er in die Kamera strahlt.

Die Frauen, die Julian Assange belasten

Selbstdarsteller oder Robin Hood?

Die einen halten Assange für einen Aufklärer und Robin Hood der Internetwelt, die anderen für einen Selbstdarsteller, der mit Wikileaks sogar das Leben von Menschen aufs Spiel gesetzt hat. Als politischer Aktivist ist er längst Zeitgeschichte und Teil der Popkultur. Benedict Cumberbatch hat ihn in einem Film gespielt. Lady Gaga hat ihn interviewt, auch der US-Bürgerrechtler Jesse Jackson und der Filmemacher Michael Moore besuchten ihn. Vivienne Westwood erzählte einmal: «Ich quetsche ihn nach neuen Ideen aus. Ich denke, er ist genial.» Der Botschafts-Kaffee sei wirklich gut.

Nach Medienberichten lebt Assange in seinem Exil auf zwanzig Quadratmetern. Gemeinsam mit der Katze, die ihm seine Kinder geschenkt haben, wie die britische BBC berichtet. Gut geht es dem Wikileaks-Gründer dort aber laut seiner Mutter nicht: «Sein Körper gibt langsam auf, er hat schon Herzprobleme, eine chronische Lungenentzündung und schwere Schulterschmerzen», hatte sie dem australischen Rundfunksender ABC im Februar 2016 gesagt.

(kaf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beltran Leyva am 19.05.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Held der Menschen!

    ein Held des kleinen Mannes,ein Held für alle freien menschen,würde mich dennoch interessieren was die genauen umstände für seine Freilassung sind und obs wirklich so ist(bleiben wird)

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  • Toni K. am 19.05.2017 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gefangen für die Wahrheit

    Im Moment wird die Neue Weltordnung von unsern Medien , Politikern und dem Stimmvolk im Eiltempo eingerichtet und das ist Krieg gegen die Menschen die noch klar denken können . Es wird Zeit das wir endlich gegen die Eliten aufstehen wie es Assange und Snowden taten , es ist nicht 5 vor 12 sondern 20 nach 12 .

  • Wanderfalke am 19.05.2017 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Assange

    Nur nicht in die USA ausliefern, unter Trump würde es ihm noch schlechter ergehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 32 am 19.05.2017 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super

  • Tommy am 19.05.2017 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Zirkus muss aufhören!

    Botschaft hin oder her: Ich hätte schon lange das Haus gestürmt und hätte diesen Typen daraus geschleift. Zuerst mal wegen Verletzung der Kautionsbedingungen und danach wegdn allem anderen. Min. würde ich aber der Botschaft eine saftige Rechnung wegen dem Polizeieinsatz zustellen. Wenn diese nicht bezaht, dann Strom/Wasser abstellen, danach wenn nötig Autos pfänden usw.! ODER aber GB soll den Typen ausreisen lassen und gut ist.

  • Freedom Fighter am 19.05.2017 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manipulierte Menschen

    Assange ist ganz klar ein Held! Ohne Wikileaks wären unzählige Verschwörungen noch immer Theorie und noch nicht Fakt! Trotzdem finde ich es beschämend, dass es wirklich Leute gibt, die Assange für einen Vergewaltiger halten. Manche Leute glauben wirklich jedes Märchen, wenn es von offizieller Seite kommt.

  • Doc Cottle am 19.05.2017 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    heros

    Auch in der Schweiz hatten wir so einen Fall. Auch Christoph Meili wusste zu viel und hat sein Wissen in die Öffentlichkeit getragen. Aber wie kann man ohne solche Helden Verbrechen von Staaten, Banken und Privatwirtschaft aufdecken? Beide sind Helden.

  • ÄG am 19.05.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Hieb in die Knie des Gegners

    Vieleicht wird durch diese Art und Weise ein Hit erziehlt. Ob die Schlacht beeinflusst wird, werden wir erst später erfahren. Go go go...